10.10.2016, 10:19 Uhr | 0 |

Vertikaler Start China plant weltgrößtes Raumschiff für 20 Weltraumtouristen

Jetzt will auch China in den Weltraumtourismus einsteigen. Bereits in wenigen Jahren will Chinas führender Hersteller von Trägerraketen Flüge bis in eine Höhe von 130 km anbieten. Die Fluggäste sollen bis zu vier Minuten Schwerelosigkeit erleben.

Schwerelosigkeit
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Teilnehmer eines Parabelflugs des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR): Schwerelos schweben sie in der Kabine eines Airbus A300 Zero-G. Schwerelosigkeit erleben können auch künftige Weltraumtouristen. Kostet aber: Etwa 200.000 bis 250.000 US-Dollar pro Flug will China einnehmen, wenn es denn seinen geplanten Flieger für Weltraumtouristen in wenigen Jahren tatsächlich an den Start bringt.

Foto: DLR/dpa

Auf dem 67. International Astronautical Congress, der im September im mexikanischen Guadalajara stattfand, dürften die Zuhörer beim Vortrag von Lui Haiquang große Augen bekommen haben. Der Wissenschaftler erklärte, China habe die Absicht, ein neuartiges Raumschiff zu bauen. Für Weltraumtouristen. Pläne für unterschiedliche Versionen liegen schon in der Schublade. Der große Plan: ein Flieger, der bis zu 20 Personen auf 130 km Höhe bringen kann. Das wäre deutlich mehr, als die bisherigen Spieler im Markt für Weltraumtourismus angekündigt haben.

Der Flieger soll vertikal starten und automatisch landen

Entwickler und Erbauer des neuen Raumgleiters, der noch keinen Namen hat, ist die China Academy of Launch Vehicle Technology (CALT) mit Sitz in Peking. CALT ist in chinesischem Staatseigentum, wird aber durch Vertragsfirmen betrieben und hat rund 27.000 Angestellte in etlichen Forschungslaboren.

Als einer der führenden Anbieter von Trägerraketen hat CALT die Langer-Marsch-Raketen gebaut. Den Markteinstieg in den Weltraumtourismus sieht Akademiedirektor Han Pengxin positiv, wie das Magazin New Scientist berichtet. Die Nachfrage, glaubt Han Pengxin, sei stark genug, um auch ein großes Raumschiff mit 20 Personen bauen zu können.

In den Entwürfen sieht der Flieger aus wie eine Rakete mit Flügeln. Das Besondere: Er  soll aus eigener Kraft vertikal starten können. Eine Trägerrakete, die das Raumschiff auf eine gewisse Höhe bringt, wäre also nicht nötig. Nach dem Flug werde das Raumschiff bei der Rückkehr automatisch landen, ohne dass ein Pilot an Bord oder eine Bodencrew eingreift, sagte Han. Verbrennen würde der Flieger flüssiges Methan und flüssigen Sauerstoff.

Große Version könnte auch kleine Satelliten ins All bringen

Bis jetzt hat das CALT-Team zwei Versionen der Rakete entwickelt, die bis zu 50 Mal wiederverwendet werden kann. Die kleine Version hat 10 t Masse und eine Flügelspannweite von 6 m. Diese Version soll in der Lage sein, fünf Passagiere auf eine Höhe von 100 km – dort beginnt offiziell die Grenze zum Weltraum – mit einer Geschwindigkeit von Mach 6 bringen zu können.

Zwei Minuten Schwerelosigkeit wären inklusive. Dasselbe Design im Großformat hätte bei 100 t Masse eine Spannweite von 12 m, könnte 20 Personen mit Mach 8 auf 130 km Höhe bringen und den Passagieren vier Minuten Schwerelosigkeit liefern.

Die große Version wäre überdies in der Lage mittels einer aufgesetzten Raketenstufe kleinere Satelliten ins Orbit zu bringen. Durch diesen zusätzlichen Dienst könnte sich der Preis für einen Flug verringern, meint Han. Bisher schätzt er die Kosten auf 200.000 bis 250.000 US-Dollar pro Flug. Für „Bosse und Geschäftsmänner“ sei das Projekt sehr attraktiv, zitiert der New Scientist aus dem Konferenzpapier.

Konkurrenz für Jeff Bezos und Richard Branson

Ob dies alles technisch möglich ist und bereits in zwei Jahren die ersten Testflüge beginnen können, wie von Han Pengxin angekündigt, wird im New Scientist mit einer gewissen Skepsis diskutiert. Mit Sicherheit aber werden die beiden großen anderen Mitspieler in diesem Geschäft die Entwicklung des Projektes beobachten: Amazon-Gründer Jeff Bezos hat mit seinem Unternehmen Blue Origin und der Rakete New Shepard einige Erfolge in Sachen sicherer Landung vorzuweisen.

Und auch Richard Branson, der Chef von Virgin Galactic, hat nach Fehlschlägen nicht aufgegeben und mit seiner VSS Unity eine neue Raumfähre für Weltraumtouristen vorgestellt. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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