08.09.2014, 13:24 Uhr | 0 |

Hoffnung auf Impfstoff Deutschland schickt Experten für Infektionsschutz nach Afrika

Deutsche Infektiologen sollen jetzt in Afrika helfen, die rasche Ausbreitung der Ebola-Epidemie zu bremsen. Sie haben die Aufgabe, das medizinische Personal in den Krankenhäusern der betroffenen Gebiete zu schulen, um Ebola-Patienten schneller zu erkennen und zu behandeln. In Sierra Leone soll zudem eine landesweite Ausgangssperre vor der Seuche schützen. 

Junge Frauen in Liberia
Á

Junge Frauen in Liberia lesen Hinweise zur Schutz vor der Ebola-Seuche: Die Bundesregierung will Experten für Infektionsschutz nach Afrika schicken, um die weitere Ausbreitung von Ebola zu bremsen. 

Foto: EPA

Ein spezielles Trainingsprogramm deutscher Experten für Infektionsschutz in Afrika soll helfen, die weitere Ausbreitung von Ebola zu bremsen. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut ein entsprechendes Programm für das medizinische Personal in den fünf betroffenen Ländern erarbeiten. Das Robert-Koch-Institut ist eine zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und Prävention.

Deutsche Experten schulen medizinisches Personal in Afrika

„Mit Hilfe deutscher Experten wird das medizinische Personal in den Krankenhäusern im Umgang mit hochansteckenden Krankheiten wie Ebola geschult", kündigte Gröhe am Wochenende in der Rheinischen Post aus Düsseldorf an. Es gehe darum, „eine Ebola-Erkrankung schnell zu erkennen, die Patienten gut und sicher zu versorgen und dafür zu sorgen, dass eine weitere Ansteckung vermieden wird.“

Am stärksten betroffen von der Ebola-Seuche sind die drei westafrikanischen Länder Guinea, Liberia und Sierra Leone, wo bisher mindestens 2097 Menschen an dem gefährlichen Ebola-Virus gestorben sind, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit.

Die WHO und andere Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass die Ebola-Epidemie noch mehrere Monate lang andauern wird, bis sie unter Kontrolle gebracht sein wird. Bis dahin werden bis zu 20.000 Menschen sterben, so eine eher optimistische Prognose der WHO. „Die Helfer vor Ort sind entscheidend dafür, ob es gelingt, die weitere Verbreitung von Ebola einzudämmen", betonte Gröhe.

Ausbreitung der Ebola-Seuche hat sich beschleunigt

Die Ausbreitung des tödlichen Virus hat sich zwischenzeitlich beschleunigt. Die Menschen werden immer verzweifelter. Sierra Leone hat nun eine viertägige landesweite Ausgangssperre angekündigt. In dieser Zeit sollen etwa 7000 Pflegekräfte Häuser und Hütten nach nicht gemeldeten Infizierten kontrollieren.

Aus Angst und Verzweiflung melden viele Menschen ihre erkrankten Familienmitglieder nicht. „Wir wissen, dass es noch immer Nester des Widerstandes gibt“, sagte Ibrahim Ben Kargbo, Präsidentenberater und Mitglied der Ebola Task Force in Sierra Leone.

Eine Forscherin arbeitet am 29.09.2008 im Labor des Instituts für Virologie der Universität Marburg unter der höchsten Biologischen Schutzstufe 4 (BSL4). Das Marburger Labor ist eines von nur drei in Deutschland, das die Anforderungen des BSL4 erfüllt. Foto: Thomas Strecker/Universität Marburg/dpa (zu lhe-KORR «Ebolaforschung im Hochsicherheitstrakt» vom 08.09.2014) +++(c) dpa - Bildfunk++
Á

Viren-Forschung an der Universität Marburg: Die WHO hofft, dass spätestens im November ein Impfstoff gegen Ebola vorliegt.

Foto: Thomas Strecker/Universität Marb

„Seit der Invasion der Rebellen im Jahr 1999 habe ich nicht mehr eine derartige Angst in den Gesichtern der Menschen gesehen“, sagte der Informationsminister des Landes, Alpha Kanu. Selbst die Pflegekräfte in den Kliniken haben große Angst und sind bereits in den Streik getreten. Ihnen fehlen für die Behandlung der hochgradig ansteckenden Kranken Schutzanzüge, Brillen und Gummihandschuhe. Etwa zehn Prozent der Ebola-Opfer sind Pflegekräfte.

Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen zweifelt an der Ausgangssperre

Die erzwungenen Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie könnten jedoch eher schädlich sein, meint eine Sprecherin der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Das Vertrauensverhältnis zwischen medizinischem Personal und der Bevölkerung werde eher zerstört.

Das zeigte sich auch in der Hauptstadt Liberias, in Monrovia. Dort kam es zu gewalttätigen Unruhen, als Sicherheitskräfte einen Stadtteil hermetisch abriegeln wollten. „Was Sierra Leone und Liberia derzeit am dringendsten brauchen, sind zusätzliche Betten in den Isolierstationen“, sagte eine Sprecherin der Organisation, „und die brauchen sie jetzt sofort.“

Impfstoff gegen Ebola könnte im November kommen

Inzwischen haben mehrere Pharmaunternehmen angekündigt, Ebola-Präparate an Menschen zu testen. Dabei handelt es sich jedoch meist um experimentelle Wirkstoffe. Jedoch drängt die Zeit und die Epidemie wütet weiter, so dass die WHO grünes Licht für diese Präparate gegeben hat.

Möglicherweise könnte im November ein Impfstoff gegen Ebola vorliegen. Dann könnten Ärzte und Pfleger bereits kurzfristig geimpft werden. Doch bis es soweit ist, werden noch zwei Impfstoffe getestet, die vielversprechend sind, berichtet die WHO.

Auf Anfrage der WHO kündigte auch Japan an, ein Mittel mit dem Namen Favipiravir liefern zu können. In Japan ist dieses Mittel für Grippenotfälle zugelassen. Es kann die Enzyme Polymerasen hemmen, die für die Vermehrung vieler Viren verantwortlich ist – auch der Filoviren, die zu den Ebola-Erregern zählen.

 

Anzeige
Von Petra Funk
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden