03.07.2014, 12:19 Uhr | 0 |

O2 DARF E-PLUS ÜBERNEHMEN Werden Handy-Tarife nun steigen oder sinken?

Experten sind uneins über die Folgen der Mobilfunkfusion von O2 und E-Plus für die Kunden. Viele befürchten indes, dass der dringend notwendige Netzausbau damit nicht gefördert wird.

Fusion von Telefónica  Deutschland (O2) und E-Plus ist genehmigt.
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Durch die Fusion von Telefónica Deutschland (O2) mit E-Plus entsteht das nach Kundenzahl größte deutsche Mobilfunkunternehmen – noch vor der Deutschen Telekom und Vodafone. 

Foto: dpa

Mit dem noch namenlosen Anbieter entsteht das nach Kundenzahl größte deutsche Mobilfunkunternehmen – noch vor der Deutschen Telekom und Vodafone. Aus vier Großen werden drei. Das lässt zwei ganz unterschiedliche Schlüsse zu. Erstens: Die Konkurrenz nimmt ab, und mit ihr der Preisdruck, also steigen die Tarife. Belege dafür sehen manche Branchenkenner im Beispiel Österreich. Die Reduzierung von vier auf drei Wettbewerber habe dort schon im ersten Jahr zu deutlichen zu Preisanstiegen geführt, erklärte die österreichische Regulierungsbehörde laut „Welt“.

Zweite Möglichkeit: Der Konkurrenzdruck nimmt vielmehr zu, weil die Marktmacht der beiden Riesen Telekom und Vodafone durch einen Dritten angegriffen wird. Indiz dafür könnte die Tatsache sein, dass alle Anbieter sich derzeit – wohl in Erwartung der Genehmigung – eine wahre Tarifschlacht liefern.

EU-Kommissar sieht Wettbewerb gestärkt

Die entscheidende Frage ist, wie die Auflagen der EU für die Genehmigung der Übernahme wirken werden. Die O2-Muttergesellschaft Telefónica muss demnach 30 Prozent ihres Netzes an Anbieter abgeben, die über kein eigenes Netz verfügen. Außerdem sollen die Spanier Frequenzen versteigern und Dienstleistungen im leistungsstarken 4G-Netz künftig „allen interessierten Großkunden anbieten“.

ARCHIV - KOMBO - Die EU-Kommission wird noch an diesem 02.07.2014 ihre Entscheidung zur geplanten Übernahme des Mobilfunkers E-Plus durch Telefónica Deutschland (O2) bekanntgeben. Foto: dpa (zu dpa-Meldung "EU-Kommission entscheidet Übernahme von E-Plus durch O2" vom 02.07.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Die EU-Kommission hat der Übernahme des Mobilfunkers E-Plus durch Telefónica  Deutschland (O2) zugestimmt.

Foto: dpa/Sven Hoppe

Der für Wettbewerbspolitik zuständige Vizepräsident der EU-Kommission, Joaquin Almunia, sagt dazu: „Die von Telefónica eingegangenen Verpflichtungen gewährleisten, dass die Übernahme von E-Plus den Wettbewerb auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt nicht beeinträchtigen wird. Verbraucher werden weiterhin in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen.“ Vor allem der Verkauf von Teilen des Netzes werde den „kurzfristigen Markteintritt“ eines oder mehrerer weiterer Anbieter ermöglichen. Die Bedenken der EU-Kommission seien damit ausgeräumt, hieß es in Brüssel.

Telekom: „Völlig falsches Signal“

Eine Auffassung, die in der Branche nicht viele teilen. Dennoch: Über die künftige Preisentwicklung lässt sich bislang nur spekulieren. Größere Sorgen macht der deutschen Regulierungsbehörde ohnehin die Tatsache, dass der Netzausbau den Anforderungen deutlich hinterherhinkt. Nach Ansicht der Deutschen Telekom ist genau das auch das Problem an den Bedingungen für die Übernahme. Die EU-Kommission stärke damit gezielt Anbieter ohne eigenes Netz. Das sei „ein völlig falsches Signal“, meint Vorstandsmitglied Niek Jan van Damme: „Der Fokus der Wettbewerbshüter sollte nicht darauf liegen, Anbieter ohne eigene Infrastruktur zu stärken, sondern den Netzausbau voranzutreiben. Die nötige Infrastruktur für die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung unserer Gesellschaft muss gebaut werden. Die Vermarktung bestehender Netzleistung reicht nicht aus.“

Nach Ansicht von Telefónica wird die „Marktkonsolidierung“ die gegenteilige Wirkung haben. Sie fördere Investitionen in das Mobilfunk-Geschäft. Geld dürfte da sein: Die Übernahme von E-Plus soll nach Angaben von Telefónica allein durch Synergieeffekte rund fünf Milliarden Euro einsparen.

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Von Werner Grosch
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