Luft- & Raumfahrt

RSS Feeds  | Alle Branchen Luft- & Raumfahrt-Visual-122538176
21.10.2013, 16:59 Uhr | 0 |

BER immer teurer Flughafen Berlin soll sogar mehr als 5 Milliarden Euro kosten

Der Pannenflughafen Berlin Brandenburg wird noch teurer: Jetzt ist die astronomisch hohe Zahl von 5 Milliarden Euro im Gespräch. Dessen ungeachtet will Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit ungerührt den Chefposten des Kontrollgremiums dauerhaft übernehmen, den er derzeit kommissarisch innehat.

Hartmut Mehdorn und Klaus Wowereit
Á

BER-Chef Hartmut Mehdorn (l.) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit: Der Berliner Flughafen wird noch teurer und voraussichtlich mehr als fünf Milliarden Euro kosten.

Foto: Michael Kappeler/dpa

Darf es noch ein bisschen mehr sein? Die gut von der Käse- oder Wursttheke im Supermarkt bekannte Frage gilt auch auf der größten Flughafenbaustelle Europas – dem Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“. Jetzt bestätigte Aufsichtsratsmitglied Rainer Brettschneider einen Bericht des Bundes der Steuerzahler in seinem neuen Schwarzbuch, der inzwischen von Kosten von fünf Milliarden Euro ausgeht. „Es wird teurer als ursprünglich geplant. Ob die fünf Milliarden real sind oder nicht, das vermag ich nicht zu sagen. Das bedaure ich sehr“, sagte der 65-Jährige in einem Interview der ZDF-Sendung „WISO“ am Sonntag. Stiegen die Kosten von den ersten Planungen im Jahre 2004 von zunächst 1,7 Milliarden Euro auf 4,3 Milliarden im Jahre 2012, so wird die 5-Milliarden-Schwelle definitiv überschritten.

Der Steuerzahlerbund kritisiert in seinem gerade erschienen Schwarzbuch 2013: „So hat die Brandschutzanlage weiterhin keine Genehmigung; die hohen Anforderungen – auch für den Schallschutz von betroffenen Bürgern – verschlingen Millionen, die nicht vorgesehen und eingeplant wurden, obwohl dies gerade bei einem Flughafen elementare Planungselemente sind.“ Die Mängelliste sei vermutlich länger als die Startbahn des Flughafen. „Alles in allem werden die durch das BER-Debakel entstandenen Kosten weit über die Planmarke von 2,4 Milliarden Euro hinausschießen und am Ende 5 Milliarden Euro überschreiten.“ Zudem stellt der Steuerzahlerbund die Wirtschaftlichkeit des Flughafens grundsätzlich in Frage. „Wird der BER jemals seine Kosten wieder einfliegen können oder verkommt der Flughafen zu einem dauerhaften Zuschussgeschäft für die Steuerzahler?“

Brettschneider: „700 Millionen für den Schallschutz würde ich nicht ausschließen.“

Brettschneider führte ein ganzes Bündel an Gründen für die erneute Kostenexplosion an: „Der Posten für den Schallschutz ist größer geworden; das Terminal wurde größer gebaut, weil wir mehr Kapazitäten brauchen; und der Apparat läuft eine ganze Zeit, kostet jeden Monat, das ist misslich.“ Apropos Schallschutz: Der sollte einst 305 Millionen Euro kosten. „700 Millionen für den Schallschutz würde ich nicht ausschließen“, sagte Brettschneider jetzt.

Der gebürtige Hagener ist seit Januar 2013 als Staatssekretär Flughafenkoordinator in der Brandenburger Staatskanzlei tätig und somit ein ausgewiesener Kenner der fatalen Situation am Flughafen. Trotz der Hiobsbotschaften rechnet Brettschneider damit, dass der Flughafen am Ende kostendeckend arbeiten wird: „Im Moment gehe ich davon aus, das sich das tragen wird, allerdings nicht so früh wie gedacht.“

Trotz Stillstand jeden Monat Kosten in Höhe von 35 bis 40 Millionen Euro

Davon ist auszugehen: Denn derzeit verursacht der Flughafen jeden Monat Kosten in Höhe von 35 bis 40 Millionen Euro, obwohl kein Flugzeug fliegt und kein Passagier abgefertigt wird. Jedes weitere Jahr Stillstand kostet mehr als 400 Millionen Euro. Und so viel ist klar: Mit einer baldigen Inbetriebnahme ist nicht zu rechnen. Laut Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn gibt es derzeit keinen neuen Termin für die Eröffnung. „Dem Aufsichtsrat werde ich erst einen Start-Termin nennen, wenn er belastbar und verlässlich ist“, sagte Mehdorn dem Magazin Focus, der sich auch auf der kommenden Aufsichtsratssitzung nicht festlegen will. „Noch eine Blamage darf es nicht geben“, sagte Mehdorn.

„Momentan findet kein Probebetrieb statt“

Wer auf der Web-Präsenz des Flughafens auf den Reiter „Der neue Flughafen“ geht, wird zunächst verschämt auf die beiden Flughäfen Schönefeld und Tegel geleitet, bevor weiter unten der Flughafen Berlin Brandenburg virtuell besucht werden kann. Derzeit vermeldet der Pannenflughafen auf seiner spärlichen Web-Präsenz den Voll-Stillstand: „Momentan findet kein Probebetrieb statt“. Nicht mal eine Simulation eines Starts und einer Landung trauen sich die Manager um Mehdorn derzeit zu.

Mehdorn glaubt allerdings, dass nun ein Lösungsweg gefunden ist, um die Mängel an der Brandschutzanlage zu beheben. „Wir wissen jetzt, was gemacht werden muss“, so Mehdorn, der auf den Vertragspartner Siemens verwies, der dafür eineinhalb Jahre kalkuliere. „Der Auftrag an Siemens umfasst rund 14 Millionen Euro. Rund 50 Mitarbeiter von Siemens, Planungsfirmen und der Flughafengesellschaft waren monatelang mit den Vorbereitungen beschäftigt“, sagte Mehdorn dem Focus. „Nun beginnt die eigentliche Arbeit.“

Derweilen will Berlins Regierender Bürgermeister Berlins Klaus Wowereit, der den Aufsichtsrat des Flughafens nur kommissarisch leitet, das Gremium dauerhaft führen. Die kommissarische Leitung hat Wowereit seit August 2013 inne, da der frühere Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck aus gesundheitlichen Gründen diesen Posten geräumt hatte, auf den er erst am 16. Januar 2013 gewählt worden war. Zuvor war Wowereit wegen der zahllosen aus Aufsichtsratschef zurückgetreten.

Lederer: „Die Bilanz von Klaus Wowereit kennen wir nur zu gut.“

Wowerteits löst nicht überall Freude aus. So haben sich die Linkspartei in Berlin und die CDU in Brandenburg gegen Wowereit an der Spitze des Aufsichtsrates ausgesprochen. „Die Bilanz von Klaus Wowereit kennen wir nur zu gut“, sagte der Chef des Berliner Landesverbandes der Linken, Klaus Lederer dem Handelsblatt. „Eine personelle Veränderung an der Aufsichtsratsspitze ist daher naheliegend.“ Lederer will den Berliner Justizsenator Thomas Heilmann von der CDU an der Spitze des Kontrollgremiums sehen. Er forderte aber auch, dass dieser dann die Arbeit des Aufsichtsrates „grundsätzlich neu organisieren“ müsse.

Die Linke in Brandenburg, die dort mit in der Regierung sitzt, favorisiert Heilmann ebenfalls. Unterstützung erhält die Linke aus der Brandenburger CDU. „Die Mischung aus Erfahrung in Politik und Wirtschaft macht ihn zu einem interessanten Kandidaten“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Partei im Potsdamer Landtag, Dierk Homeyer, dem Handelsblatt. Wowereit, so der Politiker weiter, habe bewiesen, dass er überfordert sei. Es wird also eng für Wowi und das ist auch gut so.

Anzeige
Von Detlef Stoller
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden