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18.10.2016, 11:18 Uhr | 0 |

Taikonauten im All Erste Besatzung auf dem Weg zu Chinas neuer Raumstation

Mit den beiden Taikonauten, die China in der Nacht zum Montag ins All geschickt hat, erhält die neue chinesische Raumstation ihre erste Besatzung. 30 Tage lang sollen Jin Haipeng und Chen Dong an Bord der Tiangong 2 bleiben. Wenn Chinas ehrgeizige Pläne glücken, wird aus dem kleinen Raumlabor um das Jahr 2022 herum eine ausgewachsene Raumstation. 

Die Taikonauten Jin Haipeng (li.) und Chen Dong
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Die Taikonauten Jin Haipeng (li.) und Chen Dong am 17. Oktober 2016 kurz vor ihrem Flug ins All. Sie wurden in einer feierlichen Zeremonie verabschiedet.

Foto: How Hwee Young/dpa

Auch die Amerikaner freuten sich über den geglückten Start der Konkurrenz. „Glückwunsch zum erfolgreich Start von Shenzou 11 heute“, twitterte die Nasa in der Nacht zum 17.10.2016. Das Raumschiff Shenzou 11 war gerade mit einer Langer Marsch 2F-Rakete vom Raumfahrtbahnhof Jiuquan in der Wüste Gobi in Nordwestchina aus gestartet, an Bord die beiden Taikonauten Jin Haipeng und Chen Dong. Sie sollen insgesamt 35 Tage im All bleiben, 30 davon auf der neuen Raumstation Tiangong 2. Es ist der sechste bemannte Raumflug Chinas.

Tiangong 2 soll mindestens zwei Jahre über der Erde kreisen

Erst im vergangenen Monat war Tiangong 2, was Himmelspalast bedeutet, als erstes Modul für die neue chinesische Test-Raumstation ebenfalls mit einer Langer Marsch-Trägerrakete im All platziert worden. Das Vorgängermodul Tiangong 1 war 2011 gestartet und hatte einen mehrjährigen Einsatz im All, unter anderem mit bemannten Andockmanövern, absolviert. Das Nachfolgemodell, der Himmelspalast 2, soll nun mindestens zwei Jahre in knapp 400 m über der Erde seine Runden drehen.

epa05545559 Visitors look at a model of Chinese space laboratory Tiangong 2 during an exhibition in the scope of National Popular Science Day in Beijing city, China, 18 September 2016. More than 9,000 events will be held across China from 17 to 23 September in the framework of the annual event. EPA/WU HONG +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Im September präsentierte China in Peking im Rahmen des National Popular Science Day ein Modell des Raumlabors Tiangong 2.

Foto: Wu Hong/dpa

Tiangong 2 besteht, wie sein Vorgänger, aus nur einem Modul. Hier sollen Kommandant Jing Haipeng, der damit seinen dritten Einsatz im All absolviert und Kollege Chen Dong nach zwei Tagen Flugzeit andocken. Dabei wird er von einem kleinen Satelliten namens BanXing 2 beobachtet werden. BanXing 2 war an der Academy of Spaceflight Technology in Shanghai entwickelt worden und ist ausgestattet mit einer 25 Megapixel-Kamera und Fischaugen-Objektiven. Damit soll nicht nur das Andockmanöver fotografiert sondern auch Ausschau nach möglichem Weltraumschrott gehalten werden.

2017 soll ein Frachtschiff das Raummodul auftanken

Haben die Taikonauten erfolgreich an das Raummodul angedockt, werden sie 30 Tage lang dort leben und wissenschaftliche Experimente sowie Wartungsarbeiten durchführen. Tiangong 2 soll etwas komfortabler für die Taikonauten sein als das Vorgängermodell. Bessere Steuerungssysteme, einen zweiten Dockmechanismus, aber auch irdische Fernsehprogramme machen den Aufenthalt vermutlich angenehmer. Das Modul hat außerdem eine höhere Ladekapazität und lässt sich auftanken. Das Auftanken ist für 2017 vorgesehen. Dann wollen die Chinesen das erste Frachtschiff Tianzhou 1 – „Himmlisches Schiff“ – zum Raummodul schicken und damit ihren ersten unbemannten robotergesteuerten Nachschubflug durchführen.

Chinas Pläne: Raumstation, Marsrover und Flüge zum Mond

Wenn das Dockingmanöver und die Experimente wie vorgesehen funktionieren, wäre das für China ein wichtiger Schritt in einem überaus ehrgeizigen Raumfahrtprogramm. Die Tage der Internationalen Raumstation ISS, die 2024 höchstwahrscheinlich ihren Dienst einstellen wird, sind gezählt. Möglich also, dass China dann den einzigen permanenten Außenposten im All unterhält.

Die chinesischen Weltraum-Pläne gehen weiter. Im Sommer dieses Jahres stellte die chinesische Raumfahrtbehörde einen Marsrover vor, der 2020 zum Mars aufbrechen und dort unter anderem nach Wasser suchen soll.

Mit dem Weltraum-Programm Chang’e, das nach der chinesischen Mondgöttin benannt ist, haben die Chinesen außerdem seit 2007, als der Orbiter Chang’e-1 startete, auch den Mond ins Visier genommen. Ein zweiter Orbiter wurde 2010 gestartet. Im Dezember 2013 dann konnte Chang’e-3 erfolgreich auf dem Mond landen und dort den Rover Yutu aussetzen.

Damals waren die Chinesen nach den USA und Russland die dritte Nation, die eine erfolgreiche Landung auf dem Mond vorweisen konnte. Die weiteren Pläne: 2017 Landung auf der Mondvorderseite zur Probenentnahme, 2020 Landung auf der erdabgewandten Seite des Mondes und zwischen 2025 und 2030 eine bemannte chinesische Mondmission.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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