12.02.2015, 14:59 Uhr | 0 |

100 Minuten-Krimi im All ESA-Raumgleiter IXV hat Feuertaufe bestanden

Nach 100 Minuten war das Zittern vorbei und das Raumfahrzeug IXV sicher im Pazifik gelandet. Mit der IXV-Mission will die Europäische Raumfahrtbehörde ESA Informationen sammeln, die den sicheren Wiedereintritt in die Erdatmosphäre beherrschbar machen.

Raumfahrzeug IXV wird aus dem Pazifik herausgefischt
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Wohl behalten konnte das Raumfahrzeug IXV aus dem Pazifik herausgefischt werden. Die ESA freut sich über die gelungene sanfte Landung.

Foto: Tommaso Javidi/ESA

Die europäische Raumfahrtbehörde ESA hat derzeit einen echten Lauf in Sachen Weltalleroberung. Im November 2014 begeisterte die ESA mit ihrer erfolgreichen Rosetta-Mission, an deren Ende sie den Lander Philae auf dem Kometen Tschury in rund 520 Millionen Kilometer von der Erde absetzte. Jetzt bewältigte das IXV (Intermediate experimental Vehicle), ein vorläufiges Raumfahrzeug der ESA, einen reibungslosen Testflug mit pannenfreiem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und anschließender Wasserung im Pazifischen Ozan westlich der Galapagos-Inseln.

„Wir haben bewiesen, dass wir den sanften Eintritt eines Raumfahrzeugs in die Erdatmosphäre auch beherrschen“, sagte der scheidende ESA-Chef Jean-Jaques Dordain nach der perfekten Landung.

Bilderbuchstart mit Vega-Trägerrakete

Begonnen hatte die Mission Wiedereintritt mit einem Bilderbuchstart einer Vega-Trägerrakete mit dem IXV an Bord am Mittwoch, 11. Februar 2015, um 14.40 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) von Europas Raumflughafen Kourou in Französisch-Guayana.

Nach 20 Minuten hatte sich das fünf Meter lange IXV in einer Höhe von 348 Kilometer über der Erde von der Vega-Trägerrakete gelöst. Im Anschluss stieg das zwei Tonnen schwere Raumfahrzeug bis auf eine Höhe von 413 Kilometer ins All hinauf.

300 Sensoren sammelten Daten

Im zweiten Teil seines Suborbitalfluges sammelte das IXV mit seinen mehr als 300 Sensoren eine Fülle von Daten. Insbesondere die Phase des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre verfolgten die ESA-Wissenschaftler mit besonderer Spannung. Denn die Eurpäer haben derzeit, anders als die USA und Russland, keine Raumfahrzeuge, die nach einer Mission im All Astronauten oder Objekte von ihrer Mission auf die Erde zurückbringen können.

„Die Beherrschung unabhängiger Kapazitäten zur Rückkehr aus dem Weltraum verbunden mit einer weichen Landung auf der Erde eröffnen der ESA völlig neue Perspektiven“, erklärte die Europäische Raumfahrtagentur. „Sie ist Grundvoraussetzung für wiederverwendbare Raketenstufen, die Rückführung von Bodenproben von anderen Planeten und den Rückflug von Astronauten zur Erde.“

Mit 27.000 km/h Richtung Erdoberfläche

Bei seinem Sinkflug aus 413 Kilometern Höhe drosselte das Raumfahrzeug seine Geschwindigkeit ab. Während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre rauschte das IXV bei einer Höhe von 120 Kilometern mit flotten 27.000 Stundenkilometern dem blauen Planeten entgegen. Damit entsprachen die Flugbedingungen den Bedingungen bei einem Wiedereintritt eines Raumfahrzeugs von einer erdnahen Umlaufbahn.

Nach dem gelungenen Wiedereintritt öffneten sich planmäßig die Fallschirme, um das Raumfahrzeug weiter abzubremsen. So konnte das IXV sicher auf der Wasseroberfläche im Pazifik aufsetzen. Ballons hielten das IXV über Wasser, bis es vom Bergungsschiff mit einem großen Kran an Bord gehievt wurde.

An IXV-Mission haben mehr als 40 europäische Unternehmen mitgearbeitet

Überwacht wurde die IXV-Mission, an der mehr als 40 europäische Unternehmen mitgearbeitet haben, vom Missionskontrollzentrum im Turiner Zentrum für Raumfahrttechnik, ALTEC. Dort liefen zentral die Flug- und Instrumentendaten der verschiedenen Bodenstationen ein. Das sind Stationen auf dem Festland, wie in Libreville in Gabun und Malinidi in Kenia, aber auch die mobile Empfangsstation auf dem Bergungsschiff Nos Aries im Pazifik.

In etwa sechs Wochen will die ESA die Ergebnisse der erfolgreichen Mission veröffentlichen. Langfristiges Ziel der Europäer ist das Zukunftsvorhaben eines wiederverwendbaren Raumfahrzeugs. Dieses soll auch mit der Trägerrakete Vega aufsteigen. Nach Missionsende soll dieses Raumfahrzeug dann automatisch auf einer Landebahn wieder aufsetzen können.

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Von Detlef Stoller
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