17.06.2013, 09:30 Uhr | 0 |

Volle Auftragsbücher Die Luft- und Raumfahrt bleibt ein Jobmotor

Die Luft- und Raumfahrtindustrie zählt nicht zu den größten Branchen in Deutschland, dafür aber zu den zügig wachsenden. In den vergangenen Jahren hat sie sich als Innovations- und Jobmotor erwiesen.

Airburs Produktion in Hamburg
Á

Die Luftfahrtindustrie bleibt ein Jobmotor in Deutschland. In Hamburg läuft die Airbus-Produktion auf Hochtouren. Im Bild die Herstellerung des A320.

Foto: Aibus

Die Bücher schon heute voll mit den Aufträgen für die nächsten sieben Jahre – davon können viele Unternehmen nur träumen. Bei Airbus ist das Realität: Der europäische Flugzeugbauer hat Bestellungen für 4600 Flugzeuge in seinen Auftragsbüchern.

Die Entwicklung der EADS-Tochter Airbus ist nur das auffälligste Signal für die allgemein gute Lage der Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland. Im Jahr 2012 wuchsen deren Umsätze nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) um 10,3 % gegenüber dem Vorjahr auf 28,4 Mrd. €.

Volle Auftragsbücher schlagen auf den Arbeitsmarkt durch

Der positive wirtschaftliche Trend schlug auch auf den Arbeitsmarkt durch: Die Zahl der Beschäftigten in der Luft- und Raumfahrtbranche nahm im selben Zeitraum um 3,4 % zu. Insgesamt hat die Branche im Jahr 2012 gut 3300 neue hoch qualifizierte Jobs in Deutschland geschaffen: Erstmals sind in Deutschland damit mehr als 100 000 Menschen in den drei Branchensegmenten – zivile Luftfahrt, zivile Raumfahrt sowie militärische Luft- und Raumfahrt – beschäftigt. Die Umsatzentwicklung in der gesamten Luft- und Raumfahrtindustrie liegt deutlich über dem Gesamtwachstum des Bruttoinlandsproduktes.

„Die Luftfahrtindustrie“, sagt Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, „sorgt für mehr Wachstum als viele andere Branchen. Zugleich forciert sie den wissensbasierten Strukturwandel, der die deutsche Industrie auch auf internationalen Märkten wettbewerbsfähig hält.“

Forschungs- und entwicklungsintensive Großprojekte

Treiber für das Wachstum sind nicht zuletzt forschungs- und entwicklungsintensive Großprojekte wie die neuen Airbus-Passagierflugzeuge A380 und A350, das weitgehend aus Kohlenstofffaserverbundwerkstoffen gefertigt wird und dessen Jungfernflug in Kürze erwartet wird. Deutsche Raumfahrtunternehmen sind zudem an der europäischen Trägerrakete Ariane 5 und dem ATV – einem Raumtransporter, der die Internationale Raumstation ISS mit Nachschub versorgt – sowie an dem Navigationssatellitensystem Galileo beteiligt.

Dementsprechend hoch sind die Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen der Unternehmen der deutschen Luft- und Raumfahrtbranche: Im Jahr 2012 gaben sie rund 4,4 Mrd. € für Forschung aus, das sind knapp 16 % vom Umsatz.

Größter Zweig: Zivile Luftfahrt

Zugpferd der Branche und ihr größter Zweig ist die zivile Luftfahrt, deren Umsätze im Jahr 2012 gegenüber dem Vorjahr um 14,2 % von 17,2 Mrd. € auf 19,6 Mrd. € anstiegen. Demgegenüber deutlich schwächer blieb das Wachstum bei den Beschäftigten in der zivilen Luftfahrt: 2012 arbeiteten hier rund 70 500 Menschen, nur knapp 4,4 % mehr, verglichen mit dem Vorjahr.

Doch die Unternehmen sind zuversichtlich. Sowohl Airbus als auch sein US-Wettbewerber Boeing gehen davon aus, dass die zivile Luftfahrt jährlich um 4 % bis 5 % wächst. Nach dem jüngsten ,Global Market Forecast‘ von Airbus werden bis 2031 gut 28 500 neue große Passagierflugzeuge von den Fluggesellschaften dieser Welt nachgefragt. Airbus kündigte bereits an, im Jahr 2013 seine Belegschaft in Deutschland von 19 000 auf 20 000 aufstocken zu wollen.

Ebenso erfolgreich: Zivile Raumfahrt

Ähnlich erfolgreich wie die zivile Luftfahrt waren im vergangenen Jahr die Unternehmen der zivilen Raumfahrt. Deren Umsatz ist vom Jahr 2011 bis zum Jahr 2012 um 11,9 % auf 2,42 Mrd. € gestiegen; die Zahl der Beschäftigten wuchs im selben Zeitraum um 10,5 % auf 8300 an.

Verglichen mit den zivilen Sektoren der Luft- und Raumfahrt ist der militärische Sektor seit einiger Zeit ein echter Problemfall, der nicht allein unter Pannen wie jüngst mit der Euro-Hawk-Drohne leidet. So schrumpfen seit zwei Jahren die Umsätze und fielen gegenüber 2011 noch einmal um 2 % auf 6,37 Mrd. €, bereits der zweite Rückgang infolge. Dementsprechend sank auch die Zahl der Beschäftigten um 2 % auf nun 21 900.

Bundeswehrreform und das Fehlen neuer militärischer Programme lassen den BDLI deshalb „um die Zukunft der militärischen Luftfahrtindustrie“ fürchten. 

Anzeige
Von Wolfgang Mock | Präsentiert von VDI Logo
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden