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10.06.2015, 08:59 Uhr | 0 |

Aufnahmen der Dawn-Sonde DLR-Forscher ermöglichen virtuellen Flug über Zwergplanet Ceres

Entlang des Äquators und dann ganz dicht über den Nord- und Südpol: Es ist der erste virtuelle Flug über den eisigen Zwergplaneten Ceres, den DLR-Forscher jetzt möglich gemacht haben. Basis für den Flug ist ein dreidimensionales Geländemodell, das die DLR-Ingenieure mit Hilfe der Aufnahmen der Dawn-Sonde der Nasa entwickelt haben.  

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Aus den Nasa-Bildern der Dawn-Sonde vom Zwergplaneten Ceres haben die Forscher des DLR nun einen virtuellen Überflug zusammengestellt.

Foto: NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA

Der erste virtuelle Flug über den Zwergplaneten Ceres zeigt Kraterlandschaften, helle Flecken und ausgedehnte Ebenen. „Ceres ist geologisch extrem spannend", so der DLR-Planetenforscher Ralf Jaumann. Extrem viele kleine runde Strukturen auf engem Raum, auch kleinere Sekundärkrater und längere linienförmige Anordnungen sowie Einsturzsenken. All diese Strukturen und Linien auf Ceres kann man während des virtuellen Rundfluges nun erstmals sehen.

„Wenn man wie im Flug auf Ceres blickt, sieht man eine Vielfalt geologischer Formationen, die zeigen, dass die Oberfläche von Ceres von gewaltigen Kräften geformt wurde", so Jaumann, der an der amerikanischen Dawn-Mission wissenschaftlich beteiligt ist. 335 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, weit weg von der Sonne hinter der Frostgrenze, liegt Ceres. Möglicherweise hat er sogar einen Ozean unter seiner Eiskruste versteckt.

Dawn machte die beeindruckenden Aufnahmen

Die Dawn-Mission lieferte alle notwendigen Daten und Bilder, um ein 3D-Modell des Planeten zu entwickeln. Sieben Jahre lang war die Raumsonde Dawn unterwegs, bis sie Ceres im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter am 6. März 2015 erreichte. 

Auf einem 15-tägiger Rundflug, der am 23. April 2015 startete, sammelte die Nasa-Sonde insgesamt über 2000 Bilder von der Ceres-Oberfläche aus einer Höhe von 13.500 km. Seitdem nähert sich Dawn Ceres immer stärker und hat Aufnahmen aus Höhen von 7200 und 5100 km zur Erde gefunkt. Am 6. Juni erreichte die Sonde eine Höhe von nur noch 4400 km über der Oberfläche des Zwergplaneten. 80 dieser bei der Annäherung gemachten Aufnahmen wurden für das Geländemodell verarbeitet.

Dawn-Aufnahmen wurden für das Geländemodell genutzt

Die während der Annäherung aufgenommenen Bilder sind die Grundlage für das Geländemodells des DLR. „Basis war dabei ein dreidimensionales Geländemodell, das wir aus den bisher aufgenommenen Bildern errechnet haben", erklärt Prof. Jaumann. „Dieses werden wir im Verlauf der Mission verfeinern – mit jedem weiteren Orbit, in dem wir uns dem Zwergplaneten annähern."

Wenn am 4. August der sogenannte High Altitude Mapping Orbit (HAMO) startet, blickt die Kamera nur noch aus 1470 km Entfernung auf Ceres. „Dieser Orbit ist für die Optimierung unseres dreidimensionalen Geländemodells besonders wichtig, denn man erkennt alle geologischen Formationen auf der Oberfläche des Zwergplaneten“, erklärt Jaumann.

Ceres könnte einen Ozean unter der Oberfläche besitzen

Als die Raumsonde Dawn am 27. September 2007 in Richtung Ceres startete, gehörte der heutige Zwergplanet noch zu den größten Himmelskörpern im Asteroidengürtel. Mit seinem Durchmesser von fast 1000 km führt er die Rangliste der Himmelkörper an. Vesta hat einen Durchmesser von 530 km.

Noch gehen die Forscher davon aus, dass der Ceres-Kern aus Silikatgesteinen und Metallen besteht. Durch die Wärme des radioaktiven Zerfallsprozesses kann sich möglicherweise innerhalb des Mantels eine Schicht aus flüssigem Wasser gebildet haben. Zum Abschluss der Dawn-Mission wird sich die Sonde dem Zwergplaneten auf nur noch 375 km nähern. Dann soll auch ein amerikanischer Gammastrahlen- und Neutronendetektor die chemische Zusammensetzung von Ceres analysieren.

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Von Petra Funk
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