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17.03.2015, 15:09 Uhr | 0 |

CeBIT 2015 App soll im Kampf gegen tödliche Epidemien und Ebola helfen

Den Kampf gegen Ebola und andere Seuchen will das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam mit einer App unterstützen. Bei Ausbruch einer Epidemie sollen die Kontaktpersonen einer infizierten Person über die App schnellstmöglichst erfasst werden, um die Ausbreitung verfolgen und sofort eindämmen zu können. Vorgestellt wird die Technik auf der CeBIT.

Bricht eine Epidemie wie Cholera, Vogelgrippe oder eben Ebola aus, beginnt auch ein Kampf gegen die Zeit. Jede Stunde zählt, um die Ausbreitung der Seuche zu bremsen. Viel Zeit verlieren die Helfer dabei, die vielen Tausenden von Kontaktpersonen der Erkrankten zu erfassen.

Denn bislang erfolgt dies durch Notizen auf Papierbögen, schildert Entwicklerin Cindy Fähnrich vom Hasso-Plattner-Institut (HPI) im Gespräch mit Ingenieur.de. Die medizinischen Mitarbeiter besuchen die Kontaktpersonen regelmäßig und fragen nach Fieber, Nackenschmerzen und anderen Symptomen.

Schnelles Reagieren auf Ebola derzeit kaum möglich

Die Ergebnisse werden per Hand auf Papierbögen festgehalten, die später erfasst und an eine Zentrale übertragen werden müssen. Gerade in Afrika, wo das Straßennetz schlecht ist und es in der Regel kein Festnetz gibt, geht so wertvolle Zeit verloren. Es dauert mitunter Tage, bis die Bögen oder Informationen in der Zentrale eingetroffen sind. Und auch dort müssen die Daten erst per Hand ausgewertet werden. Übertragungsfehler sind keine Seltenheit. Und schnelles Reagieren auf die Ausbreitung einer Epidemie ist so nicht möglich.

Die neue App aus Potsdam ist nur der von außen sichtbare Briefkasten einer neuen Big-Data-Technik, die es erlaubt, alle Daten aus einem Epidemiegebiet nicht nur schnell zu verarbeiten, sondern sofort auf Auffälligkeiten zu reagieren. So werden die Patientendaten, die die Helfer vor Ort auf dem Smartphone oder Tablet im Haus der Kontaktpersonen eingeben, sofort per Mobilfunk übertragen und in einem Rechenzentrum ausgewertet. Gibt es Auffälligkeiten, erfährt das der Helfer vor Ort sofort über die App, die in beide Richtungen kommunizieren kann.

Helfer erhalten Infos per App und können Patienten versorgen

Der Helfer ist dadurch in der Lage, umgehend erste Maßnahmen zu ergreifen. Das kann eine weitere Untersuchung des Patienten sein oder aber die notwendige Isolierung des möglicherweise erkrankten Menschen. Da im Rechenzentrum alle Daten der Patienten in Echtzeit vorliegen, kann täglich die Entwicklung verfolgt werden. „So können wir die Ausbreitung der Seuche auf einer Karte laufend darstellen“, schildert HPI-Sprecher Hans-Joachim Allgaier gegenüber Ingenieur.de.

So eine Karte, die laufend aktualisiert wird, ist dabei keine Spielerei. Auf diese Weise können medizinische Einrichtungen und Krankenhäuser vorgewarnt werden. Diese können sich auf die neuen Patienten einstellen, ihre Kapazitäten ausweiten, Personal anfordern, Medikamente und Ausrüstung besorgen.

Erste Tests in Afrika laufen seit Februar

Erste Tests des neuen Systems liefen bereits im Februar und März dieses Jahres an. Im April soll die Technik in einer Feldstudie in zwei Bundesstaaten Nigerias eingesetzt werden. Dann geht es darum, die Einsatzmöglichkeiten und Zeitersparnis der Technik zu prüfen. Etwa 100 Mitarbeiter werden in Nigeria mit den entsprechenden Geräten ausgestattet.

 

Entstanden ist die Technik in einem Forschungskonsortium, in dem Informatiker des HPI, des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung, des Berliner Robert-Koch-Instituts, des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin und Wissenschaftler aus Nigeria zusammen arbeiten. Beteiligt ist auch SAP mit einer Hochleistungsdatenbank, die die interaktiven Analysen und Simulationen ermöglicht.

Die Entwicklung des „Surveillance and Outbreak Response Management Systems“ (Sormas) wurde mit 700.000 Euro vom Bundesforschungsministerium gefördert. Kein Wunder, dass sich Forschungsministerin am Dienstag auf der CeBIT die Technik demonstrieren ließ und beeindruckt war. 

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Von Axel Mörer-Funk
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