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28.10.2013, 09:49 Uhr | 0 |

Technische Panne befeuert Spekulationen NSA-Homepage fiel vorübergehend aus

Eine technische Panne bei Wartungsarbeiten hat die Homepage des amerikanischen Geheimdienstes NSA am Wochenende für Stunden aus dem Netz geworfen. Wegen der Rolle der NSA bei der durch Whistleblower Edward Snowden öffentlich gewordenen Ausspähung von Freund und Feind in aller Welt wurde zunächst ein Hackerangriff vermutet.

NSA-Homepage
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War stundenlang offline: die Homepage des amerikanischen Geheimdienstes NSA. 

Foto: Screenshot ingenieur.de

In der Nacht zum Samstag ist die Homepage des US-Geheimdienstes NSA mehrere Stunden lang nicht erreichbar gewesen. Weil die USA nach den Enthüllungen des früheren NSA-Mitarbeiters Edward Snowden mitten in einem weltweiten Spionage-Skandal stehen, war das ein gefundenes Fressen für Gegner der amerikanischen Lauschangriffe.

Auf Twitter wurde ziemlich umgehend über einen Hackerangriff der Gruppen „Anonymous“ oder „Rustle League“ spekuliert. Dort konnte man unter anderem lesen: „Sieht aus wie der Beginn eines Cyberkriegs."

Kein Hackerangriff

Der Fernsehsender NBC und auch die Huffington Post berichteten, im Internet hätte es geheißen, dass die Seite durch massenhafte Seitenaufrufe derart überlastet gewesen sei, dass sie nicht mehr erreichbar war. So etwas nennt man einen „Denial of Service (DoS)“-Angriff oder bei Beteiligung mehrerer Angreifer einen „Distributed Denial of Service (DDoS)“-Angriff. Die Hackergruppe Anonymous hat sich in den letzten Jahren schon mehrfach zu solchen Attacken bekannt.

Dem widersprach die NSA in einer Email. Danach soll der Ausfall der Homepage durch Komplikationen bei geplanten Wartungsarbeiten und nicht von Hackern verursacht worden sein.

Spannungen wegen Spionage-Vorwürfen

Darüber hinaus räumten die USA Spannungen im Verhältnis zu ihren Verbündeten wegen der Abhör-Vorwürfe ein, die aber nach einer Sprecherin des Außenministeriums die Kooperation bei so wichtigen Krisenherden wie Syrien oder dem Iran nicht beeinträchtigen dürften.

Nach einem Bericht der britischen Zeitung „The Guardian“ auf Basis von Unterlagen des Whistleblowers Edward Snowden hörten die USA auch 35 führende Politiker in aller Welt ab – darunter die Mobiltelefone der deutschen Kanzlerin Merkel. Durch das Bekanntwerden dieser NSA-Aktivitäten gebe es massive Probleme mit den Verbündeten und auch die Öffentlichkeit sei irritiert, ergänzte die Sprecherin.

Deutschland und Frankreich streben als von den Lauschangriffen der NSA betroffene Staaten jetzt Vereinbarungen über die Arbeit der Geheimdienste mit den USA in Form von bilateralen „No-Spy-Abkommen“ an. Auch andere Staaten der EU wollen sich dieser Initiative anschließen.

Eigene Infrastruktur statt unkontrollierbarer Abkommen

Statt Abkommen mit den Politikern der USA, die ja offensichtlich in diesem Zusammenhang auch vor Lügen nicht zurückschrecken, halten Kenner der Problematik bilaterale Abkommen für keinen geeigneten Weg, das massenweise Abhören der Menschen in der Welt zu wirklich zu verhindern.

Sie verweisen auch darauf, dass es hier ja nicht mehr nur um die Terrorabwehr geht, sondern auch um handfeste Wirtschaftsspionage. Ermöglicht wird das den USA, weil das Internet technisch gesehen eine Kolonie der USA ist, denn alle wichtigen Dienste des Netzes bis hin zu den Root-Servern laufen dort.

Deshalb fordern weitsichtige internetaffine Europäer eine eigene europäische IT-Infrastruktur, die auf Open-Source-Software basieren sollte, damit die heutige Praxis des Einbaus von Hintertüren für Geheimdienste, wie es bei den proprietären Programmen der amerikanischen Hersteller von Microsoft über Google bis Facebook gang und gäbe ist, wirksam verhindert werden kann. Auch europäische Dienste und Behörden sollten die Verschlüsselung der Daten im europäischen Netz nicht brechen können.

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Von Klaus Ahrens
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