04.05.2015, 06:55 Uhr | 0 |

Schnellere Hilfe für Patienten Aachener Telenotarzt hat im ersten Jahr 1500 Einsätze gehabt

Die Idee ist ungewöhnlich: Notärzte können in Aachen schon vor dem Eintreffen virtuell zu einem Unfall hinzugezogen werden. Per Kameraübertragung können sie die Unfallopfer begutachten und schon erste Tipps an die Rettungssanitäter geben. 1500 Mal hat sich das System innerhalb des ersten Jahres bewährt.

Patient auf dem Bildschirm
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Der Telenotarzt hat Zugriff auf alle Vitaldaten des Patienten, die in Echtzeit von allen Geräten im Einsatz übertragen werden. Zudem kann der Notarzt die Patienten über eine Kamera im Rettungswagen beobachten.

Foto: P3 telehealthcare

In Aachen wird seit einem Jahr der telemedizinische Notarztdienst als fester Bestandteil des Rettungsdienstes eingesetzt. Rettungsassistenten müssen am Unfallort mit Hilfe dieses Dienstes nicht mehr auf den Notarzt warten, bis sie mit der notärztlichen Versorgung des Patienten beginnen können.

Erfasste Patientendaten werden sofort an Telenotarzt übertragen

Kommt der Rettungssanitäter zum Unfallort, kann er per Knopfdruck auf dem Headset direkt mit dem diensthabenden Notarzt in der Telenotarztzentrale verbunden werden. Von dort aus unterstützt der fachkompetente Notarzt den Sanitäter vor Ort bei der Durchführung lebensrettender Maßnahmen und Verabreichung von Medikamenten.

Eine an der Decke des Rettungswagens befestigte Kamera liefert Fotos und Videostreams des Patienten in Echtzeit direkt vom Rettungswagen in die Notfallzentrale. Die Vitaldaten des Patienten, die beispielsweise über ein Zwölf-Kanal-EKG und ein automatisches Blutdruckmessgerät erfasst werden, überträgt das Aachener System direkt an den Notfallarzt, der dadurch Anweisungen für die Behandlung geben kann. Dies hat den Vorteil, dass die therapiefreie Zeit, bis der Notarzt am Unfallort oder der Patient im Krankenhaus eintrifft, verkürzt wird und die Patientenversorgung sofort beginnen kann.

Zwölf Rettungswagen der Aachener Feuerwehr wurden für das Pilotprojekt mit der notwendigen IT-Technik ausgestattet. Dafür wurden etwa sechs Kilometer Kabel in den Fahrzeugen verbaut. Damit die Energieversorgung für Absaugpumpe, Beatmungsgerät und Defibrillator auch unter extremen Bedingungen gewährleistet ist, sind die Rettungswagen mit zwei Batterien und zusätzlich mit einem Generator ausgerüstet.

Der Betreiber des Systems, die Ingenieurgesellschaft P3 telehealthcare, hat nun, ein Jahr nach dem Start des Pilotprojektes, Bilanz gezogen: In mehr als 1500 Fällen wurde der Notarzt schon vor dem Eintreffen am Unfallort zu Rate gezogen. Das sind im Schnitt vier Einsätze täglich, in denen der Telenotarzt aktiv wird.

Telenotarzt übernimmt bereits jeden vierten Einsatz

„Der Telenotarzt übernimmt bereits jeden vierten Notarzteinsatz in der Primärrettung. Ferner unterstützt er den Rettungsdienst im Bereich der arztbegleiteten Verlegungstransporte“, lobt der Chef der Berufsfeuerwehr Aachen, Jürgen Wolff, das neue Rettungssystem. „Hier zeigt sich im Regelbetrieb sogar ein Potenzial von circa 30 bis 40 Prozent der Einsätze, die telemedizinisch begleitet werden können.“

„Der Telenotarzt hat nicht nur unnötige Notarzteinsätze vermieden, sondern durch sofortige Verfügbarkeit der Telemediziner das therapiefreie Intervall für Patienten verkürzt“, habt der Direktor der Klinik für Anästhesiologie der Uniklinik Aachen, Prof. Rolf Rossaint, hervor. „Die leitlinientreue Behandlung und digitale Dokumentation aller Einsätze verbessern darüber hinaus die Qualität der Notfallversorgung erheblich.“

Bundesweite Ausdehnung des Telenotarzt-Dienstes wird angestrebt

Die Ingenieurgesellschaft P3 telehealthcare will den Service nun auch anderen Rettungsdiensten bundesweit bereitstellen. Insbesondere in ländlichen Gegenden, wo die Anfahrtswege lang sind und ein Ärztemangel besteht, sei der Telenotarzt eine Möglichkeit, die Notfallversorgung zu beschleunigen und zu verbessern. 

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Von Petra Funk
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