24.04.2013, 14:02 Uhr | 0 |

Online-Zugang für jedermann Nebenwirkungs-Portal für Arzneimittel startet

Patienten und Ärzte können sich künftig schon über unerwünschte Wirkungen von Medikamenten informieren, bevor fest steht, ob es sich dabei um echte Nebenwirkungen handelt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) öffnet die Datenbank für verdächtige Nebenwirkungen ab sofort für alle Interessierten. 

Verschiedene Pillen und Tabletten liegen auf einem Teller.
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Arzneimittel: Die Datenbank für verdächtige Nebenwirkungen des Bundesinstituts BfArM ist ab sofort öffentlich. 

Foto: dpa-Zentralbild

Welche Neben- und Wechselwirkungen ein Arzneimittel hat, können Patienten bislang nur anhand der Packungsbeilage überprüfen. Ab sofort kann jeder jederzeit auf die Datenbank des BfArM zurückgreifen, um sich über Nebenwirkungen von Arzneimitteln zu informieren, die möglicherweise noch nicht auf dem Beipackzettel stehen. "Jeder kann jetzt in den bei uns gemeldeten Verdachtsmeldungen kostenfrei recherchieren. Damit schaffen wir noch mehr Transparenz für Ärzte, Patienten und andere interessierte Bürger", erklärt Walter Schwerdtfeger, Präsident des Bundesinstituts.

Verdachtsfälle auf Nebenwirkungen werden analysiert

Ärzte melden etwa 50.000 Nebenwirkungen jährlich an das BfArM. Ob es sich um tatsächliche Nebenwirkungen handelt, ist jedoch nicht sicher, wenn diese auf der Datenbank landen. Zunächst handelt es sich erst einmal um einen Verdacht, der dann analysiert wird. Auch die Anzahl der gemeldeten Verdachtsfälle informiert nicht über die wirkliche Höhe der Nebenwirkungen. Denn zum einen berichten nicht alle Patienten über ihre Erfahrungen an den behandelnden Arzt und Ärzte sehen auch nicht immer einen Zusammenhang zum eingenommenen Präparat. Zum anderen werden bei bekannten Medikamenten oftmals mehr Nebenwirkungen beobachtet als bei unbekannten Präparaten. Deshalb ersetzt diese Datenbank aber nicht die Beratung und Aufklärung des Arztes und sie kann auch keine Empfehlungen geben.

Die Datenbank des BfArM verzeichnet einen großen Teil der gemeldeten Verdachtsfälle von Nebenwirkungen und Wechselwirkungen seit 1995. Sie liefern eine Grundlage zur Überwachung und Verbesserung der Arzneimittelsicherheit. Wird ein Medikament auf dem Markt zugelassen, können jedoch immer noch Nebenwirkungen auftreten, die während der klinischen Studien nicht aufgetaucht sind. Ergeben sich neue Risiken, führt das BfArM Sicherheitsmaßnahmen durch bis hin zum Rückruf eines Medikamentes vom Markt.

Packungsbeilagen seit 6. November 2001 Pflicht

Packungsbeilagen und Fachinformationen der Medikamente geben nur Hinweise auf überprüfte und bewertete Meldungen von Nebenwirkungen. Der Packungsbeilage, auch Beipackzettel oder in der Umgangssprache Waschzettel genannt, ist in der Europäischen Union seit dem Jahr 2001 verpflichtend vorgeschrieben. Er enthält wichtige Informationen für den Patienten über den Zweck und die richtige Anwendung eines Medikamentes. Dazu gehören neben Darreichungsform und Dosierung auch Angaben zu Gegenanzeigen, Wechselwirkungen und mögliche Risiken

Bei der neuen Datenbank geht es aber nicht nur um Aufklärung der Patienten, sondern auch um deren Mitarbeit. So lässt sich die normale Überwachung von Medikamenten durch die Einbeziehung der Öffentlichkeit ausweiten. Jeder kann und sollte künftig bei Identifizierung von Nebenwirkungen mithelfen. Nicht nur die Ärzte, sondern auch die Patienten müssen Auffälligkeiten direkt an ein Register melden können. Im Herbst soll eine entsprechende Website, die sich zurzeit in der Testphase befindet, ebenfalls online gehen. 

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Von Petra Funk
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