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16.07.2013, 16:09 Uhr | 0 |

Ozonalarm Fliegen schadet manchmal der Gesundheit

In vielen europäischen Flugzeugen ist in der Atemluft giftiges Ozon, obwohl es per Katalysator kostengünstig zerstört werden könnte.

Flugzeugkabine mit Passagieren
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In vielen Flugzeugen fehlen Ozon-Konverter. Dadurch gelangt die extrem aggressive Variante des Sauerstoffs in die Atemluft des Bordpersonals und der Passagiere. Ozon ruft nicht nur vorübergehendes Unwohlsein hervor. Es steht auch im Verdacht, Gene zu zerstören und Krebs zu erregen.   

Bildquelle: dpa/Peer Grimm

Kopfschmerzen, Ermüdung, Atemnot, Schmerzen im Brustkorb, Husten sowie Reizungen von Augen, Nase oder Hals: Lauter Symptome, über die manch ein Fluggast nach einem Kurz- oder Mittelstreckenflug klagt. Ursache ist Ozon in der Luft, eine extrem aggressive Variante des Sauerstoffs, die unter anderem genutzt wird, um Bakterien in Trinkwasser abzutöten. In die Flugzeugkabine gelangt das Gift über die Außenluft, die in Höhen von mehr als sechs Kilometer stark ozonhaltig ist. Die dünne Außenluft wird angesaugt und komprimiert. Dabei erhitzt sie sich auf bis zu 250 Grad Celsius. Ehe sie in die Kabine strömt wird sie auf Wohlfühltemperatur gekühlt.

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Ozonkatalysator von BASF.

Quelle: BASF

Vor allem in Langstreckenflugzeugen wird die Luft, wenn ihre Temperatur ein Maximum erreicht hat, über einen Katalysator geleitet. Dieser zerstört das Ozonmolekül, das aus drei Sauerstoffatomen besteht. Übrig bleibt lebenswichtiger Sauerstoff. Dieser Ozon-Konverter fehlt in vielen Flugzeugen. Aus diesem Grund hat jetzt die Pilotenvereinigung Cockpit Alarm geschlagen. Nahezu alle Fluggesellschaften, auch die deutschen Linien- und Charterflieger, betreiben Maschinen ohne Konverter.

Dabei hatten, so die Gewerkschaft, die deutschen Gesellschaften schon vor fünf Jahren versichert, alle Maschinen würden nachgerüstet. Das sei nicht geschehen, obwohl der Einbau derartiger Konverter allenfalls 16 000 Euro pro Flugzeug kostet. Bei einem Anschaffungspreis, der hoch in die Millionen geht, eigentlich ein Klacks.

Die US-Luftfahrtbehörde greift rigoros durch

Ozon ruft nicht nur vorübergehendes Unwohlsein hervor. Es steht auch im Verdacht, Gene zu zerstören und Krebs zu erregen. Dass die Piloten besonders empfindlich reagieren, liegt daran, dass sie und das Kabinenpersonal dem Ozon während ihrer kompletten Arbeitszeit ausgesetzt sind. Die US-Luftfahrtbehörde FAA stuft Ozon als so gefährlich ein, dass nur Flugzeuge mit Ozon-Konverter den amerikanischen Luftraum nutzen dürfen. In Europa gibt es eine solche Regelung nicht.

2009 hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt die Auswirkungen von Ozon in Cockpit und Kabine untersucht. Das erschreckende Ergebnis: Es wirkt nicht nur negativ auf die Atemwege der Menschen an Bord ein, es reagiert auch mit den Oberflächen von Sitzen, Wänden und selbst von Kleidungsstücken. Dabei entstehen weitere Giftstoffe.

Von Wolfgang Kempkens
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