28.07.2014, 15:13 Uhr | 0 |

Geckos entgehen Hungertod Bodenstation hat wieder Funkkontakt zum Forschungssatelliten Foton-M4

Glück gehabt: Der Forschungssatellit Foton-M4, der kurzzeitig nicht auf Steuerbefehle reagiert hatte, ist wieder unter Kontrolle. Glücklich schätzen dürfen sich vor allem die fünf Geckos an Bord, die damit dem Hungertod entgehen. Jetzt geht es auf die endgültige Reiseflughöhe von fast 600 Kilometern.

Der Satellit Foton M-4 steigt jetzt auf eine Höhe von 600 Kilometern
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Der Satellit Foton M-4 steigt jetzt auf eine Höhe von 600 Kilometern – 200 Kilometer höher als die Internationale Raumstation ISS. Die Forscher wollen unter anderem das Sexualverhalten der Geckos in annähernder Schwerelosigkeit beobachten. 

Foto: Roskosmos

Kollektives Aufatmen bei der russischen Weltraumbehörde Roskosmos und dem russischen Raumfahrtunternehmen TsSKB-Progress: Der Satellit, der sich Ende vergangener Woche selbstständig gemacht hatte, ist wieder unter Kontrolle. Am Samstag hatte ein Experte in Moskau erklärt, Foton-M4 reagiere wieder auf Funkbefehle von der Erde. Das bedeutet, dass der bis unters Dach mit wissenschaftlichen Experimenten aus aller Welt beladene Forschungssatellit wieder gesteuert und am Ende seiner Reise planmäßig zur Erde zurückgebracht werden kann.

Wissenschaftler aus aller Welt atmen auf

Gemeinsam mit den russischen Raumfahrtspezialisten atmen auch Wissenschaftler aus aller Welt auf: Diese hatten sich in den vergangenen Tagen mit dem Gedanken anfreunden müssen, nur virtuelle Daten und Videos von ihren Versuchen übrig zu behalten – die nämlich sendete der Satellit weiterhin unverdrossen zur Erde.

Wenn der Funkkontakt nicht wieder hätte hergestellt werden können, wäre Foton-M4 rund vier Monate durchs All geirrt. Danach wäre er unkontrolliert Richtung Erde gestürzt und beim Wiedereintritt in die Atmosphäre wahrscheinlich mitsamt seiner Fracht verglüht. Die Wissenschaftler, darunter Freiburger Materialforscher mit Kristallversuchen für die Halbleiterforschung, haben jetzt wieder realistische Chancen, nach Foton-M4s Rückkehr Ende September auch physische Ergebnisse ihrer Forschung in den Händen halten zu können.

Besonders glücklich können sich zudem die fünf äußerst lebendigen Passagiere der Forschungskapsel schätzen: Fünf Geckos, die ins All geschickt worden sind, um unter anderem ihr Sexualverhalten bei annähernder Schwerelosigkeit zu beobachten. Wäre der Satellit nicht wieder eingefangen worden, hätten sie einem qualvollen Tod durch Verhungern entgegen gesehen. Die mitgeschickte Futtermenge reicht noch für gut zwei Monate – genügend für den planmäßigen Trip durchs All, zu wenig für die befürchtete steuerlose viermonatige Odyssee vor dem voraussichtlichen Absturz.

Geckos sollen kontrollierten Absturz überleben

Jetzt läuft alles wieder nach Plan: Am Ende seiner Reise wird der Satellit kontrolliert zum Absturz über unbewohntem russisch-kasachischen Grenzgebiet gebracht. Nachdem die Kugel mit 2,5 Metern Durchmesser dort mit etwa fünf Metern pro Sekunde aufgeschlagen ist, können erste Experimente direkt vor Ort entnommen und die Geckos versorgt werden.

Bevor jedoch an die Rückkehr zu denken ist, geht es für den Satelliten erst einmal weiter hinauf. Nachdem die Steuerung wieder greift, kann die Kapsel endlich auf die vorgesehene höhere Flugbahn geschickt werden. In fast 600 Kilometern Höhe – 200 Kilometer höher als die Internationale Raumstation ISS – soll der Satellit Foton-M4 seine Runden drehen. Dort oben herrscht gerade einmal ein Hunderttausendstel der Erdschwerkraft. Für ein angenehmes Klima im Innern der Kapsel ist jedoch gesorgt: Die Geckos und die anderen Experimente reisen bei zehn bis 30 Grad Celsius und einem Bar Luftdruck. 

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Von Judith Bexten
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