02.06.2014, 15:26 Uhr | 0 |

Eine Milliarde US-Dollar Google will mit 180 Satelliten das Internet in entlegenen Regionen verbreiten

Die weißen Flecken auf der Internet-Landkarte will Google angeblich mithilfe einer Satelliten-Flotte schließen. 180 kleine und besonders leistungsfähige Satelliten sollen in eine Umlaufbahn gebracht werden und von dort den Zugang zum Internet in entlegene Landstriche bringen. Das Projekt soll mehr als eine Milliarde US-Dollar kosten.

Google-Logo auf dem Google Campus im Silicon Valley
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Google plant offenbar den Aufbau eines Satellitennetzes, um auch in entlegenen Landstrichen den Zugang zum Internet zu ermöglichen.

Foto: dpa/Ole Spata

Die Situation erinnert an die späten 1950er Jahre, als die Russen ihren Satelliten Sputnik in den Orbit schossen und damit den Wettlauf zum Mond einläuteten. Wie sich später herausstellen sollte, waren im damaligen politisch motivierten Kalte-Krieg-Duell nicht allein die technischen Möglichkeiten der beiden Gegner entscheidend. Auch die Fähigkeit, das Projekt unter größtmöglichem Zeitdruck, koste es was es wolle, voranzutreiben, spielte eine maßgebliche Rolle. Auch aktuell stellt sich wieder einmal die Frage nach der Lufthoheit, die zwei Parteien für sich beanspruchen. Statt politischer Systeme stehen sich, ganz im Sinne des Zeitgeistes, die beiden Internetriesen Facebook und Google gegenüber. Beide wollen die Lücke schließen, die rund fünf Milliarden Menschen weltweit von der Internetversorgung ausschließt.

Investitionen zwischen einer und mehr als drei Milliarden US-Dollar

Die letzten Schlagzeilen in diesem hart umkämpften, attraktiven Markt kann jetzt Google für sich verbuchen. Laut dem „Wall Street Journal“ plant der Konzern, mehr als eine Milliarde US-Dollar in eine Satelliten-Flotte zu investieren, mit der entlegene Gebiete an das Internet angeschlossen werden können. Wie das Wall Street Journal weiter berichtet, soll das Projekt zunächst mit 180 kleinen, leistungsstarken Satelliten beginnen, deren Zahl später ausgebaut werden könnte. Die Flugkörper würden dann in einer Umlaufbahn kreisen, die niedriger wäre als bei herkömmlichen Satelliten.

epa04167970 A handhout image provided by Titan Aerospace/Google on 15 April 2014 shows a solar-powered Titan Aerospace drone. Technology giant Google fired a salvo 15 April against Facebook in their duel to providing internet service from the air to less-developed regions of the world, saying it has acquired Titan Aerospace, according to The Wall Street Journal. Titan's drones are reportedly able to remain aloft at an altitude of 19,000 metres for five years, using solar power. The drone looks like a glider and has a wingspan of 50 metres, according to photos published 15 April. The technology is expected to be ready by 2015. EPA/TITAN AEROSPACE/GOOGLE/HANDOUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Beim Bieterkampf um Titan Aerospace hatte Google die Nase vorn. Auch Facebook hatte sich für die junge Firma aus New Mexico, die solarbetriebene Drohnen entwickelt, interessiert.

Foto: dpa/TITAN AEROSPACE/GOOGLE

Die Projektkosten würden zwischen rund einer Milliarde und mehr als drei Milliarden Dollar liegen, je nachdem wie viele Satelliten die Flotte hätte. Bei Google seien derzeit zwischen zehn und 20 Mitarbeiter für das Projekt tätig, das von Greg Wyler geleitet werde. Wyler war Gründer von O3b Networks und hatte schon vor Jahren ein Satelliten-Internet vorgestellt. Zwischenzeitlich ist Wyler zu Google gewechselt. Google selbst hat die Pläne bisher nicht kommentiert.

Erst kürzlich kaufte Google Solardrohnenentwickler „Titan Aerospace“

Mit dem Satellitenprojekt hat Google anscheinend die Nase vorn beim Internet-Wettlauf. Erst im April 2014 hat Google die US-Firma „Titan Aerospace“ übernommen. An der jungen Firma aus New Mexico, die solarbetriebene Drohnen entwickelt, hatte sich zuvor auch Facebook interessiert gezeigt, war aber nicht zum Zuge gekommen. Das Modell „Solara 60“ von Titan Aerospace kann als unbemannte Drohne ähnliche Aufgaben wie ein Satellit übernehmen, also Wetter- und Erdbeobachtung sowie Kommunikationsübertragung. Sie ist jedoch beweglicher und wesentlich kostengünstiger.

Gestartet würden die Drohnen nachts mithilfe einer Batterie. Bei Sonnenaufgang beginnt sie damit genügend Energie zu speichern, um sich auf 20 Kilometer über dem Meeresspiegel hochzuschrauben. Dort könne die Drohne, auch „Atmosat“ genannt, volle fünf Jahre lang bleiben, ohne landen zu müssen.

Im Google-Projekt „Loon“ würden Ballons das Breitband-Internet verbreiten

Ein weiteres Google-Projekt, mit dem das Internet flächendeckend auf dem Erdball verbreitet werden könnte, heißt „Loon“. Hier würden keine Drohnen, sondern Ballons entlegene Gebiete des Planeten mit einem Zugang zum Breitband-Internet versorgen. Der Internetnutzer würde sich per Smartphone mit einem Ballon verbinden, der stünde wiederum innerhalb eines Netzwerkes in Kontakt zu anderen Ballons. So würde das Signal von Ballon zu Ballon weitergereicht werden, bis es schließlich eine Empfängerantenne auf der Erde erreicht.

HANDOUT - Das am 15.06.2013 herausgegebene Google-Handout zeigt einen zum Projekt «Loon» gehörenden Ballon der Forschungseinrichtung Google X. Google will Regionen ohne Internetanschluss aus Ballons in 20 Kilometer Flughöhe mit einem Netzzugang versorgen. In der Nähe des Lake Tekapo auf der Südinsel Neuseelands wurden 30 Ballons für ein Pilotprojekt gestartet. Foto: Google/dpa (Zu dpa:"Googles Internet-Ballon flog in drei Wochen um die Welt" vom 04.04.2014) ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über das Ereignis! +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Ein zum Projekt "Loon" gehörender Ballon der Forschungseinrichtung Google X. Google will Regionen ohne Internetanschluss aus Ballons in 20 Kilometer Flughöhe mit einem Netzzugang versorgen. Offenbar will der Konzern es dabei aber nicht belassen, sondern auch ein Satellitennetz aufbauen. 

Foto: dpa/Google

Wie realistisch all diese Pläne und Projekte derzeit sind, lässt sich bislang schwer abschätzen. Das Wall Street Journal zitiert Roger Rush von TelAstra, einem Beratungsunternehmen der Satellitenindustrie. Rush zeigt sich äußerst skeptisch, im Hinblick auf die Machbarkeit und die Kostenschätzungen der aktuellen Satelliten-Pläne. Das Ganze sei eher eine „Träumerei“, die gut und gerne an die 20 Milliarden Dollar kosten könne.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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