15.04.2014, 15:45 Uhr | 0 |

Internet für entlegene Regionen Google kauft Drohnenhersteller Titan Aerospace

Google hat den US-amerikanischen Drohnenhersteller Titan Aerospace übernommen. Dessen solarbetriebene Drohnen sollen das Internet auch in die entlegensten Regionen des Planeten bringen. Damit reagiert Google auf seinen Erzrivalen Facebook, der vor wenigen Wochen das britische Luftfahrtunternehmen Ascenta gekauft hat, welches ebenfalls Drohnen herstellt.

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Die Drohnen „Solara“ 50 und 60 starten per Batterie und speichern dann Solarenergie. Laut Hersteller Titan Aerospace können sie fünf Jahre lang am Himmel kreisen, ohne landen zu müssen. 

Foto: Titan Aerospace

Der Kampf um die Deutungshoheit im Internet zwischen den beiden Platzhirschen Facebook und Google geht in eine neue Runde. Jetzt gab Google bekannt, den Solardrohnenhersteller Titan Aerospace übernommen zu haben. Das kann als direkte Reaktion auf die Übernahme des britischen Luftfahrtunternehmens Ascenta Ende März für 20 Millionen US-Dollar durch Facebook gewertet werden. Um das Start-up Titan Aerospace mit Sitz in Albuquerque im US- Bundesstaat New Mexiko war in den vergangenen Monaten ein wahrer Bieterwettbewerb entbrannt. Facebook hatte sich zu Jahresbeginn mit Managern des Drohnenherstellers getroffen, um die Eckdaten einer Übernahme zu klären. Facebook soll 60 Millionen US-Dollar geboten haben. Es wird behauptet, dass Google Titan Aerospace versprochen habe, jedes Facebook-Angebot zu überbieten.

Titan soll dem Google-Projekt „Loon“ zuarbeiten

Es ist das erklärte Ziel von Titan und auch von Ascenta, über die Luft Internetverbindungen in Entwicklungsländer zu bringen, selbst in entlegene Regionen. Internet.org nennt sich dabei die von Facebook angeführte Initiative mehrerer Tech-Giganten. Google experimentiert derweil mit seinem Projekt „Loon“. Dabei sollen auf riesenhaften Ballons montierte Antennen Internetanschlüsse in entlegene Regionen bringen. Das Team von Titan Aerospace soll dem Projekt „Loon“ direkt zuarbeiten.

Die Solara-Drohnen können fünf Jahre lang in der Luft bleiben

Die Drohnen könnten helfen „Millionen von Menschen Internetzugang zu verschaffen und andere Probleme zu lösen, wie beispielsweise Nothilfe oder die Abholzung“, so Google-Manager Tim Drinan. Titan Aerospace ist auf Drohnen für besonders große Höhen spezialisiert. Diese noch in der Entwicklung befindlichen Drohnen sollen mit Hilfe von Batterien angetrieben werden, die über Solarzellen an den Tragflächen aufgeladen werden. So könnten sie sagenhafte fünf Jahre in einer Höhe von etwa 19 Kilometer fliegen.

ARCHIV - Das Logo des Internet Konzerns Google fotografiert am 20.05.2013 auf dem Google Campus im Silicon Valley. Foto: Ole Spata/dpa (zu dpa ´Bericht: Google entwickelt eigenes Auto» vom 24.08.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Google will Millionen von Menschen künftig über Drohnen Internetzugang in entlegenen Regionen verschaffen und hat dafür das US-amerikanische Unternehmen Titan Aerospace gekauft.

Foto: dpa/Ole Spata

Die Solara 50 hat dabei eine Länge von 15 Metern und kann eine Nutzlast von 32 Kilogramm aufnehmen. Die Systeme sind in der Lage, eine Versorgung über 17.800 Quadratkilometer zu bieten. Damit hat eine einzige Solara-Drohne eine größere Reichweite als 100 terrestrische Mobilfunkmasten. Die unbemannten libellenförmigen Flieger beeindrucken mit einer Flügelspannweite von fast 50 Metern, was an eine Boeing 767 heranreicht.

Es geht um Milliarden von Dollar

Und es geht auch um was bei dieser Voll-Versorgung des Planeten Erde mit dem Internet. Facebook und Google könnten sich mit der Technik Zugang zu Millionen neuen Kunden verschaffen, sagte Patrick Egan, Drohnenexperte und Reporter für das Fachmagazin sUAS News dem „Wall Street Journal“. „Wenn sie die technischen Hürden überwinden, könnten sie geschlossene Netzwerke für Internet- und Breitband-Verbindungen schaffen, die Milliarden über Milliarden von Dollars wert sind“, sagte Egan.

Das klingt schwer nach Goldrausch. Und den wollen weder Facebook noch Google verpassen. Schon im kommenden Jahr sollen die Titan-Solardrohnen bereit für ihren kommerziellen Einsatz sein. Dann können sie Daten mit einer Geschwindigkeit von bis zu einem Gigabit pro Sekunde senden. Das ist dann deutlich schneller, als die Breitbandnetze in den meisten Industrieländern zur Verfügung stellen. Laut Titan Aerospace können die Drohnen aber noch weit mehr als nur Breitband-Internet.

Die Drohnen können auch Messungen der Atmosphäre durchführen

Die solarbetriebenen Flieger können zum Beispiel Echtzeitaufnahmen der Erde in hoher Auflösung machen. Sie können Messungen der Atmosphäre über Sensoren durchführen sowie Daten und Sprache übertragen. Diese Art Technologie könnte also durchaus auch anderen Geschäftsbereichen von Google helfen wie dem Kartendienst Google Maps.

Derzeit arbeiten für das Start-up Titan rund 20 Mitarbeiter. Der Drohnenhersteller bleibt auch nach der Übernahme durch Google am Standort in New Mexiko und soll auch weiter vom früheren Microsoft-Manager Vern Raburn als Geschäftsführer geleitet werden.

Immer mehr Menschen rund um den Globus wollen einen schnellen Zugang zum Internet haben. Google liefert sich deshalb mit seinem Erzrivalen Facebook ein erbittertes Rennen darüber, wer von beiden für die Internetnovizen die erste Anlaufstelle im Netz ist. Google trumpft dabei mit seinem mobilen Android-Betriebssystem auf, das im vergangenen Jahr auf einen weltweiten Marktanteil von 79 Prozent bei den ausgelieferten Smartphones kam.

Der Kampf um das Internet wird auf dem Smartphone entschieden

Facebook setzt für die Gewinnung neuer Mitglieder vor allen in den Entwicklungsländern auf zwei Projekte. Dazu gehört ein Dienst für preiswerte Telefone mit dem Namen „Facebook for every Phone“. Das zweite Projekt, Facebook Zero wurde bereits 2010 gestartet. Dabei handelt es sich um eine Webseite speziell für Mobilgeräte, die Facebook gemeinsam mit Netzbetreibern entwickelt hat. Das Besondere dabei: Beim Aufruf der Seite sollen keinerlei Gebühren anfallen. Mit seinem jüngst angekündigten Kauf von WhatsApp für 19 Milliarden US-Dollar verfügt Facebook über ein weiteres, wichtiges Mittel, um neue Nutzer in Schwellenländern anzuziehen. 

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Von Detlef Stoller
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