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27.06.2016, 15:41 Uhr | 0 |

Eigene Raumstation geplant China weiht mit neuer Trägerrakete vierten Weltraumbahnhof ein

Mit dem Start der neuen Trägerrakete „Langer Marsch 7“ hat China seinen vierten Weltraumbahnhof eingeweiht. Die neue Startmöglichkeit hat durch ihre Äquatornähe und Insellage viele Vorteile. Von hier aus will China 2018 mit dem Bau einer eigenen Raumstation beginnen.

Start der neuen Rakete "Langer Marsch 7" in China
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Mit dem Start der neuen Rakete "Langer Marsch 7" hat China seinen neuen Weltraumbahnhof auf der Insel Hainan eingeweiht. Von hier aus will China ab 2018 eine eigene Raumstation aufbauen.

Foto: Ye Jun/dpa

Die ambitionierten Pläne Chinas, sich zu einer bedeutenden Weltraumnation zu entwickeln, haben am Wochenende einen Meilenstein passiert. Vom Wenchang Space Launch Center auf der Insel Hainan im Südchinesischen Meer startete die neue Trägerrakete „Langer Marsch 7“. Nach 13 Erdumrundungen landete die wichtigste Fracht der Rakete, eine kleinere Version des Besatzungsmoduls, in der Mongolei.

Neue chinesische Rakete vergleichbar mit der Falcon 9 oder Atlas V

Die neue Trägerrakete soll zukünftig dafür genutzt werden, um die Fracht zum Aufbau des Raumlabors „Tiangong 2“ (Himmelspalast) in ein erdnahes Orbit zu bringen. Noch in diesem Jahr könnten dann zwei Astronauten für 30 Tage dort leben, bevor im nächsten Jahr das Versorgungsschiff „Tianzhou“ (Himmelsschiff) ebenfalls von der Trägerrakete Langer Marsch 7 ins All gebracht wird.

2018 will China schließlich mit dem Bau seiner ersten Raumstation beginnen, dessen Kernmodul „Tianhe“ (Himmlische Harmonie) von der leistungsstärkeren Trägerrakete „Langer Marsch 5“ ins All gebracht wird. Geht alles nach Plan, könnte die chinesische Raumstation 2022 in Betrieb gehen.

Sowohl die neue Trägerrakete als auch der neue Weltraumbahnhof bringen den Weltraumplänen des Landes einen Schub. Langer Marsch 7 gehört zur Generation von zweistufigen Trägerraketen, die als Treibstoff Spezial-Kerosin und flüssigen Sauerstoff verwenden und nicht wie bisher eine hochgiftige Kombination aus Hydrazin und Stickstofftetroxid.

Die 53 m lange Rakete liegt nur etwas unterhalb der Kapazität der Falcon 9 des privaten US-Raumfahrtunternehmens SpaceX oder der US-Trägerrakete Atlas V. Sie kann eine Fracht von 13.500 kg in ein erdnahes Orbit von 400 km Höhe bringen. Für den niederschlagsreichen Startort im Südchinesischen Meer wurde Langer Marsch 7 besonders regenfest gemacht.

Größtmögliche Nähe zum Äquator für günstige Startverhältnisse

Die bisherigen drei Weltraumbahnhöfe Chinas liegen im Inland, was einige Nachteile bringt. So können gelegentlich Raketenteile über bewohntem Gebiet herunterfallen. Sämtliche Bauteile müssen außerdem mit dem Zug herangebracht werden, was wiederum deren Größe limitiert.

Zum neuen Weltraumbahnhof auf der Insel Hainan können alle erforderlichen Teile nun mit dem Schiff gebracht und dort in zwei knapp 100 m hohen Türmen in aufrechter Position zusammengebaut werden. Außerdem liegt Hainan mit 19 Grad nördlicher Breite recht nahe am Äquator und der Start erfolgt über dem Meer. Eine vorteilhafte Position, denn am Äquator ist nicht nur die Anfangsgeschwindigkeit der Rakete beim Start am größten, sondern sie liegt auch der angestrebten Umlaufbahn am nächsten.

Auch Russland hat seinen neuen Weltraumbahnhof Wostotschny, den Präsident Wladimir Putin im April eingeweiht hat, näher an den Äquator herangerückt als Baikonur.

Wird es einen chinesischen Außenposten im All geben?

Könnte es also möglich sein, dass irgendwann im nächsten Jahrzehnt die „Amtssprache“ auf dem menschlichen Außenposten im All von Russisch zu Chinesisch wechselt? Möglich ist es, denn für die Internationale Raumstation (ISS) ist vorgesehen, dass sie 2024 ihren Dienst einstellt. Ob sie länger im All bleibt, ist fraglich.

Aber die politische Konstellation ist kompliziert. Für die Raumfahrtbehörde NASA hat der amerikanische Kongress 2011 eine bilaterale Zusammenarbeit mit chinesischen Bürgern verboten – aus Sicherheitsgründen.

Die Russen hingegen arbeiten mit China in Raumfahrtangelegenheiten zusammen, ebenso wie die Europäische Raumfahrtagentur ESA. Der amerikanische Bann, der von Wissenschaftlern in den USA zum Teil heftig kritisiert wird, gilt allerdings nur auf bilateraler, nicht auf multilateraler Ebene. Ein Ausweg?

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Von Gudrun von Schoenebeck
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