24.08.2016, 13:44 Uhr | 0 |

10.000 Autos ab 2017 Post ist Fahrzeugbauer: 1.000sten StreetScooter ausgeliefert

Er floriert, der Fahrzeugbau der Deutschen Post: Der 1.000ste Elektrotransporter StreetScooter hat die Fertigungsstätte der Post in Aachen verlassen. Die Produktion will das Unternehmen hochfahren – auf 10.000 pro Jahr. Der fast lautlose Transporter eignet sich auch für andere Logistikaufgaben in den Innenstädten. 

Er schafft nur eine Reichweite von 80 km pro Akkuladung, die Spitzengeschwindigkeit liegt bei schlappen 80 km/h. Doch schneller und weiter muss der StreetScooter auch nicht fahren. Denn der Transporter soll vor allem Waren in den Innenstädten ausliefern. Und deshalb kann der StreetScooter 650 kg an Zuladung aufnehmen. Das entspricht rund 150 Paketen.

Damit ist der elektrobetriebene StreetScooter absolut tauglich für die Paketzustellung der Posttochter DHL. Am Dienstag hat Post-Vorstand Jürgen Gerdes gemeinsam mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in Aachen den 1.000sten SreetScooter in Empfang genommen.

Hendricks war dabei, weil ihr Bundesumweltministerium die kohlendioxidfreie Brief- und Paketzustellung der Deutschen Post bis zum Jahr 2020 mit 9,5 Millionen Euro fördert. Die SPD-Politikerin setzte sich dann auch als erster Gast in den gelben Transporter.

Aus der Not heraus wurde die Post zum Fahrzeughersteller

Aber wieso eigentlich baut die Post ihre Transporter selbst? Aus der Not heraus. Als Vorstand Jürgen Gerdes vor fünf Jahren bei etablierten Autoherstellern wie Daimler und Volkswagen nach der Produktion eines elektrisch betriebenen Transporters anfragte, gab es überraschenderweise nur Abfuhren. Doch Gerdes hielt an seiner Idee fest und wurde bei dem kleinen Start-up StreetScooter fündig, das an der RWTH Aachen Elektrofahrzeuge entwickelte. 2014 kaufte die Post den kleinen Hersteller. „Das war natürlich ein Glücksfall“, sagt Gerdes heute über die Aachener Auto-Entwickler.

 

Ein Glücksfall, weil der rein elektrisch fahrende StreetScooter voll auf die Bedürfnisse der Warenzustellung in Innenstädten zugeschnitten ist. Das Auto ist nur 4,60 m lang und damit wendig genug, um sich auch in engen Straßenzügen bewegen zu können. Die Zuladung ist mit 650 kg ideal für den Warentransport über kurze Strecken. Bis zu 300 Stopps und Anfahrvorgänge täglich leistet der StreetScooter, der an rund 300 Tagen im Jahr im Einsatz ist.

Der Asynchronmotor hat eine Leistung von 30 kW, die Energie liefert eine Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 20,6 kWh. An einer Steckdose dauert es viereinhalb Stunden, bis die Batterie zu 80 Prozent geladen ist. 

Der StreetScooter hat seine Alltagstauglichkeit längst bewiesen: Rund eine Million Kilometer sind bisher im Probebetrieb absolviert worden. Derzeit sind 750 Fahrzeuge in Deutschland und in den Niederlanden im Einsatz.

Mittelfristig will die Post 70.000 StreetScooter fahren

Jetzt erhöht die Post die Produktion. Bis zum Jahresende sollen weitere 1.000 StreetScooter im täglichen Einsatz sein. Schon im nächsten Jahr wird die Produktion im früheren Bombardier-Werk in Aachen auf jährlich 10.000 erhöht. Mittelfristig soll der gesamte Fuhrpark von Post und DHL in der Brief- und Paketzustellung auf Elektrotransporter umgestellt werden.

70.000 E-Transporter werden dann mit dem gelben Posthorn auf der Motorhaube unterwegs sein. 2017 wird auch eine Entscheidung darüber gefallen sein, ob die Post ihren StreetScooter auch für Dritte baut. Klar ist: Die entsprechende Nachfrage ist vorhanden. „Ich persönlich würde mich wundern, wenn wir es nicht täten“, sagte Gerdes gestern in Aachen.

Inzwischen gibt es auch ein Umdenken bei den Unternehmen, die noch vor fünf Jahren kein Elektroauto gemeinsam mit der Post entwickeln wollten. Daimler testet derzeit gemeinsam mit Hermes in Stuttgart Elektrotransporter und kleine Lkw im Logistikeinsatz. Allerdings fährt Daimler nicht mit eigenen Mercedes-Fahrzeugen: Gebaut hat die Elektrofahrzeuge die Daimler-Trucktochter Fuso aus Japan.

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Von Detlef Stoller
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