08.09.2014, 12:33 Uhr | 0 |

Komet mit wenig Eis Alice schaut durch ultraviolette Brille auf Tschuri

Während der Satellit Rosetta seinen Zielkometen Tschuri umkreist, erkunden die Astronomen dessen Oberfläche. Auch die NASA hat etwas entdeckt: Ihr Spektrometer Alice hat zwar Wasserstoff und Sauerstoff gefunden, aber weniger Eisflächen als erwartet.

Künstlerische Darstellung der Rosetta-Sonde, die am Kometen Tschuri angekommen ist
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Künstlerische Darstellung der Rosetta-Sonde, die an ihrem Ziel, dem Kometen 67P/Churyumov–Gerasimenko, angekommen ist. Das Bild ist nicht maßstabsgerecht: Die Sonde hat einen Durchmesser von 32 Metern inklusive der Solarpanele, der Durchmesser des Kometenkerns beträgt etwa vier Kilometer. 

Foto: ESA–C. Carreau/ATG medialab

Noch nie waren die Astronomen so nah dran an einem Kometen in seinem natürlichen Habitat. Der europäische Satellit Rosetta umkreist den Kometen Tschurjumov-Gerasimenko nun schon eine Weile und rüstet sich für die geplante Landung des Mini-Labors Philae im November. Unterdessen versuchen die Astronomen mit den Messinstrumenten so viel wie möglich über „Tschuri“ herauszufinden. Jetzt haben auch die Amerikaner etwas entdeckt – beziehungsweise weniger entdeckt als erwartet.

Spektrometer Alice eines von drei Instrumenten an Bord von Rosetta

Das Spektrometer Alice, das Bilder aus dem Bereich der Ultraviolettstrahlung liefert, ist eines von drei Instrumenten an Bord von Rosetta, die von der NASA gefördert wurden. Alice schaut auf Tschuri sozusagen durch die ultraviolette, extrem kurzwellige, Brille und versucht, Näheres über dessen Zusammensetzung und Atmosphäre zu erfahren. Es ist das erste Mal, das ein Komet in diesem Wellenlängenbereich vermessen wird.

Die bislang gesammelten Daten sind zwar nicht spektakulär, aber kamen für die Betreuer von Alice dennoch überraschend. Der Komet erweist sich, durch die ultraviolette Brille gesehen, als erstaunlich dunkel und es gibt bis jetzt keine Hinweise auf große Flächen mit Wassereis. Wasserstoff und Sauerstoff – die Voraussetzung für Wassereis – wurden dennoch in der Atmosphäre von Tschuri durch Alice aufgespürt.

„Wir sind ein wenig überrascht, wie wenig die Oberfläche des Kometen reflektiert und dass es so wenig Hinweise auf Wassereis gibt“, sagt Alan Stern, der Projektleiter. Stern ist auch Vizepräsident der Abteilung für „Space Science and Engineering“ am Southwest Research Institute. Dort, in Boulder im US-Bundesstaat Colorado, wurde Alice entwickelt.

Alice hat die Größe eines Schuhkartons und liefert hochauflösende Bilder

Die Leistungsfähigkeit solcher Spektrometer ist in den letzten Jahren enorm gewachsen und auch Alice ist äußerst kompakt und effektiv. Das Instrument hat die Größe eines Schuhkartons, wiegt vier Kilogramm und hat rund tausend Mal so viele Datensammel-Kapazitäten wie die Spektrometer der letzten Generation. Die hochauflösenden Bilder, die Alice aus dem ultravioletten Bereich liefert, enthalten wesentliche Informationen über die Zusammensetzung der Atmosphäre und die Eigenschaften der Oberfläche des Kometen.

„Im Verlauf der Mission werden wir die Oberfläche weiter nach Eisflächen und Veränderungen im ultraviolettem Licht absuchen“, erklärt Lori Feaga, die als Co-Investigatorin von der Universität Maryland am Projekt beteiligt ist.

Ein ähnliches Spektrometer wie Alice, das ebenfalls am Southwest Research Institute gebaut wurde, ist inzwischen sogar schon in ganz anderen Bezirken des Alls unterwegs. An Bord der Raumsonde „New Horizons“, die 2006 in Richtung Pluto ausgesandt wurde, soll das Instrument die Atmosphäre von Pluto vermessen. 2015 wird die Sonde den Zwergplaneten – der selbst bei größter Annäherung an die Erde noch 4,3 Milliarden Kilometer entfernt ist – erreicht haben. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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