12.01.2015, 13:38 Uhr | 0 |

Trägerraketen recyceln Falcon 9: Sanfte Rückkehr zur Erde vorerst missglückt

Es wäre eine Sensation gewesen: Die Trägerrakete Falcon 9, die die ISS mit Nachschub versorgt, sollte zur Erde zurückkehren und sanft auf einer Seeplattform aufsetzen. Das Landemanöver missglückte zwar. Aber noch in diesem Jahr rechnet SpaceX-Chef Elon Musk mit einem Erfolg. 

Dragon zur ISS gestartet
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Die Trägerrakete Falcon 9 startete am Samstag mit der Versorgungskapsel Dragon an Bord zur ISS. Die Rakete sollte erstmals zwecks Wiederverwendung auf die Erde zurückkehren und sanft auf einer Seeplattform landen. Es kam zur Bruchlandung.

Foto: Jim Grossman/NASA

Angesichts der Bruchlandung gab sich Elon Musk, Chef des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX, gelassen. Bereits im Vorfeld hatte er die Chancen, dass das spektakuläre Manöver gelingen würde, mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent angesetzt. Tatsächlich war bei dieser Routine-Mission, die die Internationale Raumstation ISS mit insgesamt 2317 Kilogramm Lebensmittel, Wasser, Kleidung, Ersatzteile und wissenschaftliche Experimente versorgen wird, das Geschehen auf der Erde weitaus interessanter als die Mission im All.

Raketenstufe krachte mit hoher Geschwindigkeit auf die Seeplattform

Die ausgebrannte Trägerrakete Falcon 9 sollte nach ihrem Start von Cape Canaveral in Florida nicht wie sonst üblich beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühen, sondern kontrolliert landen und somit grundsätzlich wiederverwendbar werden. Dafür sollte die erste Stufe der Rakete mehrere Abbremsmanöver absolvieren: nach der Stufentrennung, vor dem Eintritt in die Erdatmosphäre und vor der Landung auf der Seeplattform. Gesteuert über GPS sollte die Raketenstufe senkrecht auf der Seeplattform nordöstlich von Florida aufsetzen. Ein waghalsiges Manöver.

Bis zum Aufsetzen funktionierte alles planmäßig, dann allerdings krachte die Stufe schließlich doch mit hoher Geschwindigkeit auf die Plattform. Seine Recyclingträume wird Elon Musk also noch etwas aufschieben müssen. Die Raketenstufe, ließ Musk über Twitter wissen, sei zerstört und auch die Technik der Plattform sei beschädigt.

Die Genauigkeit, mit der die Raketenstufe gesteuert wird, liegt bei 50 Meter

Den missglückten Landeversuch wertet Musk allerdings nicht als reinen Misserfolg. Die Zeichen, dass eine derartige Landung irgendwann gelingen wird, stehen nicht schlecht. Die Falcon 9 ist dafür mit ausfahrbaren Landebeinen ausgerüstet und hatte – erstmals für den aktuellen Landeversuch – sogenannte Gridfins am Raketenkörper. Mit diesen Steuerflächen lässt sich die immerhin 30 Meter hohe Hauptstufe auch bei hohen Geschwindigkeiten besser manövrieren.

Die unbemannte Landeplattform selbst kann ihren Standort über vier starke Unterwasserpropeller auch in rauer See auf etwa drei Meter genau halten. Durch die Gridfins war die Genauigkeit, mit der die etwa 90x50 Meter große Seeplattform  angesteuert werden kann, dramatisch verbessert worden. Bei früheren Versuchen lag sie bei rund zehn Meilen, also etwa 16 Kilometer. Nun wurde sie auf etwa 50 Meter erhöht.

In Europa soll die Ariane 6 mit wiederverwendbaren Teilen gebaut werden  

Je nachdem, wie stark die Seeplattform beschädigt ist, könnte der nächste Landeversuch bereits Ende Januar oder Anfang Februar stattfinden. Elon Musk zeigte sich zuversichtlich, dass es zumindest bei einem der geplanten ein Dutzend Starts im Laufe des Jahres gelingen wird, die Rakete heil zur Erde zurück zu bringen. Langfristig will der SpaceX-Chef damit die Kosten für Raketenstarts und Raumflüge weiter drücken.

Die zunehmende Konkurrenz auf dem Gebiet der kommerziellen Raumfahrt spüren auch die Europäer. Erst kürzlich beschlossen die Minister der 20 Mitgliedsstaaten der Europäischen Raumfahrtagentur ESA den Bau der Ariane 6. Die Trägerrakete, die es in mehreren Ausführungen geben wird, soll etwa schwere kommerzielle Satelliten ins All bringen und ihre Kosten am Markt verdienen. Auch hier sind wiederverwendbare Teile geplant.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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