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21.05.2013, 16:30 Uhr | 0 |

Nur noch drahtloses Internet Pilotversuch: Telekom testet das Aus fürs Festnetz in Neubaugebieten

Der nächste Aufreger: Die Deutsche Telekom will testen, ob in Neubaugebieten künftig keine Erdkabel für die Datenautobahn mehr verlegt werden müssen. Denn Erdkabel kosten viel Geld. Deshalb soll das Internet auf dem Land in Zukunft drahtlos in die Haushalte gelangen. 

Die Deutsche Telekom präsentiert sich gerne als zukunftsfester Kommunikationskonzern.
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Die Deutsche Telekom präsentiert sich gerne als zukunftsfester Kommunikationskonzern. Doch gerade bei der eigenen Kommunikation nach außen schwächelt der rosa Riese derzeit.

Foto: MMB, Berlin

Drahtlos funktioniert, soviel ist sicher. Das lässt sich exemplarisch am Internet-Notstandsgebiet Hochsauerlandkreis zeigen. Wegen der Schwierigkeiten, kabelgestützte Breitbandverbindungen in den größten Landkreis Nordrhein-Westfalens mit seinen höchst verschiedenen Höhenlagen zwischen 145 und 843 Metern zu legen, entschied man sich dort bereits 2008 für eine funkgestützte Breitband-Lösung. Seither können die Datenströme über ein DSL-Richtfunknetz  selbst in das entlegenste Tal gepulst werden. Allerdings nur in Bandbreiten von sechs Megabit pro Sekunde.

Die schlechte Kommunikation der Telekom ist das Problem

Die Pläne der Deutschen Telekom, ländliche Räume künftig nicht mehr per Kupfer- oder gar per Glasfaserkabel mit grenzenloser Kommunikation zu beglücken, stoßen aktuell auf wenig  Gegenliebe. Das Problem der Telekom ist dabei aber vor allem ihr angekratztes Image. So produziert das Unternehmen aktuell vor allem negative Nachrichten. Da ist die geplante äußerst umstrittene Daten-Drosselung als Königsdisziplin mit eigener Demo auf der Jahreshauptversammlung am vergangenen Donnerstag zu nennen. Die Internet-Petition gegen diese Daten-Drosselung haben inzwischen schon über 190.000 Menschen unterschrieben. Der Telekom gelingt es derzeit nur sehr schlecht, neue Ideen positiv zu verkaufen.

Anders ist die Aufregung um die einjährige Pilotphase in einem Neubaugebiet kaum zu erklären. Denn geplant ist das Experiment auf freiwilliger Basis: Parallel zur Installation einer drahtlosen Verbindung in die Welt wird das Gebiet auch konventionell mit Kupferkabel erschlossen.

Der Neukunde kann also wählen – drahtloses oder festes Netz. „Voraussetzung dafür (…) ist jedoch, dass sich in der Qualität der Versorgung durch einen drahtlosen Anschluss nichts ändert und auch die Kosten für den Kunden nicht höher sind“, teilte die Telekom mit. Das Bonner Unternehmen strebt den Test im Einvernehmen mit der Bundesnetzagentur und den kommunalen Spitzenverbänden an. „Da stellt sich für uns die Frage, geht das nicht auch günstiger“, sagte ein Telekom-Sprecher.

Das Telekommunikationsgesetz regelt die Mindestversorgung der Bevölkerung

Die Telekom pocht dabei auf ihr Recht, die für sie laut Telekommunikationsgesetz verpflichtende Mindestversorgung der Bevölkerung mit einer Technik sicherzustellen, die sie selbst bestimmt und die für sie bezahlbar ist. Ein inzwischen nur noch manchmal sichtbarer Auswuchs dieser gesetzlich garantierten Mindestversorgung sind die Telefonzellen, heute nicht mehr in Gelb, sondern in Grau und Magenta. Aber auch ein bezahlbarer Anschluss für jeden Haushalt gehört zu dieser Mindestversorgung. Genau das ruft jetzt die Politik auf den Plan. Bernhard Kaster, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU im Bundestag, gleichzeitig auch Mitglied des Beirates bei der Bundesnetzagentur betont: „Wir werden darauf pochen, dass es zu keiner Verschlechterung kommt.“ Bärbel Höhn, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag sekundiert: „Was nicht eintreten darf, ist, dass die Kunden für weniger Qualität mehr bezahlen müssen.“

Kastner sieht jedoch das Mobilangebot gegenüber dem konventionellen Kupferkabel nicht als gleichwertig an. „Da bestehen hohe Zweifel“, sagt er. Die Telekom dagegen betont, dass das bisher verwendete Telefongerät problemlos weiter benutzt werden kann. Auch alle anderen Funktionen des Festnetzanschlusses sollen verfügbar bleiben.

Ausbau des Kabelnetzes ist extrem teuer

Man sollte annehmen, dass es dem Endkunden herzlich egal ist, wie seine Gespräche und Daten übermittelt werden. Und es erscheint ziemlich logisch, dass die Telekom nach Wegen sucht, den Ausbau der modernen Daten-Infrastruktur möglichst günstig herzustellen. Fakt ist: Ein flächendeckender Ausbau der Infrastruktur mit Glasfaser bis zu jedem Hausanschluss wird für ganz Deutschland rund 80 Milliarden Euro kosten. Die Alternative ist Kupferkabel vom Verteilerkasten zum Hausanschluss. Diese Variante kostet etwa sechs Milliarden Euro. Angesichts solcher Kosten erscheint der Pilotversuch der Deutschen Telekom mit einer drahtlosen Funkstrecke sinnvoll und nachvollziehbar.

Ein Versuch des Karlsruher Instituts für Technologie und des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Festkörperphysik IAF in Freiburg hat kürzlich gezeigt, dass Daten über eine mobile Funkstrecke mit den für die heutigen Anforderungen notwendigen Geschwindigkeiten übertragen werden können. Ihnen ist es gelungen, 40 Gigabit pro Sekunde (GB/s) bei 240 Gigahertz (GHz) über eine Entfernung von einem Kilometer zu übertragen. Damit sind sie in die Bandbreite der Glasfasernetze vorgestoßen. Die 40 GB/s entsprechen der Datenübertragung einer komplett vollgeschriebenen DVD in unter einer Sekunde oder der Bandbreite von 2400 DSL 16000-Internetanschlüssen. Ein Quantensprung für die Datenübertragung per Funk. Niemand muss sich also fürchten, künftig abgehängt zu sein vom digitalen Leben im Internet, wenn die Telekom die Daten nicht über ein Kupfer- oder gar ein Glasfaserkabel transportiert, sondern drahtlos über eine Funkstrecke.

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Von Detlef Stoller
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