17.12.2013, 12:31 Uhr | 0 |

2800 hoch spezialisierte Ingenieure Briten wollen Wartung ihrer modernsten Waffensysteme privatisieren

Mit dem Vorschlag, die Wartung der britischen Waffensysteme zu privatisieren, hat die Regierung des Landes weltweites Aufsehen erregt. Das Militär wehrt sich scharf und bekommt Schützenhilfe auch aus dem Ausland. So sehen die USA die Gefahr, dass militärische Geheimnisse bekannt werden.

Kampfhubschrauber über New York
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Britische Kampfhubschrauber über dem Central Park von New York: Die USA kritisieren Pläne der Briten, die Wartung auch hoch sensibler Waffensysteme zu privatisieren.

Foto: Royal Airforce

Der Wartungsaufwand moderner Waffensysteme ist oft extrem hoch. Auf jede Flugstunde moderner Jets folgen viele Wartungsstunden. Das ist bei Drohnen, Panzern und vielen Kriegsschiffen nicht anders. Für diese Wartung werden großenteils Spezialisten benötigt. Das britische Militär beschäftigt in seiner Defence Support Group (DSG) 2800 hoch qualifizierte Ingenieure, die die Wartung der Kampfflugzeuge, Panzer, Truppentransporter und Waffensysteme übernehmen. Und genau diese Truppe will die Regierung nach einem Bericht des Observers privatisieren, um Millionensummen einzusparen.

Teuer sind die Spezialisten, weil für den Ernstfall erhebliche Wartungskapazitäten vorgehalten werden – Leute, die dann immer wieder über lange Zeiträume unterbeschäftigt sind.

Da das militärische Wartungspersonal der DSG während der Unterbeschäftigung keine zivilen Aufträge ausführen darf, ist die Wartung durch Militärangehörige besonders teuer. Hinzu kommt, dass der Öffentliche Dienst in Großbritannien als kostspielig gilt und deshalb schon viele öffentliche Leistungen privatisiert wurden. So gibt es bereits kommerziell geführte Gefängnisse. Auch die Fahrzeuge, die die Häftlinge zu den Gerichten fahren, sind privatisiert. Ebenso die Hubschrauber, die entlang der britischen Küsten für die Seenotrettung stationiert sind. Gar nicht zu reden von der britischen Bahn, die schon vor Jahrzehnten privatisiert wurde. Eine Privatisierung, die allerdings als gescheitert gilt. Der Zustand der britischen Eisenbahn gilt als besonders schlecht.

Widerstand des Militärs gegen Privatisierung der Wartung

Anders als bei den meisten zivileren Funktionen, die in Großbritannien bisher vom Staat mit dem Ziel der Kosteneinsparung privatisiert worden sind,  gibt es ganz erheblichen Widerstand des Militärs gegen die Privatisierung der Defence Support Group. Das beginnt mit der Sorge um die Qualität der privatwirtschaftlichen Wartung, von der beispielsweise das Leben der Piloten sehr direkt abhängen kann.

Die Militärs befürchten aber auch, dass im Ernstfall nicht genügend Kapazitäten bereit stehen, wenn die privaten Mechaniker neben militärbezogenen Arbeiten auch zivile Aufträge erfüllen oder aber die privaten Betreiber aus Kostengründen das Personal reduzieren. Und schließlich geht es um das wichtige Feld militärtechnischer Geheimnisse, die in immer mehr modernen Waffensystemen eine wesentliche Rolle spielen und die nicht über unkontrollierbares Fremdpersonal in die Hände feindlicher Staaten oder gar Terroristen fallen dürfen.

Vielzahl hoch sensibler Waffen mit hoher Geheimhaltung

Gerade die Geheimhaltung von Militärgeheimnissen könnte das Projekt der Regierung gefährden. So haben die Briten eine Vielzahl an Waffensysteme, die allerschärfsten Geheimhaltungsvorschriften unterliegen. Das gilt besonders für die nuklear angetriebenen Unterseeboote wegen ihrer nuklearen Antriebstechnik, der nuklearen Sprengköpfe der Raketen an Bord und der nicht-nuklearen Marschflugkörper (Cruise Missiles). Ein hohes Maß an Geheimhaltung ist aber auch mit Kampfflugzeugen wie dem Eurofighter oder den schweren Transportflugzeugen vom Typ C-17 und den Fliegenden Tankern vom Typ Airbus A-330 verknüpft. Neben Kriegsschiffen wie den noch im Bau befindlichen beiden schweren Flugzeugträgern ist die neue Cyber-Waffe der Briten extrem geheimhaltungsbedürftig.

Starke Sorgen auch im Ausland

Allerdings macht sich nicht nur die britische militärische Führung große Sorgen um die Sicherung ihrer Militärgeheimnisse. Speziell das amerikanische Verteidigungsministerium ist beunruhigt, weil Großbritannien das einzige Land ist, in das vielfältige amerikanische militärtechnische Geheimnisse ohne spezielle Exportlizenz geliefert werden dürfen. Selbst in Europa regt sich Widerstand gegen die britischen Pläne. Die Bedenken kommen etwa vom Eurofighter-Konsortium, dem auch Deutschland und Italien angehören. 

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Von Peter Odrich
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