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17.02.2014, 12:27 Uhr | 0 |

Alternative zum Glasfaserausbau G.fast ermöglicht Highspeed-Verbindungen von 500 Megabit über Kupferkabel

Die Deutsche Telekom kann vermutlich Milliarden Euro beim Glasfaserausbau einsparen. Eine neue Technologie namens G.fast soll klassische Kupferkabel in Millionen deutschen Haushalten auf eine Rekordgeschwindigkeit von 500 Megabit beschleunigen. Das ist etwa zehnmal so viel wie die bisherige Geschwindigkeit über VDSL. 

Bündel Glasfaserkabel
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Glasfaserkabel: Auf der sogenannten letzten Meile wird die Deutsche Telekom eventuell bei Kupferkabeln bleiben – vorausgesetzt die neue Technologie namens G.fast funktioniert und lässt darin einen beschleunigten Datentransport von 500 Megabit zu.

Foto: Deutsche Telekom

Die meisten Haushalte in Deutschland sind über Kupferkabel mit dem Internet verbunden. Das Problem: Das Übertragungsverhalten dieser Kabel ist für Telefonie ideal, für schnelle Internetverbindungen ein großer Hemmschuh. Trotz aller Tuningversuche an den Kabelverzweigern, das sind die grauen Kästen in den Straßen, können die alten Kabel eine maximale Übertragungsgeschwindigkeit von 100 Megabit auch in Zukunft unmöglich überschreiten, zeigten sich Experten bislang überzeugt. Das ist etwa doppelt so viel wie die bisherige Geschwindigkeit über VDSL. Dann sei Schluss. Milliardenschwere Langzeitpläne der Telekom sahen daher vor, im nächsten Jahrzehnt alle Kupferkabel durch Glasfaserkabel zu ersetzen.

G.fast beschleunigt Kupferkabel auf 500 Megabit

Die Konzerne Alcatel und Huawei wollen beweisen, dass das klassische Kupferkabel noch lange nicht ausgedient hat. Sie entwickeln derzeit eine Technologie namens G.fast, die Kupferkabel auf eine Rekordgeschwindigkeit von 500 Megabit pro Sekunde beschleunigen soll – sofern die Wohnung maximale 250 Meter vom nächsten Verteilerkasten entfernt steht. „Vom Konzept her ist es vergleichbar mit DSL, wobei aber wesentlich höhere Frequenzen für die Übertragung der Daten hergenommen werden“, erklärte Thomas Schroeder, Experte von Alcatel-Lucent, der Wirtschaftswoche. „Das heute handelsübliche VDSL2 der Deutschen Telekom nutzt beispielsweise Frequenzen bis 17 MHz, bei G.fast sind Frequenzen bis 212 MHz im Gespräch.

Telekom will G.fast möglichst schnell standardisieren

Für die Telekom ist G.fast eine attraktive Alternative zum milliardenschweren Glasfaserausbau bis in jede einzelne Wohnung. „G.fast wird für die Telekom eine wichtige Technologie zum Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit“, sagte Bruno Jacobfeuerborn, Technik-Chef der Deutschen Telekom, der Wirtschaftswoche. „Die Telekom beteiligt sich aktiv an der Standardisierung der G.fast-Technik.“ Der Konzern hofft zudem, dass bei 500 Megabit noch lange nicht Schluss ist. „Einige Hersteller zeigen sich optimistisch, noch höhere Bandbreiten erzielen zu können.“ Grund zur Hoffnung macht die Forschung bei Alcatel und Huawei. Im Labor haben die Forscher auf einer Strecke von 70 Metern angeblich schon eine Übertragungsgeschwindigkeit von 1,3 Gigabit erreicht.

Bisherige Vectoring-Strategie könnte ausgedient haben

Um Kunden langfristig schnelleres Surfen zu ermöglichen, setzte die Telekom bislang auf eine Übergangsstrategie namens Vectoring. Sie umfasste einen bundesweiten Glasfaserausbau. Glasfasern sollten zunächst allerdings nicht bis in einzelne Wohnungen führen, das würde laut Telekom bis zu 80 Milliarden Euro kosten. Vielmehr sollten sie lediglich zwischen Vermittlungsstelle und Kabelverzweigern zum Einsatz kommen. Die Vectoring-Technologie, eine Art Rauschunterdrückung, sollte dann dafür sorgen, dass die Kupfer-Telefonkabel in den Wohnungen eine Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 100 Megabit pro Sekunde erreichen.

Deutschland hinkt beim Glasfaserausbau im internationalen Vergleich hinterher

Bislang gehen in Deutschland rund 275.000 Haushalte per Glasfaser ins Netz. Das berichtet die Wirtschaftswoche unter Berufung auf eine Marktübersicht des Netzausrüster-Branchenverbands FTTH Council Europe. „Deutschland hinkt bei der Zukunftstechnologie Glasfaser im weltweiten Vergleich erheblich hinterher“, sagt Hartwig Tauber, Generaldirektor des Branchenverbands. In Japan surften 50 Prozent der Nutzer über das Glasfasernetz im Internet, in Südkorea seien es mittlerweile sogar 70 Prozent. 

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Von Patrick Schroeder
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