14.08.2013, 08:49 Uhr | 0 |

Fahrzeugkommunikation Fraunhofer-Experten fordern: Fahrzeuge dürfen sich nur verschlüsselt unterhalten

2015 sollen die ersten vernetzten Automobile auf die Straßen kommen, so der Plan des Car-to-Car Communication Consortiums. Doch Experten warnen: Für eine erfolgreiche Umsetzung seien ein gesichertes Netz und eine geschützte Privatsphäre nötig.

Vernetzte Fahrzeuge erhöhen die Verkehrssicherheit
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Höhere Verkehrssicherheit: Der Motorradfahrer bekommt über ein Display die Information, dass von rechts ein Autofahrer abbiegen will. Auch umgekehrt ist der Autofahrer über den verdeckten Motorradfahrer informiert.

Foto: Car to Car

Norbert Bißmeyer, Projektleiter des "Pilot PKI" am Darmstädter Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT), ist überzeugt: "Damit die ersten Fahrzeuge von der Industrie pünktlich zur Verfügung gestellt werden können, ist es wichtig, zügig eine IT-Sicherheitslösung als Grundlage für die Car-to-X-Kommunikation umzusetzen." Keiner Instanz dürfe es technologisch möglich sein, die Verkehrswege von Fahrzeugen nachzuverfolgen.

Car-to-X-Kommunikation ist ein offenes Medium

Im Unterschied zu den weitgehend abgeschotteten Mobilfunknetzen gilt die Car-to-X-Kommunikation als offenes Medium. "Daten werden über drahtlose Schnittstellen übertragen und können prinzipiell frei abgegriffen werden", benennt der IT-Sicherheitsexperte eine der Hauptgefahrenquellen. Schutz sei vor potenziellen Angreifern nötig, die sowohl passiv mitlauschen und damit Profile erstellen als auch aktiv falsche Daten ins Kommunikationsnetz einspielen.

Angesichts dieses Problemdrucks hat das SIT im Auftrag des europäischen Konsortiums Car-to-Car Communication Consortium (C2C CC) die IT-Sicherheitslösung "Public Key Infrastructure" (PKI) entwickelt. Dabei kooperierte das Institut eng mit dem Volkswagen-Konzern. Führende Automobilunternehmen und Mitglieder des Konsortiums haben die Testphase des Systems schon begonnen oder stehen kurz davor. Die neue Entwicklung basiert auf dem Standard TS 103 097 des europäischen Normungsgremiums ETSI.

"Wenn Fahrzeuge auf der Straße unterwegs sind, können sie mit unserer Pilot-PKI nicht mehr identifiziert werden", betont Projektleiter Bißmeyer. Potenziellen Lauschangriffen werde ein nahezu unüberwindlicher digitaler Riegel vorgeschoben.

Temporäre Schlüssel soll die IT-Sicherheit gewährleisten

Die IT-Sicherheitslösung schützt vor aktiven und passiven Angreifern, indem sie temporär begrenzte Schlüssel und Zertifikate für jedes gültig registrierte Fahrzeug ausstellt. Diese können von den unterschiedlichen IT-Systemen genutzt werden, um Daten zu signieren, die über drahtlose Schnittstellen versendet werden. Bißmeyer: "Alle Empfänger im Kommunikationsradius sind vollkommen sicher, dass diese Nachrichten von einem vertrauenswürdigen Absender stammen."

Die Public-Key-Infrastruktur ist bis auf Weiteres am Fraunhofer SIT in Darmstadt aufgebaut. "Wir begleiten alle Aktivitäten zusammen mit den Industriepartnern bis zu einem möglichen späteren produktiven Betrieb", sagt Bißmeyer. Wer danach übernehmen wird, sei zurzeit noch nicht geklärt.

Zunächst wird die Fraunhofer-Pilot-PKI bei den Unternehmen getestet. Ende November dieses Jahres wird dann das ETSI die Systeme für Car-to-X in Feld- und Integrationstests prüfen.

Auch Infrastrukturszenarien zwischen Fahrzeugen und Ampeln oder Schilderbrücken werden durchgespielt. Bißmeyer: "Aus unserer Perspektive gilt es vor allem darauf zu achten, dass die diversen Herstellersysteme untereinander korrekt kommunizieren und mit allen Schlüsseln und Zertifikaten der Pilot-PKI auch umgehen können." 

Mehr Informationen unter www.car-to-car.org

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Von Harald Lutz | Präsentiert von VDI Logo
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