14.09.2016, 11:51 Uhr | 0 |

SpaceShipTwo fliegt wieder Fliegender Windkanal in 15 Kilometern Höhe

Der Erstflug ist geglückt: Virgin Galactic hat mit der Flugerprobung seines privaten Raumschiffs VSS Unity begonnen – zwei Jahre nach dem Absturz des Vorgängers. Beim ersten Test blieb das Raumflugzeug aber in Obhut des Mutterschiffs. Bis zu den ersten Passagierflügen dauert es noch. Die Warteliste ist trotzdem lang. 

Virgin Galactic ist zurück in der Luft! Zwei Jahre nach dem verheerenden Absturz des Prototyps VSS Enterprise am 31. Oktober 2014, bei dem einer der Piloten ums Leben kam, hat das Unternehmen des britischen Milliardärs Richard Branson wieder ein SpaceShipTwo-Raumflugzeug starten lassen. Drei Stunden und 43 Minuten dauerte der Erstflug von VSS Unity über der Mojave-Wüste im Westen der USA. Im Februar hatte Branson die VSS Unity vorgestellt.

Captive-Carry-Flug in 15.200 Metern Höhe

Dabei war das kleine Raumschiff mit einer Flügelspannweite von 8,23 m, das irgendwann Touristen in den Weltraum bringen soll, nicht auf sich allein gestellt: Es handelte sich um einen Captive-Carry-Flug – das heißt, vom Start bis zur Landung war VSS Unity mit seinem Mutterschiff WhiteKnightTwo VMS Eve gekoppelt. Damit war der Testflug quasi ein „fliegender Windkanal“, wie Virgin Galactic auf dem unternehmenseigenen Blog schrieb.

In bis zu 50.000 Fuß oder gut 15.200 m Höhe wollten die Entwickler die Luftströmung sowie das Verhalten des Raumflugzeugs bei großer Kälte testen. Ganz von vorn beginnt Virgin Galactic bei den Tests natürlich nicht: Mit dem später verunglückten Prototyp VSS Enterprise hat das Unternehmen schon viel Erfahrung gesammelt, und das Vorgängermodell SpaceShipOne erreichte bereits 2004 zweimal den Weltraum.

Bergeweise Daten zum Auswerten

Während die Piloten Mark Stucky und Dave Mackay in der VSS Unity sowie die Piloten Mike Masucci und Todd Ericson gemeinsam mit dem Testingenieur Wes Persall in der VMS Eve den Erstflug des SpaceShipTwo-Luftfahrtzeugs absolvierten, beobachteten Mission Control am kalifonischen Mojave Air and Space Port und die Bodencrew jede Bewegung des Flug-Duos – eine gute Vorbereitung auf spätere Raumflüge, wie Virgin Galactic schreibt.

 

Das Ergebnis: bergeweise Daten, die ausgewertet werden wollen. Auf Basis der daraus gewonnen Erkenntnisse werden die nächsten Schritte geplant, darunter weitere Captive-Carry-Flüge. In Phase 2 der Testflüge soll sich die VSS Unity in der Luft vom Mutterschiff lösen und eigenständig zur Erde gleiten, bevor dann in Phase 3 das Hybrid-Raketentriebwerk zum Einsatz kommt. Dabei wird ein festes Kunststoffrohr als Brennstoff verwendet. Als Oxidator wird Distickstoffmonoxid, auch bekannt als Lachgas, zugeführt.

Mit Mach 3 in den Weltraum

Eigenständig starten wird das Raumflugzeug jedoch niemals: Dafür gibt es schließlich die VMS Eve, die auch später im Regelbetrieb eingesetzt werden wird. Das Doppelrumpf-Flugzeug sieht aus wie ein siamesischer Flugzeug-Zwilling mit zusammengewachsenen Flügeln.

In der Mitte wird die VSS Unity eingeklinkt und vom Mutterschiff auf etwa 15.200 m Höhe gebracht. Bei den späteren Passagierflügen löst sie sich vom Trägerflugzeug und geht in einen antriebslosen Flug von wenigen Sekunden über, so der Plan.

Dann zündet das Raketentriebwerk und bringt das SpaceShipTwo innerhalb von 30 Sekunden auf Mach 3. Das Flugzeug steigt steil nach oben – zwei Minuten lang, bevor die Triebwerke bei etwa 4.200 km/h ausgeschaltet werden.

 

Während des dann folgenden suborbitalen schwerelosen Flugs, der knapp fünf Minuten dauert, steigt das Flugzeug erst weiter auf, bis es eine Höhe von rund 110 km erreicht hat – 10 km über der sogenannten Kármán-Linie, die seit den 1950ern als Grenze zum Weltraum gilt. Der dann folgende kontrollierte Sinkflug geht bei etwa 16.700 m Höhe in einen Gleitflug über, der rund eine halbe Stunde später am Startflughafen endet.

Hunderte haben schon für den Flug bezahlt

Für dieses Spektakel berechnet Virgin Galactic pro Passagier 250.000 Dollar – knapp 223.000 Euro. Obwohl noch in den Sternen steht, wann genau die ersten Flüge starten können, gibt es bereits eine Warteliste von hunderten Interessenten, die sogar schon für den Flug bezahlt haben. Ganz weit oben für den Flug mit „seinem“ Raumflugzeug steht Stephen Hawking, der der VSS Unity ihren Namen gegeben hat. Er bekommt einen Freiflug.

Schon bezahlt haben für einen Flug die Pop-Sängerin Lady Gaga, ihr Kollege Justin Bieber und Schauspieler Leonardo diCaprio. Sechs Passagiere und zwei Piloten fasst die 3,70 m lange Kabine des Raumschiffchen pro Flug.

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Von Judith Bexten
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