14.08.2015, 12:32 Uhr | 0 |

Milchwirtschaftliche Forschung Hightech im Versuchsstall überwacht Kühe auf Schritt und Tritt

Die Tiere in einem Versuchsstall bei Bonn sowie Tröge und Wasserstellen sind mit Sensoren ausgestattet, die alle Daten erfassen, die für das Wohl der Kühe wichtig sein. Das soll nicht nur den Tieren nützen, sondern auch Bauern und Verbrauchern.

Wolfgang Büscher im Hightech-Kuhstall auf Gut Frankenforst
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Prof. Dr. Wolfgang Büscher im Hightech-Kuhstall auf Gut Frankenforst, eine Lehr- und Forschungsstation der Universität Bonn.

Foto: Volker Lannert/Uni Bonn

Glückliche Kühe, suggeriert die Werbung, stehen auf der Weide und fressen genüsslich frisches Gras. Das ist unbestritten. Doch das wahre Leben der Rindviecher sieht anders aus. Meist stehen sie im Stall. Dort sollen sie aber nicht weniger glücklich sein, meinen Forscher vom Zentrum für Integrierte Milchwirtschaftliche Forschung (Center of Integrated Dairy Research) – kurz „CIDRe“ genannt. Deshalb sammeln die Wissenschaftler der Universität Bonn im Versuchsstall Frankenforst die Daten der dort beäugten Milchkühe.

Alle tragen Sensoren, die ihre Herzfrequenz erfassen, während sie gleichzeitig gefilmt werden, um den Herzschlag der jeweiligen Tätigkeit jeder Kuh zuordnen zu können. Ein Schrittzähler liefert für jede Kuh ein Bewegungsprofil. Sensoren, die an den blauen Trögen befestigt sind, melden, wie viel sie gerade fressen. An den Wasserstellen ist es nicht anders. Die dort installierten Sensoren messen, wie viel die Tiere saufen.

Damit sich die Daten zuordnen lassen trägt jede Kuh einen Funkchip, mit dem sie sich an Futtertrog und Wasserstelle gewissermaßen anmeldet. Aus der Geschwindigkeit, mit der sie sich melken lassen, können die Forscher auf eine drohende Euterentzündung schließen und frühzeitig mit der Behandlung beginnen.

Methanemissionen aus den Verdauungsorganen

Die Wissenschaftler der Universität Bonn und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland wollen das Beste für alle an der Milchwirtschaft Beteiligten. Die Kühe sollen sich wohlfühlen, die Bauern genügend verdienen und die Milch soll wohlschmeckend sein. Außerdem soll die Umwelt möglichst wenig belastet werden.

Um das zu erreichen untersuchen Wissenschaftler der CIDRe-Partner-Landwirtschaftskammer NRW in Riswick bei Kleve, wie sich die Bildung von Methan, das Kühe im Magen produzieren und in die Umwelt entblähen, reduzieren lässt. Methan ist ein vielfach schlimmeres Klimagas als Kohlendioxid. Die Methanbildung hängt eng mit der Zusammensetzung des Futters zusammen.

Jedes Tier tickt anders

Die Auswertung der Daten aus dem Forschungskuhstall, der Heimat von 60 Milchkühen, ist komplex und langwierig. Kühe haben, ebenso wie Menschen, individuelle Herzrhythmen.

Schlägt es schnell kann es sich um ein Krankheitssymptom handeln, es sei denn, das jeweilige Tier hat von Natur aus ein schneller schlagendes Herz. „Wie wohl sich eine Kuh fühlt, lässt sich nicht so ohne weiteres aus den Messdaten herauslesen, da jedes Tier unterschiedlich tickt“, sagt CIDRe-Sprecher Professor Wolfgang Büscher. Erst wenn die Daten eines Tieres über einen längeren Zeitraum erfasst worden sind lassen sich Abweichungen vom Normalzustand erkennen.

Derzeit präsentiert CIDRe seine Forschungsarbeiten im deutschen Pavillon auf der Weltausstellung in Mailand. Besucher können sich noch bis zum 31. Oktober über die Arbeit der Bonner Kuhexperten und ihrer Partner informieren.

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Von Wolfgang Kempkens
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