02.07.2013, 10:37 Uhr | 0 |

Living Lab Forschen für ein selbständigeres Leben im Alter

Je älter immer mehr Menschen werden, desto mehr Probleme entstehen. Das beginnt mit den Kapazitäten der Pflegeheime und reicht über die massiven Kostensteigerungen des Alterns bis hin zum Wohlbefinden der alten Menschen. Neue Forschungsvorhaben bemühen sich hier Lösungen zu entwickeln, die all diesen Gesichtspunkten Rechnung tragen.

Herdsicherung und Sensormatte
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Technische Assistenzsysteme für ein selbstständiges Leben im Alter werden im „Living Lab“ erlebbar gemacht. Die Abbildung zeigt links eine Herdsicherung und rechts eine Sensormatte. 

Foto: Hochschule Furtwangen

An der Hochschule Furtwagen (HFU) entsteht gegenwärtig ein Experimentalsystemmit dessenHilfe ältere Menschen künftig sehr viel länger als das bisher häufig möglich ist, selbständig in ihrer eigenen Wohnung leben können. Dabei geht es darum, so genannte technische Assistenzsysteme für ein selbständiges Leben im Alter zu entwickeln und gemeinsam mit potenziellen Nutzern zu erproben. All das geschieht in einer typischen Wohnungsumgebung, die daher auch als „Living Lab“ bezeichnet wird. Leiter des Vorhabens ist Professor Dr. Christophe Kunze von der Fakultät Gesundheit, Sicherheit, Gesellschaft (GSG) der Hochschule Furtwangen. Der Aufbau dieses Labors wird im Rahmen des Forschungsprogramms Großgeräte von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Land Baden-Württemberg mit insgesamt 475 000 Euro gefördert.

Technische Lösungsansätze für das Allein-Leben im Alter dürfen nicht an den Bedürfnissen der Nutzer, also der alten Menschen, vorbei entwickelt werden, betont Professor Kunze. Dementsprechend stark wird darauf abgestellt, alle neuen Lösungsansätze des „Living Lab“ so rasch wie möglich zugleich auch zu evaluieren. Das Spektrum der Entwicklung und Evaluierung reicht dabei von neuen Interaktionstechnologien bis zur Unterstützung von Alltagsaktvitäten durch so genannte assistive Technolgien bis hin zu Assistenzrobotern.

Technologien für die Interaktion und zur Unterstützung des Alltags

Neue Interaktionstechnologien beschäftigen sich beispielsweise mit der Gesten- und Sprachsteuerung sowie innovativen Sensorsystemen zum Monitoring des Gesundheitszustands der alten Bewohner. Hand in Hand gehen damit die assistiven Technologien der Alltagsunterstützung für alte Menschen. Das deckt die Pflege und Gesundheitsversorgung Älterer ab. Typische Beispiele für die Nutzung im „Living Lab“ sind dabei die Erkennung von Gefahrensituationen wie Sturz oder Brand. Erinnerungssysteme sollen die Medikamenteneinnahme sicherstellen. Schließlich gibt es auch noch eine Art spielerischer Systeme zum körperlichen und kognitiven Training. Ganz konkret leiten sich daraus für das „Living Lab“ Systeme zur Herdsicherung gegen Brände und andere Unfälle, Sensormatten zur Messung bestimmter Körperzustände, Medikamentenspender (Dispenser) und so genannte SmartHome- Systeme ab. Letztere erleichtern es den alten Menschen beispielsweise Ärzte, Krankenhäuser, Ambulanzen aber auch Verwandte telefonisch schnell und einfach zu erreichen.

Parallel zum „Living Lab“ wird auch ENAS entwickelt

Zeitgleich zu den Arbeiten am und im „Living Lab“ hat am 1. Juli dieses Jahres das Forschungsprojekt ENAS begonnen. ENAS steht dabei für Effekte und Nutzen Altersgerechter Assistenz-Systeme. Bei ENAS handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt der Hochschule Furtwagen und des FZI Forschungszentrums Informatik in Karlsruhe. Die Arbeiten in Furtwangen liegen wieder bei der Fakultät Gesundheit, Sicherheit, Gesellschaft (GSG) und werden von Professor Dr. Christophe Kunze sowie Peter König, Dozent für Pflegewissenschaften an der Fakultät GSG, geleitet. ENAS läuft zunächst für ein Jahr und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Schwerpunktprogramms „Mensch – Technik – Interaktion im Demographischen Wandel“ mit insgesamt 285 000 Euro gefördert. Aufgabe von ENAS ist es zu untersuchen, wie der Nutzen neuer technikgestützter Versorgungsansätze in der Pflege effizient und zugleich zuverlässig evaluiert werden kann.

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Von Peter Odrich
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