09.01.2014, 15:00 Uhr | 0 |

Android-Handy der Mittelklasse „Fairphone“ ist das erste Fair-Trade-Smartphone

Als erstes Android-Smartphone wird das „Fairphone“ aus fair erwirtschafteten Materialien und unter fairen Bedingungen hergestellt. Der niederländische Hersteller verkauft mit dem Telefon auch eine Vision für den Systemwechsel in einer globalisierten Wirtschaft.

Fairphone
Á

Das Fairphone: Als erstes Smartphone wird es unter möglichst fairen Bedingungen hergestellt.

Foto: Screenshot ingenieur.de

„Hier ist unsere Vision“, verkündet das niederländische Unternehmen „Fairphone“ mit Sitz in Amsterdam. „Wir wollen verstehen, woher das elektronische Innenleben der Smartphones kommt, wie die Lieferwege funktionieren und dann handeln, um etwas zu verändern.“ Ethische Überlegungen und nicht technische Verbesserungen stünden an erster Stelle. „Das Fairphone soll beim Kunden ein Bewusstsein dafür schaffen, welche sozialen und für die Umwelt relevanten Auswirkungen der Kauf eines elektronischen Gerätes hat.“ Das Fairphone sei mehr als ein Telefon: „Es ist ein Anfang“.

Fairphone arbeitet mit Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen zusammen

Um Teil dieses Anfangs zu werden, sind nach Angaben des Unternehmens bisher offenbar 25.000 Kunden bereit, einen höheren Preis und kleinere technische Macken in Kauf zu nehmen. Dafür erhalten sie ein Handy, das so gut es möglich ist aus fair erwirtschafteten Materialien besteht und unter fairen Bedingungen hergestellt worden ist. Seine „konfliktfreien Mineralien“ bezieht Fairphone aus Minen, deren Erträge nachweislich nicht aus konfliktbelasteten Gegenden kommen. Das Kobalt stammt aus Sambia und der demokratischen Republik Kongo, das Zinn aus Indonesien. „Dafür haben wir uns der Initiative „Solutions for Hope“ im Kongo angeschlossen, die garantiert, dass mit den Mineralien keine illegalen Militäreinheiten unterstützt werden“, betont Fairphone auf seiner Internetseite.

Auch mit anderen Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen wie „Friends of  the earth“ oder „Action Aid“ arbeiten die niederländischen Smartphone-Hersteller zusammen. Fairphone unterstützt die Vorgaben der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und suchte lange nach einem Hersteller in China, der die geforderten Arbeitsbedingungen erfüllt. Dazu gehört ein Lohn, der zum Leben reicht, akzeptable Arbeitszeiten und ein Mitspracherecht für Arbeiter.

Sein Ziel, das Smartphone komplett aus wiederverwendeten Materialien herzustellen, konnte Fairphone zwar noch nicht erreichen. Aber der Recycling-Gedanke spielt schon jetzt eine wichtige Rolle. Das Smartphone selbst wird in einer Pappschachtel aus recyceltem Papier geliefert und Akku sowie das Displayglas können bei Bedarf ausgetauscht werden. In jedem Fairphone, so die Hersteller, stecken außerdem drei Euro, die für den Aufbau von Recycling-Projekten in andere Länder gesteckt werden.

Gut verarbeitetes Android-Handy der Mittelklasse für 325 Euro

Was bekommt nun der Fairphone-Kunde dafür? Insgesamt ein gut verarbeitetes Android-Handy der Mittelklasse zum Preis von 325 Euro. Der 4,3 Zoll große Bildschirm hat eine Auflösung von 960 x 540 Pixeln, das Handy ist einen Zentimeter dick und mit 170 Gramm relativ schwer. Der freie Speicher von knapp 13 GB kann mit einer MicroSD-Karte erweitert werden, die Internetverbindung erfolgt per W-LAN. Die Acht-Megapixel-Kamera schneidet in den bisherigen Testergebnissen nicht gut ab. Wer Wert auf gute Fotoqualität auch bei schlechten Lichtverhältnissen legt, wird von dem Fairphone vermutlich enttäuscht werden.

Während bei den meisten Smartphones Touchscreen, Display und Frontglas miteinander verklebt sind, ist die Glasabdeckung des Fairphone-Displays ein separates Bauteil. Sie lässt sich leicht und kostengünstig ersetzen, allerdings muss der Nutzer etwas kräftiger auf das Display drücken, um Eingaben zu machen.

Der Preis von 325 Euro macht das Fairphone, was das oberflächliche Preis-Leistungsverhältnis betrifft, nicht gerade zum Schnäppchen. Dafür liefern die Hersteller einen Mehrwert mit, der eine ganz bestimmte Käuferschicht ansprechen soll. „Du bist eine privilegierte und informierte Person, die die Möglichkeiten besitzt, um Teil der Lösung zu werden“, spricht Fairphone Handynutzer an, die zum Geld auch den Wunsch haben, nachhaltige Kaufentscheidungen zu treffen. Das Konzept funktioniert offenbar, denn die erste Produktionsauflage ist bereits ausverkauft. Für die nächste Serie können sich Interessierte unverbindlich auf der Internetseite des Herstellers vormerken lassen.

Anzeige
Von Gudrun von Schoenebeck
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden