02.05.2014, 12:28 Uhr | 0 |

Hauptstadtflughafen ist zu klein Flughafen Berlin braucht weitere Gepäckbänder

Der Chef des neuen Berliner Flughafens Hartmut Mehdorn kämpft mit einem Kapazitätsproblem. Lange vor der Eröffnung frühestens 2016 steht fest, dass der neue Berliner Flughafen zu klein geplant wurde. Jetzt hat der Aufsichtsrat Gelder für ein weiteres Gepäckband genehmigt.

Gepäckabfertigung am Hauptstadtflughafen
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Gepäckband im Terminal des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg: Die Gepäckausgabe am neuen Hauptstadtflughafen muss schon vor der Inbetriebnahme erweitert werden. Der Aufsichtsrat gab Geld frei, um neben den bestehenden acht Gepäckbandern ein weiteres zu planen. 

Foto: dpa/Patrick Pleu

Es wird aller Voraussicht nach nicht ausreichen, das zusätzliche Gepäckband, das dem Flughafenchef vom Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft jetzt genehmigt worden ist. Zu den bestehenden acht Gepäckbändern wollte Hartmut Mehdorn eigentlich zwei zusätzliche Bänder haben. Das geht aus einem Brief hervor, den Mehdorn zum 1. Mai an seine Mitarbeiter schrieb und der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Der frühere Technikchef Horst Amann, den Mehdorn selbst abgesetzt hatte, hatte sogar vier weitere Bänder für notwendig gehalten.

Engpässe an kritischen Bereichen im Flughafen sind jetzt schon absehbar

Es geht jedoch um mehr als das Feilschen über ein weiteres Gepäckband: Selbst wenn der neue Flughafen im Oktober 2016 tatsächlich eröffnet werden sollte – womit kaum noch jemand rechnet – wird „BER“ von Anfang an ein Kapazitätsproblem haben. In seinem jüngsten Sachstandsbericht warnt Mehdorn deshalb eindringlich vor Engpässen beim Check-in, bei den Sicherheitskontrollen und bei der Gepäckausgabe. Der Flughafen sei für 27 Millionen Passagiere pro Jahr konzipiert worden. Nach derzeitiger Kalkulation, so Mehdorn, werde der Flughafen Berlin Brandenburg mit 30 Millionen Fluggästen eröffnen. Für das Jahr 2020 gebe es Prognosen, die von 35 Millionen Passagieren ausgehen.

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Flughafenchef Hartmut Mehdorn telefoniert Mitte April kurz vor Beginn der 13. Sitzung des Flughafen-Sonderausschusses zum Hauptstadtflughafen BER in Potsdam im Foyer des Brandenburger Landtags. Anschließend verließ er die Sitzung wortlos, weil er sich gegängelt fühlte.

Foto: dpa/Ralf Hirschberger

Um der vorhersehbaren Überlastung die Spitze zu nehmen, wollte Mehdorn deshalb auch den benachbarten alten Airport Schönefeld weiter betreiben. Dafür hatte der Aufsichtsrat im April aber ebenfalls die geforderten zusätzlichen fünf Millionen Euro verweigert, weil der Flughafenchef für seine Planungen keine genauen Zahlen hatte vorlegen können. Das Geld für die Sanierung des alten Terminals war, ebenso wie die Mittel für zusätzliche Gepäckbänder, nicht in den 1,1 Milliarden Euro enthalten, die Mehdorn zusätzlich zu den bisher bewilligten 4,3 Milliarden Euro fordert, um den Flughafen fertigzustellen. Darüber hinaus stünden auch die Planungen des Bundes seinen Vorstellungen im Weg, schrieb Mehdorn in seinem Mitarbeiterbrief. Der Bund will den Altbau in Schönefeld nutzen, bis nebenan ein neues Regierungsterminal gebaut ist.

Mehdorn fühlt sich gegängelt

Genauere Zahlen forderte auch Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke). Brandenburg ist neben Berlin und dem Bund Gesellschafter der Flughafengesellschaft. In den vergangenen Jahren sei eine halbe Milliarde Euro zurückgelegt worden, um für konjunkturelle Risiken und den BER gewappnet zu sein, sagte Görke. Bevor aber die Flughafengesellschaft keine nachvollziehbaren Zahlen auf den Tisch lege, werde es keinen Cent geschweige Finanzzusagen geben, zitiert die Berliner Morgenpost den Minister. „Wir haben alles daran gesetzt, mit dem Geld des Steuerzahlers sorgfältig umzugehen. Und dabei wird es bleiben“, so Görke.

Mehdorn wünscht sich mehr Vertrauen

Demgegenüber sieht sich Hartmut Mehdorn sowohl vom Aufsichtsrat als auch von der Politik allzu sehr gegängelt. Mitte April hatte der Flughafenchef wortlos eine Sitzung des BER-Sonderausschusses im Brandenburger Landtag verlassen. Informationsbedürfnisse der Parlamente nehme er durchaus ernst, ließ Mehdorn anschließend wissen. Aber die Rolle, die Abgeordnete und Aufsichtsräte inzwischen spielen, sind dem Geschäftsführer ein Dorn im Auge. Die Berliner Morgenpost berichtete damals, dass Mehdorn seine Aktion im Landtag als eine Art Stopp-Signal verstanden wissen wollte. „Als Geschäftsführer eines Unternehmens brauche er Vertrauen. Als Reaktion auf Kontrollmängel der Vergangenheit seien die Aufsichtsräte jedoch dazu übergegangen, bis tief in operative Details hinein zu regieren. Der Aufsichtsrat dürfe nicht ‚Ober-Geschäftsführer‘ spielen“, so die Morgenpost. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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