07.02.2014, 13:00 Uhr | 0 |

Mission Blue Dot Außeneinsatz an ISS für deutschen Astronauten Alexander Gerst

Im Mai dieses Jahres soll der deutsche Astronaut Alexander Gerst zur Internationalen Raumstation ISS fliegen und dort ein halbes Jahr lang leben und arbeiten. Während der Mission Blue Dot ist für Gerst auch ein Außeneinsatz geplant. Er soll Wartungsarbeiten durchführen und wissenschaftliche Instrumente installieren.

Alexander Gerst testet seinen Raumanzug in Houston/Texas
Á

Alexander Gerst testet seinen Raumanzug im Space Center der NASA in Houston/Texas. Während die ISS auf der Nachtseite der Erde ist, beleuchten starke Lampen sein Sichtfeld. Er wird der elfte deutsche Raumfahrer im All sein. 

Foto: ESA

Seinen maßgeschneiderten Raumanzug hat Alexander Gerst im Space Center der NASA im texanischen Houston bereits ausführlich getestet. Dass die Passform stimmt und sämtliche Funktionen problemlos in Gang kommen, ist schließlich eine der Voraussetzungen für einen erfolgreichen Außeneinsatz im All. Den soll Gerst während seines Aufenthaltes auf der ISS absolvieren, wie jetzt Thomas Reiter, Astronauten-Chef der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, erklärte. Am 28. Mai soll es für den 37-jährigen Deutschen an Bord eines russischen Sojus-Raumschiffes losgehen. Gerst ist damit der elfte Deutsche im All und der dritte deutsche Raumfahrer auf der ISS.

Gerst hat großes Arbeitspensum mit etwa 40 Experimenten

Blue Dot – eine Anspielung auf unseren Blauen Planeten – heißt die Mission, für die Gerst 166 Tage lang auf der Internationalen Raumstation leben wird. Den promovierten Vulkanologen erwartet ein umfangreiches wissenschaftliches Programm auf der ISS. Zu seinem Arbeitspensum gehören etwa 40 Experimente aus der Materialphysik, Humanphysiologie, Strahlenbiologie, Sonnenforschung, Biologie und Biotechnologie, Fluidphysik und Astrophysik sowie einige Technologiedemonstrationen.

Ein großer Teil der Experimente stammt dabei aus Deutschland. Darunter ein Schmelzofen, der berührungslos die unterschiedlichsten Materialproben aufschmelzen kann und im Columbus-Labor der ISS eingebaut werden soll. Von den Versuchen erhoffen sich die Wissenschaftler Präzisionsmessungen zu bestimmten thermophysikalischen Eigenschaften, die auf der Erde nicht erreicht werden können. Neue Legierungen für komplizierte Gussteile wie Turbinenschaufeln sollen damit erprobt werden.

Á

Gerst testet die Handschuhe für seinen Außeneinsatz an der ISS. Er soll Wartungsarbeiten durchführen und wissenschaftliche Instrumente installieren. 

Foto: ESA

Außerdem soll Gerst das Magnetfeldexperiment MFX installieren und in Betrieb nehmen. MFX soll die Stärke und Qualität des schützenden Erdmagnetfelds innerhalb der ISS vermessen. Darüber hinaus soll mit dem Experiment weltweit erstmals die Wechselwirkung des Erdmagnetfeldes und einem elektrischen Leiter untersucht und mit hoher Auflösung gemessen werden.

Ein weiterer Schwerpunkt der Blue Dot Mission ist die Humanphysiologie. Dazu sind eine Reihe anspruchsvoller Experimente zu den Themen Hautalterung und Hautschutz, Ernährung und Stoffwechsel sowie Strahlenschutz vorgesehen.

Gerst übt Handgriffe bei Tauchgängen im Wasserbecken

Für seinen geplanten Außeneinsatz hat Alexander Gerst hart trainiert. „Die Ausstiege dauern im Allgemeinen circa sechs Stunden, und da muss jeder Handgriff sitzen, denn in dieser knapp bemessenen Zeit hat man ein sehr intensives Arbeitspensum“, erläutert Reiter. Viele Handgriffe werden vorher in großen Tauchbecken geübt, in die nachgebaute Teile der Raumstation versenkt wurden. Der Astronaut trägt dann einen Taucheranzug mit Bleigewichten und simuliert das Arbeiten in der Schwerelosigkeit. Bedacht werden muss auch, dass sich ein großer Teil des Außeneinsatzes im Dunkeln abspielen wird, denn die ISS braucht nur 90 Minuten, um die Erde einmal zu umrunden. Während sie auf der Nachtseite ist, beleuchten starke Lampen am Helm des Astronauten dessen Arbeitsplatz.

Alexander Gerst, geboren am 3. Mai 1976 in Künzelsau, Baden-Württemberg, gehört seit 2009 dem ESA-Astronautenkorps an. Er war einer von 8413 Aspiranten, die sich 2008 bei der ESA für die Aufnahme in deren Astronautenabteilung bewarben. Zusammen mit fünf weiteren Kandidaten wurde er im Mai 2009 für das Team ausgewählt.

Im September 2009 begann Gerst seine Raumfahrerausbildung im Europäischen Astronautenzentrum in Köln. Das Training führte ihn auch ins Sternenstädtchen nach Moskau, wo er einen Grundkurs an der russischen Raumfahrttechnik absolvierte. Nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss erhielt er von der ESA am 22. November 2010 sein offizielles Astronauten-Zertifikat. Im August 2011 wurde Alexander Gerst als Besatzungsmitglied für die ISS-Crew 40/41 benannt. Gemeinsam mit dem russischen Kosmonauten Maxim Surajew und dem US-Astronauten Gregory Wiseman soll er nun an Bord von Sojus TMA-13M zur Internationalen Raumstation aufbrechen.  

Anzeige
Von Gudrun von Schoenebeck
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
ISS
Gerst
ESA
Raumstation
NASA
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden