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16.10.2014, 12:22 Uhr | 0 |

Der Countdown läuft DLR bestätigt Philaes Landeplatz auf Kometen Tschuri

Nach letzten Untersuchungen hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt bestätigt: Das Landemodul Philae landet am 12. November auf dem Landeplatz J des Kometen Tschuri. Das einzigartige Manöver in 509.500.000 Kilometern Entfernung ist extrem riskant. 

Was erwartet das Landemodul Philae auf dem Landeplatz J?
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Was erwartet das Landemodul Philae auf dem Landeplatz J? Die Forscher wissen wenig über die Bodenbeschaffenheit, die bei der Landung zum echten Problem werden könnte. 

Foto: ESA

„Die Landung ist eine große Herausforderung“, sagt Stephan Ulamec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Ulamec ist der Projektleiter eines der ehrgeizigsten Vorhaben in der jüngeren Raumfahrtgeschichte. Am 12. November 2014 um 9.35 Uhr soll sich das Minilabor Philae von der Raumsonde Rosetta trennen und zum Landeanflug auf dem Kometen Churyumov-Gerasimenko, auch bekannt als Tschuri oder 67P, ansetzen. Falls dieses Manöver gelingt, wäre es die erste Landung auf einem Kometen überhaupt.

Über die Bodenbeschaffenheit ist wenig bekannt

Im September war der Landeplatz J als bestmöglicher Ort für das Rendezvous der beiden ungleichen Partner ausgewählt worden. Jetzt wurde dies bestätigt, so dass sich das Team im Lander-Kontrollraum des DLR in Köln auf die Landung auf dem Kopf des Kometen vorbereiten kann. „Der Landeplatz hat ausreichend Sonne und relativ flaches Gelände“, sagt Stephan Ulamec.

Aber einfach wird die Aufgabe dennoch nicht. Bisher wissen die Wissenschaftler sehr wenig über die Bodenbeschaffenheit des Kometen und auch das Landemanöver selbst ist riskant. Auf der zwischen minus 68 und minus 43 Grad Celsius kalten Oberfläche haben die Forscher bereits Wasserdampf, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Ammoniak, Methan und Methanol entdeckt.

Die endgültige Entscheidung, ob die Landung ausgelöst werden soll, wird in der Nacht vor dem 12. November getroffen. Etwa zwei Stunden vor der Separation des Landers wird die Rosetta-Sonde auf die entsprechende Flugbahn gesteuert. Rund 22,5 Kilometer über der Kometenoberfläche beginnt dann nach der Separation der Flug von Philae, der über eine vorab im DLR programmierte Computersequenz autonom verlaufen wird.

509.500.000 Kilometer werden Rosetta und Philae dann von der Erde entfernt sein, und ein Signal wird über 28 Minuten aus dem All bis zum Boden benötigen. Gegen 17 Uhr erwartet das Team im Kontrollraum die Information, dass Philae sicher auf dem Kometen aufgesetzt hat. Etwa eine Stunde nach der Landung soll mit der ersten wissenschaftlichen Phase begonnen und alle Instrumente auf dem Lander in Betrieb genommen werden.

Zehn Instrumente liefern erste Daten von einer Kometenoberfläche

Drei Instrumente werden dabei federführend vom DLR-Institut für Planetenforschung durchgeführt: Die Sonde Mupus hämmert sich bis zu 40 Zentimeter tief in den Boden, um beispielsweise die Wärmeleitfähigkeit zu messen, der Sensor Sesame horcht auf akustische und elektrische Signale und die Kamera Rolis nimmt bereits während des Abstiegs in Richtung Komet erste Bilder auf.

Der Komet ist mit den Kameras Osiris und Navcam, die sich an Bord der Raumsonde Rosetta befinden, bereits ausführlich vermessen worden. Er besteht aus zwei miteinander verbundenen Teilen, von dem der größere die Maße 4,1x3,2x1,3 Kilometer hat. Der kleinere Teil misst 2,5x2,5x2,0 Kilometer. Etwa alle 12 Stunden dreht sich Tschuri einmal um sich selbst.

3D-Modell von Tschuri selbst ausdrucken

Aus den gewonnenen Daten hat die ESA ein 3D-Modell von Tschuri erstellt, auf dem man sehr schön die spezielle Form des Kometen, die an eine Gummiente erinnert, sehen kann. Raumfahrt-Enthusiasten, die im Besitz eines 3D-Druckers sind, können sich die Daten sogar von der ESA-Seite herunterladen und sich ein eigenes Tschuri-Model ausdrucken. 

Mit der Mission, die am 2. März 2004 startete, wollen die Kometenforscher einen Blick in die Entstehungszeit unseres Sonnensystems werfen. Zum ersten Mal haben sie dabei die Möglichkeit, das ursprüngliche Material eines Kometen nicht nur bei einem weit entfernten Vorbeiflug zu untersuchen, sondern aus dem Orbit und sogar direkt vor Ort auf der Kometenoberfläche. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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