11.12.2014, 11:12 Uhr | 0 |

Bislang weltgrößte Vergleichsstudie Biolandbau ertragreicher als bislang gedacht

Wissenschaftler aus den USA brechen die Lanze für den Biolandbau: Er ist im Vergleich zum konventionellen Landbau ertragreicher als gedacht, zeigt ihre weltgrößte Vergleichsstudie. Mit geeigneten Züchtungen könne die Ertragslücke fast vollständig geschlossen werden.

Biolandbau bringt laut Studie nur 19,2 weniger Ertrag als der konventionelle
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Biolandbau bringt laut Studie nur 19,2 weniger Ertrag als der konventionelle. Bisherige Studien gingen von 25 Prozent aus, Untersuchungen aus Entwicklungsländern sogar von 180 Prozent. 

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Manchmal hilft es, genauer hinzusehen: Forscher der University of California in Berkeley haben das getan. Sie haben Erträge der biologischen Landwirtschaft mit denen der konventionellen Landwirtschaft verglichen. Im Mittel bringt der Biolandbau 19,2 Prozent weniger Ertrag als der konventionelle Landbau. „Wir haben eine deutlich geringere Ertragslücke gefunden als die vorhergehenden Metaanalysen“, berichten die Forscher um Lauren Ponsio von der University of California. 

Bisherige Studien sahen den Vorsprung der konventionellen Landwirtschaft bei rund 25 Prozent, manche Untersuchungen aus Entwicklungsländern sahen gar ein Plus von 180 Prozent. Die jetzt im britischen Fachblatt Proceedings of the Royal Society B veröffentlichte Studie zeigt, dass der Vorsprung der konventionellen Landwirtschaft je nach Anbaumethode sogar in den einstelligen Bereich schrumpft.

Basis waren 115 Studien mit 1071 direkten Vergleichsbeobachtungen zwischen beiden Anbaumethoden. Diese Studien repräsentieren den Anbau von 52 Feldfrüchten in 38 Ländern. Es handelt sich um die mit Abstand größte Auswertung von Studien zu dieser spannenden Frage. Die Datengrundlage ist dreimal umfangreicher als bei früheren Analysen.

Ertragslücke könnte auf unter zehn Prozent sinken

Die konventionelle Landwirtschaft verursacht enorm viele Umweltprobleme, etwa den Verlust von Lebensräumen und Artenvielfalt, Giftwirkungen durch Pestizide sowie die Überdüngung von Böden und Gewässern. „Um die Kapazität der Erde zur Nahrungsmittelproduktion zu erhalten, müssen wir so bald wie möglich nachhaltige und stabile Landwirtschaftspraktiken anwenden“, konstatieren Studienautorin Lauren Ponsio und ihre Forscherkollegen.

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Durch Fruchtwechsel und gemischten Anbau kommt der Biolandbau auf eine Ertragslücke von nur noch acht bis neun Prozent, sagen die US-Wissenschaftler. Bei Hülsenfrüchten fallen die Unterschiede noch viel geringer aus oder verschwinden sogar ganz. 

Foto: Peter Förster/dpa

Durch den Fruchtwechsel und den gemischten Anbau, bei dem verschiedenen Pflanzen auf einem Feld zusammen angebaut werden, kommt der Biolandbau auf eine Ertragslücke von nur noch acht bis neun Prozent. Bei Hülsenfrüchten, wie etwa Bohnen, Erbsen und Linsen, fallen die Unterschiede noch viel geringer aus oder verschwinden sogar ganz. 

Weltweit nur 0,9 Prozent Biolandbau

Derzeit werden weltweit 0,9 Prozent der Agrarflächen biologisch bewirtschaftet. Die Wissenschaftler betonen, dass eine Erhöhung dieses Anteils nur dann wahrscheinlich ist, wenn sich eine vergleichbare Produktivität und Kosteneffizienz mit Bioprodukten erreichen lasse. Derzeit sind zum Beispiel Getreidesorten seit Jahrzehnten speziell dahin gezüchtet worden, bei konventionellem Landbau hohe Erträge zu liefern. „Unsere Studie deutet darauf hin, dass angemessene Investitionen in die agrarökologische Forschung zum Züchten von Sorten für organische Landbausysteme oder zum besseren Management die Ertragskluft für manche Feldfrüchte oder Regionen reduzieren oder sogar auflösen können“, sagt Ponsio.

Viel zu viel Essen landet auf dem Müll

Angesichts des steigenden Bedarfs an Lebensmitteln betonen die Forscher, dass die Landwirtschaft keineswegs zu wenig Nahrungsmittel produziert. Vor allem in den Industrieländern landen immer noch große Mengen Lebensmittel im Müll. „Der alleinige Fokus auf gesteigerte Erträge wird das Problem des Welthungers nicht lösen“, betonen die Forscher. Seniorautorin Claire Kremen erläutert: „Das Ausmerzen des Welthungers erfordert nicht nur eine Steigerung der Produktion, sondern einen verbesserten Zugang zu Lebensmitteln.“ Für sie ist der Ausbau des Biolandbaus keine Option, sondern eine Notwendigkeit. „Wir können nicht einfach weiter so produzieren als gäbe es kein Morgen – also, ohne über Böden, Wasser und Biodiversität nachzudenken.“ Weltweit leiden rund 800 Millionen Menschen an Hunger. 

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Von Detlef Stoller
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