Luft- & Raumfahrt

RSS Feeds  | Alle Branchen Luft- & Raumfahrt-Visual-122538176
30.08.2015, 07:33 Uhr | 0 |

Muskelschwund bei Astronauten DLR steckt Studienteilnehmer zwei Monate ins Bett

Für die Wissenschaft im Bett liegen heißt es bald für zwölf gesunde Männer, die an einer Langzeitstudie in der Raumfahrtforschung teilnehmen. Während der zwei Monate, in denen die Probanden ihr Bett im DLR nicht verlassen, werden die Auswirkungen der Schwerelosigkeit im All simuliert. Die Hälfte der Testpersonen wird mit einem speziellen Sprungtraining fit gehalten. 

Forschungseinrichtung envihab des DLR
Á

Forschungseinrichtung envihab des DLR: Dort liegen ab dem 9. September zwölf kerngesunde Männer zwischen 20 und 45 Jahren zwei Monate lang im Bett. 

Foto: DLR

Für die nächsten Wochen ist die Forschungseinrichtung envihab des Deutschen Zentrums für Luft-und Raumfahrt (DLR) das Zuhause von zwölf kerngesunden Männern zwischen 20 und 45 Jahren. Die Zwölf sind Probanden einer Langzeit-Bettruhestudie und werden für zwei Monate rund um die Uhr im Bett liegen. Dadurch bauen sich die Knochen und Muskeln der unteren Körperhälfte ab.

Gleichzeitig wird ihr Bett zum Kopf hin um sechs Grad nach unten geneigt sein, damit sich ihre Körperflüssigkeiten in Richtung Oberkörper verschieben „So simulieren wir die Auswirkungen der Schwerelosigkeit im All auf den menschlichen Körper“, sagt Edwin Mulder, Leiter der Studie, die das DLR im Auftrag der Europäischen Weltraumagentur ESA durchführt.

Die Hälfte der Testpersonen wird auf einem speziell entworfenen Trainingsgerät liegend mehrmals in der Woche ein Sprungtraining absolvieren. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, ob ein intensives Training eine effektive Gegenmaßnahme gegen den Knochen- und Muskelabbau sein kann.

Astronauten auf der ISS müssen täglich über zwei Stunden Sport treiben

Derzeit müssen Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation ISS über zwei Stunden am Tag Sport treiben, um die negativen Effekte ihres Arbeitsplatzes auf ihren Körper möglichst gering zu halten. Mit der Studie im DLR soll nun unter anderem untersucht werden, ob andere Übungen sich nicht noch besser als Gegenmaßnahme eignen könnten. Die Probanden der Trainingsgruppe werden fünf bis sechs Mal pro Woche vor allem mit kleinen, kräftigen Sprüngen trainieren. „Ein kurzes, knackiges Training mit einem starken muskulären Reiz – so etwas gibt es im All bisher noch nicht“, sagt Mulder.

Insgesamt führen die beteiligten Wissenschaftler rund 90 Experimente durch. Neben den Auswirkungen der Inaktivität auf Knochen und Muskeln untersuchen sie Veränderungen des Herz-Kreislauf-Systems, des Gleichgewichtssinns, der Augen, der Thermoregulation oder auch des autonomen Nervensystems. Auf die Probanden kommen daher regelmäßig Untersuchungen und Messungen zu.

Immer eine Schulter an der Matratze

Pro Tag ziehen zurzeit jeweils zwei Probanden in die DLR-Forschungsanlage envihab ein. Nach einer Erfassung ihre Werte vor der Bettruhe folgt dann ab dem 9. September 2015 die Liegephase. Während dieser Phase darf keiner der Probanden aufstehen, immer muss eine Schulter an der Matratze bleiben. Diese Regel muss bei allem, vom Essen bis zum Duschen, eingehalten werden.

Auch ein regelmäßiger Tag-Nacht-Rhythmus und eine streng kontrollierte Ernährung sind vorgeschrieben. Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden einheitlich in dem Forschungsmodul mit zwölf Einzelzimmern geregelt. Besuch ist zwar nicht erlaubt, der Kontakt über Handy und Internet zur Außenwelt ist jedoch möglich.

Nach der Bettruhe werden alle Probanden nicht nur erneut zwei Wochen lang untersucht und vermessen, sondern auch mit Reha-Maßnahmen betreut. „Der Knochen- und Muskelabbau wird vollständig wieder ausgeglichen werden“, erläutert Ulrich Limper, der als medizinischer Leiter die Studie begleitet. Nach ihrem Aufenthalt im envihab nehmen die Probanden an fünf Nachfolgeuntersuchungen im Laufe der nächsten zwei Jahre teil. „Bisher wissen wir, dass Knochenabbau wieder vollständig reversibel ist, allerdings dauert es länger, bis der ursprüngliche Zustand erreicht wird – und diesen Mechanismus wollen wir besser verstehen.“

Anzeige
Von Gudrun von Schoenebeck
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden