06.08.2013, 15:47 Uhr | 0 |

Neuer Marktführer E-Plus und O2 schließen Zweckehe: Technische Tücken sind vorprogrammiert

Aus drei und vier mach eins - so könnte der Slogan für die Fusion von O2 und E-Plus lauten. Auch wenn der neue Branchenriese die meisten Kunden hat: Diese Verbindung dürfte im hart umkämpften Markt nicht einfach werden.

E-Plus-Shop mit Kunde
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O2 übernimmt den Branchen-Dritten E-Plus. Beide Unternehmen zusammen werden gemessen an der Kundenzahl zum Marktführer in Deutschland.

Foto: E-Plus

Es galt schon als Sommerlochfüller: O2 kauft E-Plus oder auch mal E-Plus kauft O2. Kaum ein Jahr, in dem nicht gerne in der heißen Jahreszeit diese News verbreitet wurden. Doch nun wird das stetige Gerücht Wirklichkeit. Telefónica Deutschland mit seiner Marke O2, der kleinste Anbieter gemessen an der Zahl der Kunden, will mit E-Plus die Nummer drei im Mobilfunkmarkt übernehmen.

O2 und E-Plus werden gemeinsam zum Marktführer

So entsteht auf den ersten Blick ein neuer Riese im deutschen Telekommunikationsmarkt. Mit 43 Millionen Kunden und einem Umsatz von gemeinsam 8,6 Milliarden Euro (2012) katapultiert sich das Unternehmen an die Branchenspitze – vor die Deutsche Telekom und vor Vodafone.

Ganze 5 Milliarden Euro in bar und Anteile von 17,6 % an Telefónica Deutschland lassen die Münchener sich den Deal kosten. Der gesamte Kaufpreis soll bei über 8 Milliarden Euro liegen. Die Hoffnungen ruhen unter anderem auf Einsparungen in Höhe von 5,5 Milliarden Euro , die die Transaktion bringen soll – Kostenvorteile, die sich allerdings erst vollständig ab 2019 einstellen sollen.

Noch vor wenigen Wochen hatte Telefónica-Deutschland-Chef René Schuster skeptisch abgewunken. Doch nach der avisierten Übernahme von Kabel Deutschland durch Vodafone scheint der Druck auf die beiden kleinen Marktplayer immens gewachsen.

"Diese Fusion ist keine Liebesheirat, sondern eine Zweckehe", erklärt Ekkehard Stadie von der Strategieberatung Simon-Kucher & Partners. "Als Nummer drei und vier sind E-Plus und O2 allein nicht groß genug, um auf einem Markt mithalten zu können, auf dem ein erbitterter Preiskrieg die Umsätze und Profite der Telekommunikationsfirmen drückt", wertete Emeka Obiodu vom britischen Analystenhaus Ovum.

Konzern will an Mehrmarkenstrategie festhalten

E-Plus-Chef Thorsten Dirks kündigte an, gemeinsam könnten die beiden kleineren Anbieter auf dem deutschen Markt den Platzhirschen Vodafone und Deutsche Telekom auf "Augenhöhe" Konkurrenz machen. Seine zahlreichen Marken wie Base, Simyo oder blau.de werde E-Plus auch nach dem Zusammenschluss mit O2 behalten. "An der Mehrmarkenstrategie wird sich nichts ändern", sagte Dirks. "Das ist unser Erfolgsrezept."

Fest steht: Diese Zweckehe wird nicht so leicht geschlossen. Schließlich gelten die Strategien der beiden Unternehmen als völlig verschieden. Während Telefónica sich mit O2 nur allzu oft als technologischer Trendsetter zeigte, konzentrierte sich E-Plus mehr auf Discountermarken und Tarife. Gerade in Sachen Netztechnik folgten die Düsseldorfer den drei Konkurrenten bisher mit solidem Abstand.

Bei der Fusion – das stützen auch Beobachter – geht es definitiv um mehr als nur um die einfache Anzahl von Mobilfunkkunden und deren Verträge. Rasant ansteigende Datenraten haben der Branche verdeutlicht, dass zum jetzigen Zeitpunkt Mobilfunk allein nicht ausreicht, um die Lust der Kunden auf Bilder, Videos und TV zu stillen. Ohnehin wollen Telekom, Vodafone & Co. immer mehr Triple-Play-Kunden für sich gewinnen, die Telefonie, Internet und TV im Paket buchen. Doch für all das braucht man Netze und Kapazitäten.

Beide Unternehmen rechnen mit Zustimmung des Kartellamtes

Der neue Konzern kann zum einen auf das Breitbandnetz von Telefónica bauen, vereint in sich aber auch einige Zehntausende GSM- und UMTS-Basisstationen. Die 800-MHz-LTE-Lizenz, die Telefónica Deutschland 2010 ersteigert hat, dürfte sich auszahlen. Zumal nach Ansicht von Branchenexperten beim Betrieb nur eines gemeinsamen Mobilfunknetzes die Mittel vorhanden seien, um stärker in die breitbandige Technik zu investieren.

Noch bedarf die Übernahme der kartellrechtlichen Zustimmung. Mitte nächsten Jahres rechnen Insider mit der Entscheidung der Wettbewerbshüter – voraussichtlich wird die EU-Kommission die Fusion durch das Bundeskartellamt prüfen lassen. Doch O2-Chef René Schuster gibt sich gelassen: "Wir sind zuversichtlich, dass die Behörden zustimmen, weil ein dritter starker Spieler den Wettbewerb in Deutschland im Sinne der Kunden fördert", erklärte er.

Doch das Bundeskartellamt hat schon Widerstand angekündigt. "Die Verringerung von vier auf drei Anbieter ist wettbewerbsrechtlich alles andere als ein Selbstläufer, zumal gerade E-Plus in der Vergangenheit beim Preiswettbewerb besonders aktiv war", sagte Bundeskartellamts-Präsident Andreas Mundt vergangene Woche der Nachrichtenagentur dpa. "Wir sehen natürlich auch den hohen Investitionsbedarf in der Branche und den daraus resultierenden Konsolidierungsdruck. Hier steht eine sehr sorgfältige Prüfung an."

Kurzfristig dürfte vor allem ein Unternehmen von den Fusionsaktivitäten in der Branche profitieren. Wenn sich Telefónica Deutschland die Düsseldorfer E-Plus einverleibt und nahezu zeitgleich Vodafone Kabel Deutschland übernimmt, dann könnte die Deutsche Telekom Vorteile haben. "Die Telekom ist von Anbietern umgeben, die in Integrationsprozessen oder Übernahmen stecken", weiß Beobachterin Robin Bienenstock von Bernstein Research. Für die Bonner verspricht dieser Sommer ruhiger zu werden.

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Von Regine Bönsch | Präsentiert von VDI Logo
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