22.11.2015, 16:42 Uhr | 0 |

Dieselgate VW-Konzern spart: weniger Investitionen, weniger Sport-Sponsoring

Der VW-Konzern drückt auf die Kostenbremse: Die Investitionen für das kommende Jahr werden um eine Milliarde gekürzt, auch im Sport-Sponsoring will das Management sparen. Zugleich hat VW am Wochenende bestätigt, dass auch 3,0-l-Diesel von den Abgasmanipulationen betroffen sind.

Jubelnde Spieler des FC Bayern München und enttäuschter Schalke-Spieler
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Jubelnde Spieler des FC Bayern München und enttäuschter Schalke-Spieler nach dem Spiel am Samstagabend in der Schalke-Arena: Auch im echten Leben kann der FC Bayern jubeln, Schalke muss um Einnahmen fürchten. Denn der VW-Konzern will sein Sport-Sponsoring reduzieren, auch beim FC Schalke. Tabu sind offenbar die VW-Investitionen beim FC Bayern und VfL Wolfsburg.

Foto: Maja Hitij/dpa

Volkswagen bekommt die Schlagzeilen im laufenden Dieselskandal einfach nicht in den Griff: Jetzt haben die amerikanischen Umweltbehörden EPA und CARP festgestellt, dass auch ältere Dieselmotoren mit Manipulationssoftware ausgestattet sind. Betroffen sind 3,0-l-Sechszylinder-Dieselmotoren, die von den Konzernmarken VW, Audi und Porsche seit 2009 genutzt werden. In den USA sind nach Behördenangaben 75.000 Modelle betroffen. Wie viele Autos außerhalb der USA mit der Schummelsoftware ausgerüstet sind, ist nicht bekannt.

Laut EPA laufen diese Motoren in den USA im VW Touareg, im Porsche Cayenne und einiger Oberklasse-Modellen von Audi. CARB hatte bei Tests festgestellt, dass auch die 3-l-Motoren über eine Software verfügen, die Abgaswerte auf dem Prüfstand deutlich absenken im Vergleich zum Testbestrieb. Das hatte VW bislang bestritten.

Wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet, sind aber von dieser neuerlichen Manipulation nicht 75.000, sondern 100.000 Fahrzeuge betroffen. Die 3-l-Diesel-Turbomotoren wurden bei Audi entwickelt. Audi hat die Motoren vor allem im Q7 und im A8 eingebaut, so die Zeitung.

VW legt Rückrufplan für Autos in den USA vor

Unterdessen hat VW kurz vor Ablauf der Frist einen Plan zum Rückruf der vom Skandal betroffenen US-Modelle vorgelegt. Das bestätigen die US-Behörden EPA und CARB am Samstag. Details sind noch nicht bekannt. 480.000 Fahrzeuge müssen in die Werkstätten. Möglicherweise müssen allerdings die betroffenen 3-l-Modelle noch hinzugerechnet werden.

Am Freitag war auch bekannt geworden, dass VW möglicherweise gezwungen wird, manipulierte Fahrzeuge in den USA zurückzukaufen. Wegen des Skandals und der hohen finanziellen Belastungen hat VW mitgeteilt, die Investitionen im nächsten Jahr um eine Milliarde auf zwölf Milliarden € kürzen zu wollen. „Wir gehen durch eine Zeit der Unsicherheit und Volatilität, darauf stellen wir uns ein", sagte Vorstandschef Matthias Müller am Freitag nach der Sitzung des Aufsichtsrates. „Wir werden alle geplanten Investitionen und Ausgaben strengstens priorisieren. Was nicht zwingend notwendig ist, wird wie angekündigt gestrichen oder geschoben."

Erhöhen werde VW gleichzeitig aber die Ausgaben zur Entwicklung alternativer Antriebe um rund 100 Millionen € im nächsten Jahr. „Wir werden nicht den Fehler machen und uns um unsere Zukunft sparen. Deswegen planen wir, die Ausgaben zur Entwicklung der Elektromobilität und der Digitalisierung weiter zu steigern", so Müller. Vor allem die Weiterentwicklung elektrischer Antriebe bei VW, Audi und Porsche stünden im Vordergrund.

Investitionen werden um 1 Mrd. € gekürzt

Von den Investitionskürzungen betroffen ist das neue Designzentrum in Wolfsburg, das vorerst nicht gebaut wird. Damit spart VW 100 Millionen €. Überprüft werde der Bau einer neuen Lackiererei in Mexiko. Der Phaeton-Nachfolger, der als reines Elektroauto angekündigt war, soll verschoben werden. „In den nächsten Wochen werden wir weitere Ausgaben überprüfen und gegebenenfalls auch streichen oder strecken, ohne aber unsere Zukunftsfähigkeit zu gefährden", sagte Müller.

Einen Personalabbau soll es angeblich nicht geben. „Wir werden weiterhin gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern alles dafür tun, um die Stammbelegschaft an Bord zu halten", sagte Müller nach der Aufsichtsratssitzung. Die Betonung auf Stammbelegschaft dürfte bedeuten, dass die Zeche Leiharbeiter und Zeitarbeitskräfte bezahlen.

Kürzungen auch beim Sport-Sponsoring

Gleichzeitig berichtet die Bild am Sonntag, dass VW nun auch im Sport-Sponsoring kürzen will. VW ist stark im Fußball engagiert, besonders stark beim Bundesligisten VfL Wolfsburg, bei dem allerdings keine Kürzungen geplant seien. Dem Bericht zufolge prüft VW die Einstellung des Sponsorings bei den Bundesligaclubs FC Schalke 04, SV Werder Bremen, Hannover 96 und beim Zweitligisten TSV 1860 München. Bei jedem dieser Clubs engagiert sich VW mit 1,5 Millionen € pro Jahr. Auch der Eishockey-Club Grizzlys Wolfsburg muss sich Sorgen machen. Der Club wird mit 5,0 Millionen € im Jahr gefördert – auch dieses Engagement soll auf der Streichliste stehen.

Dass sich das Management mit solchen vergleichsweise niedrigen Summen befasst, die hohe Aufmerksamkeit erzeugen, ist angesichts der Milliarden-Beträge, die Rückrufe und Entschädigungen kosten, erstaunlich. Und das umso mehr, als offenbar das deutlich teurere Engagement des VW-Konzerns beim FC Bayern München nicht zur Debatte stehen soll, so die Bild am Sonntag. VW hält 8,33 % am FC Bayern München.

Engagiert ist der VW Konzern auch in kleinerer Form beim FC Ingolstadt, dem 1. FC Nürnberg, Greuther Fürth, Eintracht Braunschweig, RB Leipzig, 1899 Hoffenheim, Borussia Mönchengladbach, Hertha BSC und dem Hamburger SV. 

Hier lesen Sie den VW-Skandal im Ticker

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Von Axel Mörer-Funk
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