12.06.2015, 11:15 Uhr | 0 |

RÜCKKEHR DREIER ISS-ASTRONAUTEN Der Mars-Mission ein Stück näher gekommen

Hunderte Experimente haben die drei Astronauten, die jetzt sicher auf die Erde zurückgekehrt sind, während ihres Aufenthalts auf der ISS durchgeführt. Viele davon bringen die internationale Raumfahrt näher an den Traum von Langzeitreisen ins All. 

Drei ISS-Astronauten landen mit russischer Sojus-Kapsel in Kasachstan
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Zurück auf der Erde: Mit einer Sojus-Kapsel landeten die die ISS-Astronauten am 11. Juni 2015 in Kasachstan. Terry Virts (USA),  Anton Shkaplerov (Russland) und ihre italienische Kollegin Samantha Cristoforetti (v.l.n.r.) sind wohlauf. 

Foto: Ivan Sekretarev/dpa

Muskelabbau, Verlust an Knochendichte, Probleme mit dem Gleichgewichtssinn – Terry Virts, Anton Shkaplerov und Samantha Cristoforetti kämpfen nach der gestrigen Landung mit einer Sojus-Kapsel in Kasachstan mit denselben Problemen wie alle Astronauten, die Wochen oder Monate im All verbringen. Besonders die Italienerin Cristoforetti kann davon ein Lied singen, schließlich hält sie mit 199 Tagen auf der Raumstation jetzt den Rekord für eine Frau.

Viele der mehreren hundert Experimente, die das Team an Bord der ISS durchführte, dienen indes genau dazu, Menschen bei langen Reisen durch den Weltraum gesund und fit zu halten. Besonders die jetzt beendete Mission bringe dafür wichtige Erkenntnisse, heißt es bei der Nasa. Und die halten den Traum von einer Reise zum Mars am Leben.

Hoher Innendruck im Kopf

Bei den Tests geht es teils um sehr alltägliche Dinge – wie Kopfschmerzen. Darunter leiden viele Astronauten, weil der Innendruck im Kopf hoch ist. Bei etwa der Hälfte der Missionsteilnehmer verändert sich mit der Zeit sogar sichtbar die Form der Augen, vermutlich auch wegen des erhöhten Drucks hinter dem Auge. Das Team um Kommandant Terry Virts trug deshalb unter anderem zeitweise eine Art Halsband, das den Druck reduziert.

epa04793902 Russian Soyuz TMA-15M space capsule carrying the International Space Station (ISS) crew of Russian cosmonaut Anton Shkaplerov, U.S. astronaut Terry Virts and Italian astronaut Samantha Cristoforetti lands in a remote area outside the town of Zhezkazgan, Kazakhstan, 11 June 2015. A three-person crew from the International Space Station landed safely in the steppes of Kazakhstan on Thursday after a longer-than-expected orbital stint. EPA/IVAN SEKRETAREV / POOL +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Die Landung der Sojus-Kapsel sieht gefährlich aus.

Foto: Ivan Sekretarev /dpa

Außerdem testeten sie eine Hose, die dabei helfen soll Körperflüssigkeit aus dem Oberkörper in die Beine zu ziehen. Das spezielle Kleidungsstück soll damit im All die Schwerkraft simulieren, die auf der Erde für die gleichmäßige Durchblutung des Körpers mitverantwortlich ist.

Muskeln für fingerfertige Roboter

Während ihrer Zeit auf der Raumstation testete die Gruppe auch ein neuartiges Polymer, aus dem künstliche Muskeln hergestellt werden können, die sich dehnen und zusammenziehen können wie natürliche Muskeln. Auch dieser Versuch dient in erster Linie der Vorbereitung wirklich langer Reisen, denn diese Muskeln sollen Robotern eingepflanzt werden. „Damit könnten Roboter Aufgaben erfüllen, für die es hohe Fingerfertigkeit braucht, die aber für Menschen im Weltall zu gefährlich sind“, erklärt die Nasa.

Die seit März auf der ISS arbeitenden Astronauten Scott Kelly und Michail Kornienko sollen insgesamt ein Jahr lang dort bleiben, um die Langzeitfolgen von Schwerelosigkeit und Weltraumstrahlung noch intensiver zu untersuchen. Die Untersuchungen bei Kelly sind für die Forscher besonders interessant, weil sie die Daten in einer Zwillingsstudie mit denen seines Bruders Mike vergleichen können.

Schraubenschlüssel aus dem Drucker

Auch das neue Team, das im Juli von Kasachstan aus starten soll, wird vor allem an medizinischen Experimenten arbeiten. Mit Kjell Lindgren von der Nasa und Oleg Kononenko von der russischen Roskosmos reist dann der Japaner Kimiya Yui zur ISS – ein Europäer ist diesmal also nicht dabei. Wann genau die Reise beginnen wird, ist noch nicht klar. Die Rückkehr der drei Astronauten hatte verschoben werden müssen, weil eine russische Transportkapsel mit Versorgungsgütern zuvor zerstört worden war. 

epa04793864 Rescue workers prepare to take the International Space Station (ISS) crew of Russian cosmonaut Anton Shkaplerov, U.S. astronaut Terry Virts and Italian astronaut Samantha Cristoforetti our of the Soyuz TMA-15M space capsule shortly upon its landing in remote area outside the town of Zhezkazgan, Kazakhstan, 11 June 2015. A three-person crew from the International Space Station landed safely in the steppes of Kazakhstan on Thursday after a longer-than-expected orbital stint. EPA/IVAN SEKRETAREV / POOL +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Rettungshelfer bereiten den Ausstieg der drei ISS-Astronauten aus der gerade gelandeten Sojus-Kapsel vor. 

Foto: Ivan Sekretarev /dpa

Für die Planung extrem langer Aufenthalte ist neben der Gesundheitsvorsorge natürlich auch entscheidend, dass die Menschen an Bord so unabhängig wie möglich von externer Versorgung sind. Dafür hat die Crew um Terry Virts während ihrer über 100 Millionen Kilometer langen Reise erfolgreich erstmals einen 3D-Drucker im Weltraum getestet. Entworfen in der Bodenstation, wurden die Daten zur ISS gesandt und dort im Drucker produziert. Ein gewöhnlicher Schraubenschlüssel – simpel, aber funktionsfähig. Wie präzise der Drucker in der Schwerelosigkeit gearbeitet hat, wird jetzt auf der Erde untersucht.

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Von Werner Grosch
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