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04.09.2014, 08:31 Uhr | 0 |

Programm mit Priorität Air Force will neue fliegende Tanker bald auch unbemannt einsetzen

Die militärische Luftfahrt treibt den Einsatz unbemannter Flugzeuge voran: Noch haben die großen neuen fliegenden Tanker der U.S. Air Force den Truppendienst nicht aufgenommen, da wird von der Luftwaffe der Gedanke forciert, diese Tanker auch unbemannt einzusetzen. Ziel ist es, Personal- und Betriebskosten einzusparen.

Boeing KC-767 Tanker
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Fliegende Tankstelle: Eine italienische Air Force Boeing KC-767 betankt einen Langstreckenbomber der US-Luftwaffe. 

Foto: USAF

Die amerikanische Luftwaffe hat gegenwärtig drei Programme, die mit höchster Priorität vorangetrieben werden. Eines davon ist der neue fliegende Tanker, bei dem es auch um die Vollautomatisierung geht.

Dieser Tanker ist eine militärische Version des Boeing Passagierflugzeugs B767. Von der U.S. Air Force sind 179 Exemplare mit der militärischen Bezeichnung KC-46 Pegasus zu einem Stückpreis von 189,4 Millionen US-Dollar bestellt worden. Allein vier Milliarden US-Dollar wurden in die Entwicklung der Pegasus gesteckt.

Der Erstflug ist für September oder Oktober 2014 angekündigt. Die ersten fliegenden Tanker sollen 2015 ausgeliefert werden. Danach sollen sich Produktion und Auslieferung bis in das Jahr 2027 erstrecken.

Derzeit eingesetzte Tanker sind bis zu 40 Jahre alt

Die besondere Priorität des Tanker-Auftrags erklärt sich daraus, dass die derzeit eingesetzten Tanker seit 30 bis 40 Jahren im Dienst stehen und nach Erreichen ihrer Lebenserwartung bald verschrottet werden müssen. Bei ihnen handelt es sich um eine Militärversion der Boeing 707, des ersten Boeing Düsenverkehrsflugzeugs.

Eine Rolle spielt auch, dass die alten Tanker sehr teuer im Betrieb sind und deutlich weniger Treibstoff mitführen können als die gut 100 Tonnen, die die KC-46 laden kann. Hinzu kommt, dass die neuen Tanker über eine moderne Elektronik-Software und das Glas-Cockpit der Boeing 787 verfügen, die ihre Einsetzbarkeit unter schwierigen Bedingungen wesentlich verbessern.

Weniger Piloten ausbilden 

Die Idee, diese fliegenden Tanker künftig auch unbemannt einzusetzen, stammt von General Darren McDew, dem neuen Chef des Air Mobility Command der amerikanischen Streitkräfte, dem die Tankerflotte untersteht. Dadurch müssten ungleich weniger Piloten ausgebildet und jeder Zeit verfügbar sein. Zudem würden durch den Verzicht auf Besatzungen auch die hohen Betriebskosten der Tankerflotte sinken.

Nach Informationen von ingenieur.de würde die Air Force rein rechnerisch 2150 Piloten und 1075 Tankwarte für den Betrieb der 179 neuen fliegenden Tanker benötigen. Diese Zahl dauerhaft sicherzustellen, ist für die Freiwilligen-Streitmacht problematisch.

Hinzu kommt, dass für viele andere Flugzeuge ebenfalls Piloten benötigt werden. Unbemannte Tanker reduzierten den Personalbedarf erheblich – selbst dann, wenn voraussichtlich nur ein Teil der Tankerflotte unbemannt fliegen dürfte.

Hohe Entwicklungskosten vorprogrammiert

Die Ausrüstung der Tanker als Flugzeuge, die sich sowohl von menschlichen Besatzungen wie auch von Computern fliegen lassen, wird aber teuer. In der amerikanischen Luftwaffe kreisen Zahlen, die von mehreren Milliarden Dollar Entwicklungskosten sprechen. Das ist vermutlich mehr, als über Betriebskosteneinsparungen je zu erreichen sein wird. Allerdings wird davon ausgegangen, dass ein Teil des hohen Aufwandes künftig auch anderen Programmen zugute kommen wird. Denkbar wäre zum Beispiel ist die Umrüstung der Frachterflotte der Air Force für einen ebenfalls unbemannten Betrieb.

Betankt wird bei hoher Geschwindigkeit

Unbemannte Tanker sind von den Entwicklungskosten her besonders aufwändig, weil es um völlig unterschiedliche Systeme geht, die zu entwickeln und zu installieren sind. Das eine System fliegt den Tanker so, wie jedes andere unbemannte Flugzeug von einem elektronischen Piloten geflogen wird. Das andere System aber bringt den Schritt in technisches Neuland. Dabei geht es darum, dass auch das bisher weitestgehend handgesteuerte Betankungssystem voll automatisiert werden muss.

In der Praxis können fliegende Tanker maximal gleichzeitig vier Kampfjets betanken, wobei jeweils durch eine Schlauchverbindung mehrere tausend Liter Treibstoff je Minute in die Tanks des aufnehmenden Kampfflugzeugs gepresst werden. Das spielt sich bei mehreren hundert Stundenkilometern Geschwindigkeit ab.

Treibstoffabgabe muss voll automatisiert werden

Tanker und zu betankende Flugzeuge sind dabei nur wenige zehn Meter voneinander entfernt. All das zu automatisieren gilt als möglich aber zeit- und kostenaufwändig. Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass nur die Abgabe des Treibstoffs voll automatisierbar ist. Im aufnehmenden Flugzeug werden verschiedene Vorgänge weiter von dessen Besatzung manuell zu steuern sein. Für dieses neue System müssten also Automation und menschliches Handeln kombiniert werden. Eine ausreichend getestete Elektronik für den Flug- wie Tankbetrieb wird nach einer Auftragserteilung deshalb voraussichtlich erst in einigen Jahren zur Verfügung stehen können.

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Von Peter Odrich
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