24.02.2015, 12:14 Uhr | 0 |

T-Com setzt auf Vectoring Telekom fordert für schnelles Internet 135.000 Leitungen von Konkurrenz zurück

Mit der neuen Vectoring-Technik will die Telekom weitere 5,9 Millionen Haushalte in Deutschland ans schnelle Internet anschließen. Das Problem: Dazu beansprucht der Konzern 135.000 Leitungen, über die auch die Konkurrenten Daten transportieren. Die protestieren schon gegen die Telekom-Pläne. 

Breitband-Ausbau
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Die Telekom will zusätzlich 5,9 Millionen Haushalte ans schnelle Internet anschließen. Dazu braucht das Unternehmen aber 135.000 Leitungen, die derzeit von der Konkurrenz gemietet sind. 

Foto: Deutsche Telekom

Um die Vectoring-Technik anwenden zu können, muss dieTelekom über alle Leitungen in den dicken Kabelbündeln verfügen, die von den Hauptverteilern zu den Kabelverzweigern führen. Die Kabelverzweiger sind in den grauen Kästen untergebracht, die überall am Straßenrand stehen und die Gehwege verunstalten.

Bisher sind manche dieser Leitungen von der Telekom an ihre Konkurrenten vermietet. Diese Leitungen fordert die Telekom jetzt zurück. Bundesweit sind das 135.000 Leitungen. Einen entsprechenden Antrag hat das Bonner Unternehmen jetzt bei der Bundesnetzagentur eingereicht.

Bisher sahen die Pläne der Telekom die Versorgung von 60 Prozent aller Haushalte mit schnellem Internet vor. Wenn sie die Kontrolle über die eingeforderten Leitungen bekommt, können es 80 Prozent werden. Die Haushalte, die mit der Vectoring-Technik versorgt werden, können Daten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 Megabit pro Sekunde herunterladen. Das entspricht etwa 2000 Seiten eines Magazins – ohne Bilder allerdings. Mittelfristig sind sogar 250 Megabit pro Sekunde machbar, verspricht die Telekom.

Glasfaser-Installateure sind dagegen

Was für die Telekom ein Dienst am Kunden ist, ruft Gegner auf den Plan, vor allem die, die Glasfasernetze für schnelles Internet installieren wollen. Diese würden von den Telekom-Plänen finanziell ausgebremst. Die hohen Investitionen würden sich kaum noch oder gar nicht rentieren. Auch die Konkurrenten der Telekom, die Internet und Festnetztelefonie unter Einbeziehung von gemieteten Leitungen anbieten, sind düpiert.

Doch die Telekom beteuert, dass auch ihre Konkurrenten von der neuen Technik profitieren und ihrerseits schnelles Internet anbieten könnten, wenn der Ausbau abgeschlossen sei. „Die Telekom setzt sich wie kein anderes Unternehmen für zukunftsfähige Netze ein“, kontert Niek Jan van Damme, Deutschland-Chef der Telekom.

Unterschiedliche Signale wie DSL und Vectoring stören sich

Die ersten schnellen kabelgebundenen Verbindungen ermöglichte die DSL-Technik, die eine Reichweite von wenigen Kilometern hat, gemessen von den Hauptverteilern. Obwohl es bundesweit Tausende davon gibt, reicht das längst nicht überall für die Spitzenrate von 16 Megabit pro Sekunde.

Die Vectoring-Technik wird in den grauen Kästen installiert, den Kabelverzweigern oder Multifunktionsgehäusen. Das funktioniert allerdings nur, wenn der nächst gelegene Hauptverteiler nur von einem Anbieter genutzt ist, also keine telekomfremden Leitungen verwaltet.

Unterschiedliche Signale wie DSL und Vectoring würden sich gegenseitig stören. Sie würden, weil die Leitungen in einem Kabelstrang sehr dicht beieinander sind, von einer Strippe zur benachbarten hüpfen. Das Ergebnis wäre Datensalat auf den Bildschirmen der Kunden. Hat nur einer die Kabelhoheit, kann er dieses Hin- und Herhüpfen der Signale durch aktives Eingreifen verhindern.

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Von Wolfgang Kempkens
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