08.11.2013, 13:00 Uhr | 0 |

25 Milliarden Dollar Marktwert Furioser Börsenstart der Internet-Ikone Twitter

Der Kurznachrichtendienst Twitter ist gestern an die Börse gegangen. Und überraschte Investoren mit einem Höhenflug: Am ersten Tag stieg der Aktienkurs um 73 Prozent. 

Am 07. November 2013 ist Twitter an die Börse gegangen
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An der Parkettbörse New York Stock Exchange (NYSE) hat Twitter gestern überrascht: Die Aktie stiegt zwischenzeitlich um über 90 Prozent auf fast 50 Dollar. 

Foto: dpa/Andrew Gombert

Der Börsengang des Kurznachrichtendienstes Twitter aus San Francisco war sorgfältig vorbereitet, denn das Debakel des Börsengangs von Facebook im Mai letzten Jahres warf noch immer seine Schatten voraus. Damals hatten technische Pannen beim Handelsstart und die Sorge wegen sehr schwacher Werbeeinnahmen auf Smartphones den Facebook-Kurs um die Hälfte fallen lassen. Deshalb gab es auch zum Börsenstart von Twitter viele warnende Stimmen.

Twitter ist 25 Milliarden Dollar wert

Als Börsenplatz wurde die altehrwürdige Parkettbörse New York Stock Exchange (NYSE) gewählt, um technische Probleme wie bei Facebook auszuschließen. Schon die kurzfristige Erhöhung des Startpreises am Mittwochabend auf 26 Dollar ließ großes Interesse der Investoren vermuten.

Der Start gestern übertraf dann alle Erwartungen, das Papier wurde den emittierenden Banken förmlich aus der Hand gerissen. Zunächst wurde es mit 45,10 Dollar gehandelt. Nach wenigen Minuten stand es schon bei 46,80 Dollar – das sind fast 80 Prozent über dem Ausgabepreis.

In der Spitze erreichte die Twitter-Aktie gestern einen Anstieg von über 90 Prozent auf fast 50 Dollar, um mit der Schlussglocke bei 44,90 Dollar mit einem Kursgewinn von 73 Prozent aus dem Handel zu gehen. Damit hat Twitter jetzt einen Firmenwert von etwa 25 Milliarden Dollar – mehr als große deutsche DAX-Werte wie beispielsweise Adidas oder RWE.

Der Twitter-Börsengang ist der zweitgrößte IPO eines Technologieunternehmens aller Zeiten. Die Nachfrage nach der Aktie war so groß, dass sie um das 30-Fache über dem Angebot lag. Twitter gab rund 70 Millionen Papiere aus. Die beteiligten Banken, zu denen auch die Deutsche Bank gehört, können innerhalb von 30 Tagen über eine Mehrzuteilungsoption noch 10,5 Millionen weitere erwerben. Insgesamt könnte Twitter dann mit dem Börsengang über zwei Milliarden Dollar einnehmen.

Kritiker bemängeln unprofitables Geschäftsmodell

Trotz dieses traumhaften Börsenstarts beurteilen viele Experten die Aussichten der Twitter-Aktie noch skeptisch. Denn der Kurznachrichtendienst hat noch nie Gewinn gemacht. Aktuell hat Twitter mit seinen gut 230 Millionen Nutzern, die täglich über 500 Millionen Tweets absetzen, seinen Umsatz zwar auf 422 Millionen Dollar verdoppelt, damit aber trotz kreativer Bilanzierung einen Verlust von 134 Millionen Dollar eingefahren – auch das ist eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr.

Fast 90 Prozent des Umsatzes in diesem Jahr stammen aus der sogenannten Eyeball-Werbung, also in den Strom der Tweets eingeblendete Anzeigen. Die Hälfte davon wird wieder für Forschung und Entwicklung ausgegeben, weil Twitter den Zugang zur eigenen Plattform sehr restriktiv handhabt und Kooperationen mit anderen Firmen meidet. Statt sich an den Umsätzen Dritter beteiligen zu lassen, kaufte Twitter bisher lieber gleich die interessanten Firmen auf.

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Von Klaus Ahrens
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