29.04.2014, 07:00 Uhr | 0 |

Nach Weggang von Chef Vic Gundotra Zukunft des sozialen Netzwerks Google+ ungewiss

Zuerst war es nur ein Gerücht: Vic Gundotra verlässt Google+, dessen Chef er seit dem Start war. Nachdem die Personalie sich jetzt bestätigt hat, schießen die Spekulationen weiter ins Kraut: Was genau der Konzern jetzt mit seinem sozialen Netzwerk vorhat, weiß keiner so genau. Fachmedien sprechen jedoch von umfangreichen Verlagerungen in die Mobil-Sparte. 

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Was aus dem sozialen Netzwerk Google+ nach dem Weggang von dessen Chef Vic Gundotra wird ist ungewiss. 

Foto: Screenshot ingenieur.de

Der Kapitän verlässt das Schiff, und die Mannschaft weiß nicht, wohin es geht : Nachdem Vic Gundotra, Chef und Schöpfer von Google+, das Unternehmen verlassen hat, ist die Zukunft von Google+ als soziales Netzwerk ungewiss. Selbst Google scheint noch keinen Plan zu haben – das legen Berichte verschiedener US-Medien nahe. Auch die Mitarbeiter wissen bisher nicht, was Google-Chef Larry Page mit Google+ und damit auch mit ihnen vorhat.

Dennoch sickern immer wieder Informationen durch. Bereits der Weggang von Vic Gundotra war zunächst ein Gerücht, das sich jetzt bestätigt hat: Die Silicon-Valley-Tratsch-App „Secret“ hatte mitgeteilt, dass der bisherige Chef von Google+ Bewerbungsgespräche führe und nach acht Jahren Konzernzugehörigkeit seinen Abgang plane. Sein Nachfolger werde nun der bisherige Technikchef David Besbris, meldet das Technologieblog Recode. Bestätigt hat Google diese Personalie bisher nicht.

Orientierung in Richtung Mobil-Sparte

Laut Financial Times wird Google+ in Zukunft weniger stark als eigenständiges soziales Netzwerk vermarktet. Vielmehr soll es demnächst stärker als Plattform für kleinere Einzeldienste fungieren, die in andere Google-Produkte wie zum Beispiel das Android-Betriebssystem eingebunden werden können. Wie das US-Online-Magazin TechCrunch berichtet, formt Google bereits die Teams um, die bisher am Herz von Google+ gearbeitet haben. Viele der betroffenen gut 1000 Mitarbeiter würden in andere Unternehmensbereiche versetzt. Namentlich nennt es in diesem Zusammenhang unter anderem den Chat-Dienst „Hangouts“, der ebenso wie der Bilderdienst „Fotos“ zum Android-Betriebssystem umziehe. Damit setze Google offenbar verstärkt auf Entwicklungen im mobilen Bereich, heißt es.  

Bisher gilt Google+ als einziger ernstzunehmender Facebook-Konkurrent. Es ist als Plattform konzipiert, um die verschiedenen Dienste des Internet-Konzerns vom E-Mail-Dienst Gmail bis hin zu YouTube miteinander zu verbinden. Als Herzstück vorgesehen war das soziale Netzwerk mit Profilen, Pinnwänden und Nachrichtensystem. Mit dem Erfolg zeigte sich Google+ zufrieden: Im Oktober 2013 sprach das Unternehmen von monatlich 300 Millionen aktiven Nutzern. An die Statistiken von Facebook reicht Google damit allerdings noch lange nicht: Hier sind jüngsten Erhebungen zufolge knapp 1,3 Milliarden User pro Monat tätig. 

Zwang zur Registrierung kam bei Nutzern nicht gut an

Kritiker wiesen in der Vergangenheit immer wieder darauf hin, dass Google Nutzer von anderen Diensten aus dem Konzern durch die Verbindung mit Google+ zu einer Anmeldung genötigt und die Nutzerzahlen so frisiert habe. Wer zum Beispiel bei Youtube kommentieren wolle, müsse sich zwingend bei Google+ anmelden. Direkt ab Start im Jahr 2011 hatte Google+ so mehrere hundert Millionen Nutzer. Diese Praxis stieß sogar konzernintern sauer auf: Das Online-Magazin ZDNet weist darauf hin, dass selbst Youtube-Gründer Jawed Karim  gegen eine solche Zwangsverbindung protestiert habe. Diese könnte demnächst der Vergangenheit angehören, so TechCrunch: Der Konzern rücke langsam von der Praxis der aggressiven Integration ab. 

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Von Judith Bexten
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