16.02.2016, 08:55 Uhr | 0 |

Jetstream nimmt zu Der Klimawandel verlängert die Flugzeiten in die USA

Der Klimawandel könnte schon bald die Flüge nach Nordamerika verlängern. Ein britischer Klimaforscher rechnet durch den steigenden CO2-Gehalt in der Atmosphäre mit steigendem Gegenwind auf der Nordatlantikroute zwischen den USA und Europa. Zurück geht es allerdings dann flotter als bisher.

A380 von Airbus
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A380 von Airbus: Flüge in die USA dauern künftig wegen der Zunahme des Jetstreams und damit stärkeren Gegenwindes im Schnitt 5:18 min länger. 

Foto: Airbus

Alle Flugzeuge, die den Nordatlantik überqueren, werden künftig 2000 Stunden pro Jahr länger in der Luft sein. Schuld daran ist zunehmender Gegenwind auf den Strecken Richtung Westen, also Richtung Nordamerika. Grund: Der Jetstream, der in zehn bis zwölf Kilometern Höhe von Westen Richtung Osten bläst, beschleunigt sich durch den Klimawandel von heute durchschnittlich 77 auf 89 km/h. Das jedenfalls hat der Klimaforscher Paul Williams von der University of Reading in Großbritannien berechnet.

Bis zu 1000 Flugzeuge sind täglich auf der Nordatlantikroute unterwegs, die am stärksten frequentierte Flugroute der Welt. Im Schnitt verlängern sich die Flüge Richtung USA um 5:18 min, Richtung Europa werden sie um 4:00 min kürzer. Die Differenz von 1:18 min erscheint zwar minimal, addiert sich aber für alle Flugzeuge auf die genannten 2000 Stunden.

Kerosinverbrauch steigt durch stärkeren Gegenwind

Entsprechend steigt auch der Kerosinverbrauch durch den höheren Luftwiderstand und die längere Flugdauer. Die zusätzlichen Belastungen der Umwelt und der Etats der Fluggesellschaften halten sich laut Williams allerdings in Grenzen. Er erwartet Mehrkosten von insgesamt 22 Millionen $ pro Jahr. Der zusätzliche Treibstoffverbrauch sorge für Kohlendioxid-Emissionen von 70.000 t pro Jahr.

Insgesamt sorgt der Flugverkehr weltweit für CO2-Emissionen in Höhe von 700 Millionen t pro Jahr. Das ist etwas weniger als die Gesamtmenge, die in Deutschland in die Luft gepustet wird.

Tatsächlich hat der Jetstream schon heute große Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit des Flugbetriebs. Die Gesellschaften meiden ihn als Gegenwind so weit es geht. Umgekehrt nutzen sie ihn als Antriebshilfe. Die Flughöhe liegt in den meisten Fällen bei 12.500 m, also am oberen Rand des Jetstreams.

Höhere Temperaturunterschiede verstärken den Jetstream

Der flotte Höhenwind schöpft seine Kraft aus den enormen Temperaturunterschieden zwischen der Hitze in der Äquatorregion und der bitteren Kälte an den Polen. Wegen des Klimawandels steigen die Temperaturunterschiede an, entsprechend kräftiger wird der Jetstream. Vor allem im Winter wird er sich auf den Flugverkehr auswirken, weil er dann stärker weht. Dann erreicht der Jetstream Geschwindigkeiten von mehr als 500 km/h.

Aber vielleicht werden all die Berechnungen zur Makulatur, wenn wir demnächst mit Überschall in die USA fliegen – denn an so ein Flugzeug denkt Airbus. 

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Von Wolfgang Kempkens
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