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14.10.2013, 12:06 Uhr | 0 |

Nationales E-Mail-Netz Telekom will Bürger vor NSA-Spionage schützen

Schickt man in Deutschland eine E-Mail an den Nachbarn, kann der digitale Transport Umwege über Knotenpunkte in den USA nehmen. Und das gefällt nach dem NSA-Skandal immer weniger Bürgern. Deswegen möchte die Deutsche Telekom jetzt das National Routing einführen.

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Die Deutsche Telekom hat vorgeschlagen, künftig innerdeutschen Mailverkehr auch nur über deutsche Knotenpunkte zu leiten. Kein Byte soll die Bundesrepublik dann mehr verlassen. 

Foto: Deutsche Telekom

Wohl die meisten Menschen denken, dass ihre E-Mails wie bei der Post auf dem direktesten Weg zum Empfänger gelangen. In der digitalen Welt muss der direkteste Weg aber nicht der kürzeste sein. Und so laufen viele Botschaften erst über Knotenpunkte am anderen Ende der Welt, bevor sie den Nachbarn erreichen, der eigentlich nur im Haus gegenüber sitzt. Das Problem: Nach den Enthüllungen des Whistle-Blowers Edwar Snowden weiß die Öffentlichkeit, dass der Geheimdienst NSA über solche Knotenpunkte E-Mails abfangen kann. 

Kein Byte soll Deutschland mehr unnötigerweise verlassen

Die Telekom will nun verhindern, dass innerdeutscher E-Mail-Verkehr über die in Verruf geratenen internationalen Knotenpunkte in Großbritannien oder den USA läuft: Auf einem Geheimtreffen im Bundeswirtschaftsministerium am 1. Oktober plädierte das Unternehmen für ein so genanntes National Routing. Zukünftig solle dabei kein Byte Deutschland mehr verlassen, wenn es nicht notwendig ist, erklärt Telekom-Datenschutzvorstand Thomas Kremer in einem Bericht der Rheinischen Post: „Internetverkehr kennt keine Grenzen, Daten können um die ganze Welt geleitet werden. Wenn Sender und Empfänger aber in Deutschland sind, wollen wir jetzt erreichen, dass der Internetverkehr auch in Deutschland bleibt.“ 

Telekom-Vision: National Routing zukünftig auch für Schengen-Länder 

Doch bevor die Umsetzung eines National Routings starten kann, müssen alle Wettbewerber zustimmen. Internationale Konzerne wie Telefónica und Vodafone prüfen derzeit, ob sie mitmachen wollen. Wird man sich einig, könne dieses Modell in Zukunft auch Vorbild für andere Länder werden, ist Kremer überzeugt: „Wenn wir in Deutschland gezeigt haben, dass wir innerdeutsche Mails und andere Daten rein national transportieren können, sollte das auch für die Schengen-Länder möglich sein.“ Kritiker hingegen sehen die Netzneutralität durch den Versuch gefährdet, nationalen und internationalen E-Mail-Verkehr voneinander trennen zu wollen.

Die Telekom ist für Brancheninitiativen zur Datensicherheit bekannt. Zuletzt startete sie im August 2013 die Kampagne E-Mail made in Germany. Dabei garantieren die Teilnehmer T-Online.de, GMX und WEB.de ihren Kunden, dass die E-Mail-Kommunikation zwischen ihren Servern durch eine neue SSL-Verschlüsselung geschützt ist und die Speicherung ausschließlich in sicheren Rechenzentren in Deutschland erfolgt. Experten von Netzpolitik.org kritisieren die Initiative hingegen als reine Marketing-Kampagne: Die Verschlüsselung zwischen Client und Server und zwischen den Servern selbst sei im Jahr 2013 längst überfällig gewesen, würde aber keinesfalls Sicherheit vor Spionage garantieren. 

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Von Patrick Schroeder
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