Telekommunikation Die 100-Gbit/s-Ethernet-Technologie ist im Kommen
Es deutet sich an, dass die Telekommunikationsanbieter vielerorts gleich auf das 100-Gbit/s-Ethernet migrieren. Nur so können sie der Datenflut in ihren Kernnetzen bis hin zum Verteiler Herr werden. Das wichtigste Hindernis auf dem Weg zu solch schnellen Netzen ist derzeit noch der Preis der Komponenten.
100-Gbit/s-Ethernet ist im Kommen. Das zeigte sich auf der weltweiten Tagung des Metro Ethernet Forum, die vor Kurzem in München stattfand. Dort stellten einige Netzbetreiber vor, wo und für was sie bereits heute die neue, zehnmal schnellere Technologie verwenden oder demnächst verwenden wollen.
Der wichtigste Treiber ist dabei der durch mobile und Cloud-Technologien stetig wachsende Datenverkehr. Zahlen von Cisco, die Heavy-Reading-Analyst Stan Hubbard präsentierte, zeigen das: Managed-IP-Daten nehmen jährlich um 24 % zu, Fixed-Internet-Verkehr um 32 %, der Datenverkehr zwischen Rechenzentren um 32 % und der Verkehr zwischen Datenzentren und Endanwendern um 36 %. Der mobile Datenverkehr legt gar um 78 % pro Jahr zu. Netzbetreiber müssen darauf reagieren, sollen die Infrastrukturen nicht zum Flaschenhals werden.
Erste Kunden fragen nach 100-Gbit/s-Ethernet
Der vor allem in Zentral- und Osteuropa aktive Anbieter GTS CE beispielsweise hat ein Kernnetz auf Basis der 100-Gbit/s-Ethernet-Technik im laufenden Jahr erfolgreich getestet. 40-Gbit/s- Ethernet wurde auf wichtigen nationalen und internationalen Verbindungen implementiert. „Endkunden verwenden heute meist noch 10 Gbit/s, nach 40 Gbit/s hat bei uns kein Kunde gefragt. Es gibt aber bereits erste Kundennachfragen nach 100 Gbit/s“, berichtet Cheftechniker Jose Ignacio Irurita Martin. „Wir rechnen damit, im laufenden Jahr die ersten so schnellen Kundenschnittstellen einzurichten.“ GTS CE verwendet 100 Gbit/s heute vor allem dafür, große Datenmengen an wichtige Knotenpunkten, den PoPs (Points of Presence), auszuliefern.
P & T Luxemburg agiert im eigenen Land als Netzbetreiber, international vor allem als Aggregator. Auf dem Teralink-Netz, das P & T betreibt, werden vor allem anspruchsvolle Videodienste, Finanztransaktionen, Cloud-Transport und transparente Ethernetdienste offeriert. Ein globaler IP-Transitdienst skaliert von 100 Mbit/s bis 100 Gbit/s. Auch hier wurden wichtige Verbindungen, z. B. die von Frankfurt nach Amsterdam oder von New York nach Paris, bereits auf 100 GBit/s migriert. „Wir brauchen die Technologie, weil die Kunden entsprechende Anforderungen stellen“, ist Marc Paneel, International Connectivity Manager des Unternehmens, überzeugt.
100-Gbit/s-Ethernet am wichtigsten Knotenpunkt Europas erfolgreich getestet
Auch beim PoP von Amsterdam Internet Exchange (AMS-IX), einem der wichtigsten Netzknotenpunkte in Europa, hat man nach erfolgreichen Tests 2011 nun erste 100-Gbit/s-Verbindungen in der Produktion, wie Henk Steenman, CTO von AMS-IX, berichtete. Als Technologielieferant kommt hier Adva Optical Networking zum Einsatz.
Herbert Goetsch, Direktor Produktmanagement bei Level 3 Communications, berichtete von Versuchen auf der Verbindung Frankfurt/London. Ziel war, vorhandene Transportprobleme und Multi-Vendor-Umgebungen zu verifizieren. Als nächsten Schritt plant Level 3 eine 100-Gbit/s-Ethernet-Verbindung mit Livedatenverkehr zwischen Frankfurt, London und New York.
100-Gbit/s-Ethernet-Technologie muss noch viele Hindernisse überwinden
Allerdings dürfen alle Tests nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch immer viel zu tun ist, bis sich die Technologie flächenhaft in Netzen der Kommunikationsanbieter durchsetzen wird. Das größte Hindernis ist der hohe Preis der optischen Komponenten. Sie müssten, so meinen einige Beobachter, noch mehr als 90 % billiger werden, um tatsächlich konkurrenzfähig zu sein. „Das Maß der Dinge ist der Preis von zehn 10-Gbit/s- Ethernetverbindungen“, glaubt Paneel von P & T. „Und in den USA liegt diese Grenze sogar noch niedriger, vielleicht bei dem Preis von sechs 10-Gbit/s- Ethernet-Verbindungen.“
Dazu kommt, dass die 100-Gbit/s- Technologie meist gemeinsam mit langsameren im selben Netz eingesetzt wird, was beim Übergang zwischen Routern Probleme bei der Umsetzung von einem Transportkanal auf den anderen mit sich bringt. Deshalb muss man zwischen 100-Gbit/s- und langsameren Kanälen Freikanäle lassen, was im Gesamtsystem letztlich wertvolle Kapazität blockiert.
Auch die Reichweite ist ein Hindernis: So müssen 100-Gbit/s-Signale in Systemen mit Kanälen verschiedener Geschwindigkeiten doppelt so häufig verstärkt werden wie 10-Gbit/s-Signale. Das bedeutet letztlich, dass sich nur halb so lange Strecken rechnen. „Man muss bei der Implementierung von 100-Gbit/s- Ethernet genau abwägen, ob die größere Geschwindigkeit die höheren Implementierungskosten rechtfertigt oder ob die Bündelung langsamer Kanäle vielleicht doch die bessere Lösung im Einzelfall ist“, betont denn auch GTS-Manager Martin.
Dies alles wird aber wohl den Erfolg des Standards nicht dauerhaft bremsen. Schon innerhalb der nächsten zwei Jahre werden wahrscheinlich viele internationale Netzbetreiber zumindest in Kernnetzen auf die neue Technik übergehen.
Und, neue Techniken tun ihr Übriges: So sollen verbesserte Modulationsmethoden oder der Einsatz digitaler Signalprozessoren die Reichweite bis auf 2000 km ausdehnen. Neue Standards, Kompatibilitätstests und fallende Preise ergänzen den Trend. Schließlich wächst der Druck der Datenfluten: Ohne breitere Leitungen sind sie einfach nicht zu bewältigen.






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