04.06.2014, 12:10 Uhr | 0 |

15 % mehr Mikroorganismen Entgegen der Erwartung: Stickstoffdünger belebt Ackerböden

Stickstoffdünger kämpfen mit dem schlechten Ruf, Mikroorganismen im Boden zu zerstören. Doch das Gegenteil ist der Fall, belegt jetzt eine Studie aus den USA: Stickstoff lässt Pflanzen vermehrt Kohlenstoff produzieren, der Mikroorganismen als Nahrung zur Verfügung steht. Dadurch steigt ihr Vorkommen um rund 15 Prozent.

Inmitten einer Staubwolke fährt ein Landwirt mit seinem Traktor über einen Acker bei Iphofen
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Inmitten einer Staubwolke fährt ein Landwirt mit seinem Traktor über einen Acker bei Iphofen in Unterfranken und sät Rapssamen in die Erde. Raps hat einen relativ hohen Stickstoffbedarf. Bei langfristigem Einsatz eines Stickstoffdüngers muss sich der Bauer laut Studie keine Sorgen um die Mikroorganismen im Boden machen.

Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Eine Forschergruppe der University of California wollte herausfinden, wie sich die Zusammensetzung der Kleinstlebewesen in Böden über lange Zeit entwickelt. Sie analysierten dazu die Daten aus 64 Einzelstudien. Bei unbewirtschafteten Feldern bestätigte sich auch über längere Zeiträume die Erwartung, dass durch Stickstoffdüngung die Zahl der Mikroorganismen sinkt. Anders bei Äckern, die regelmäßig landwirtschaftlich genutzt werden: Hier steigt ihre Zahl um rund 15 Prozent.

Stickstoff lässt Pflanzen mehr Kohlenstoff produzieren

Die Wissenschaftler vermuten einen indirekten Zusammenhang: Weil der Stickstoff – egal, ob aus künstlicher oder organischer Quelle – das Pflanzenwachstum anregt, produzieren die Pflanzen deutlich mehr Kohlenstoff. Und der steht den Mikroorganismen als Nährstoff zur Verfügung und sorgt für stärkere Vermehrung. Die Kleinstlebewesen, zu den etwa Pilze, Bakterien oder Mikroalgen gehören, erfüllen eine wichtige Funktion, indem sie abgestorbenes organisches Material abbauen und den Pflanzen als Nährstoff wieder zur Verfügung stellen.

Einsatz von Stickstoffdünger ist trotzdem nicht unbedenklich

Die Wissenschaftler halten trotz ihres umfassenden Ansatzes weitere Langzeitstudien für notwendig, um die Effekte der Düngung noch genauer zu untersuchen. Der massive Einsatz von Stickstoff ist definitiv ein Problem: Bei der Düngung kann kein elementarer Stickstoff (N2) verwendet werden, weil darin die beiden Atome zu eng verbunden sind. Also greift man zum sogenannten reaktiven Stickstoff, der Verbindungen etwa mit Ammoniak oder Nitrat eingehen kann. Dieser reaktive Stickstoff aber hat in großen Mengen schädliche Wirkungen auf Mensch und Umwelt und trägt erheblich zur Feinstaubbelastung bei.

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Von Werner Grosch
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