16.04.2013, 14:39 Uhr | 0 |

Fehlerhafte Flugzeugbeschichtung Boeing 737: 1050 Maschinen müssen zur Kontrolle

Der Flugzeughersteller Boeing hat erneut Probleme mit seinem weit verbreiteten Modell 737: Auf einem Bauteil des Heckleitwerks wurde die Anti-Korrosionsschicht fehlerhaft aufgetragen. Dadurch besteht die akute Gefahr, dass Piloten die Kontrolle über die Maschinen verlieren. Mehr als tausend Maschinen will die US-Flugaufsichtsbehörde FAA nun untersuchen.

Abgestürzte Boeing 737 vor Bali
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Der Absturz einer Boeing 737 auf Bali ist der Grund für eine Überprüfung der Lackierung von mehr als 1000 Modellen dieses Typs weltweit.

Foto: SAR

Bei den betroffenen Bauteilen handelt es sich um die Stifte, mit denen die Höhenleitwerke befestigt werden. Sie kontrollieren die Neigung des Flugzeugs und können es zu einem extremen Steig- oder Sinkflug bringen. Daher sind Schäden an diesem Höhenleitwerk besonders gefährlich. Unfälle in direktem Zusammenhang mit der falschen Beschichtung wurden bisher nicht festgestellt. Die 737 ist eines der meistverkauften Flugzeugtypen. Weltweit fliegen fast alle Airlines mit diesem Modell. Mehr als 10 000 Exemplare hat das Unternehmen bislang ausgeliefert.

FAA schätzt Kosten für Kontrollen auf zehn Millionen Dollar

Die FAA will am 20. Mail 2013 mit den  Kontrollen der 1050 registrierten Flugzeuge beginnen. Möglicherweise müssen Teile ausgetauscht werden. Betroffen sind verschiedene US-amerikanische Fluggesellschaften, die mit der Boeing 737 fliegen. Die Behörde rechnet mit Kosten in Höhe von zehn Millionen Dollar, die durch die Kontrollen für die Fluggesellschaften entstehen. Es könnte sein, dass Boeing im Rahmen der Garantie einen Teil der Kosten übernimmt. Dies wurde jedoch noch nicht bestätigt.

Der Luftfahrtkonzern Boeing musste in der Vergangenheit schon einige Rückschläge hinnehmen: Erst letzte Woche kam es zu einem Vorfall mit einer Boeing 737 der Fluggesellschaft Lion Air. Kurz vor Bali musste die Maschine eine Wasserlandung vornehmen, wobei die Maschine zerbrach. Alle 100 Fluggäste kamen unbeschadet aus der Maschine. Experten ermitteln noch die Ursache des Unfalls. Taucher suchen weiterhin nach dem Flugschreiber, um die rätselhafte Bruchlandung erklären zu können.

Im Frühjahr 2011 verlor eine Boeing 737 aus 11 000 Metern Höhe einen Teil des Rumpfs, sodass die Fluggäste auf den freien Himmel blickten. Risse an vernieteten Übergängen zwischen Aluminiumplatten am Rumpf waren hier der Grund für den Zwischenfall. Damals rechneten die Ingenieure der Boeing sogar im Vorfeld schon mit dem Auftreten solch eines Problems, jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Prestige-Modell Dreamliner noch immer auf dem Boden

Zuvor traf es den Dreamliner, der seit Mitte Januar noch immer Flugverbot hat. Lithium-Ionen-Batterien überhitzten und die Akkus anBord mehrerer Maschinen fingen Feuer. Das Batteriesystem musste aufgrund dessen geändert werden. Die genaue Ursache der Brände ist nach wie vor noch nicht abschließend geklärt. Erste Testflüge laufen derzeit wieder an. Ab Juni 2013 soll der Dreamliner den Passagiertransport wieder aufnehmen dürfen.

Die Pannen des Dreamliners führten dazu, dass Boeing bis Ende diese Jahres 2000 bis 2300 Stellen abbauen will. In erster Linie ist davon der Standort bei Seattle betroffen. Die Entwicklungsphasen der Modelle 787 und 747 seien beendet, so Boeing. Etwa 800 Mitarbeiter würden ihre Stelle verlieren. Die übrigen Arbeitsplätze würden durch Versetzung und Nicht-Neubesetzungen sowie durch ausscheidende Mitarbeiter wegfallen, informierte das Unternehmen Ende März.

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Von Petra Funk
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