11.07.2014, 08:35 Uhr | 0 |

Keine Beißereien im Stall Neues Spielzeug für Schweine verringert Verletzungsquote

So ein Schweineleben im Stall kann langweilig sein – so öde, dass sich die Ringelschwanzträger gegenseitig bei Beißereien verletzen. Ein neues Spielzeug, der Wühlkegel, hält die neugierigen Tiere deutlich länger bei Laune als herkömmliches Beschäftigungsmaterial. Die Folge sind ruhigere Mastschweine und weniger Streit.

Schweine spielen im Stall mit dem Wühlkegel
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Für Spielzeug begeistern sich Schweine meist nur kurze Zeit, der Wühlkegel scheint hingegen eine besondere Faszination auszuüben: Während der gesamten Mastdauer über 18 Wochen bleibt das Spielzeug für die Steckdosennasen interessant. 

Foto: Gewa

Schweine sind intelligent – von „dumme Sau“ und „blödes Schwein“ keine Spur. Sie sind klug, aktiv und extrem neugierig. Das in Kombination mit einem angeborenen Wühltrieb, und Schweine sind bestens ausgestattet, um sich in der freien Wildbahn höchst erfolgreich ihr Futter zu suchen.

In der modernen Tierhaltung kommen diese Eigenschaften jedoch überhaupt nicht mehr zum Zuge. Die Tiere stehen in dunklen, stickigen Ställen auf Spaltboden, bekommen ihr Futter frei Haus in den Trog und langweilen sich zu Tode. Zur Ablenkung beißen sie sich gegenseitig, was zu bösen Verletzungen führt. Deshalb müssen Schweinehalter sogenanntes Beschäftigungsmaterial anbieten, an das ihre Tiere jederzeit herankommen – das ist gesetzlich vorgeschrieben.

Wühlkegel spricht natürliche Triebe der Tiere an

Allerdings verlieren die Schweine meistens sehr schnell das Interesse an den Ketten, die sie üblicherweise zum Spielen bekommen, und die Langeweile mit all ihren Folgen ist wieder da. Abhilfe schaffen sollen jetzt die neuartigen Wühlkegel, die ein Wissenschaftlerteam der Universität Kassel gemeinsam mit den Partnern Internorm Kunststofftechnik und WEDA-Dammann & Westerkamp entwickelt hat. Gefördert wurde das Projekt mit einer Dauer von drei Jahren vom Bundeslandwirtschaftsministerium, Projektträger war die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).

Herausgekommen ist mit dem Wühlkegel ein Beschäftigungsgerät, das aus drei Kugeln aus lebensmittelechtem Polyurethan besteht, die auf drei Federn nebeneinander auf einer Bodenplatte angebracht sind. Das Ganze wird auf dem Stallboden befestigt und soll den Wühl- und Beißtrieb der Tiere befriedigen. Die Schweine können an den Kugeln knabbern, ihren Kopf dazwischen zwängen, sie mit ihren Rüsseln stupsen und verschieben. Durch die Federn sind die Kugeln beweglich, bieten Widerstand und schnappen immer wieder zurück.

Tests bestätigen: Spielzeug macht Versuchstiere ruhiger

Nach Angaben der Wissenschaftler haben ausführliche Tests mit Prototypen gezeigt, dass die Wühlkegel durch ihre unvorhersehbaren Bewegungen während der gesamten Mastdauer interessant blieben – also immerhin für 18 Wochen. Wenn man die Aufzuchtzeit der Ferkel hinzurechnet, sind es 24 bis 25 Wochen.

Damit reagieren die Schweine deutlich besser auf die Kugeln als auf die sonst üblichen Ketten: Bei den Tests herrschte in den Wühlkegelgruppen viel mehr Ruhe als in den Vergleichsgruppen. Zudem gingen die Verletzungen durch Beißereien deutlich zurück – ein Umstand, der bei der Produktentwicklung genauso maßgeblich war wie die Verweildauer der tierischen Probanden beim Spielzeug. Inzwischen sind die Wühlkegel im Handel erhältlich. Es gibt sie mit 60 und 80 Millimetern Durchmesser.

Und weil die Wissenschaftler gerade in Schwung waren, haben sie parallel zum Wühlkegel auch gleich noch etwas für die Sauen entwickelt, die wochenlang nahezu bewegungslos im Abferkelstall stehen oder liegen: die Schubkugel. Dabei handelt es sich um Kugeln, die einfach an die Rohre der Abferkelkäfige oder der Fress-Liegebuchten montiert werden. Sie lassen sich von der Sau mit der Schnauze hin- und herschieben – lebensmittelecht und geräuscharm. 

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Von Judith Bexten
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