12.06.2014, 14:25 Uhr | 0 |

EU ist weltfremd bei CO2 Osterloh: Wir brauchen weitere Modelle für den US-Markt

Neue VW-Modelle für den wichtigen US-Markt hat der Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh im ersten Interview nach seiner Wiederwahl gefordert. Besonders im Bereich der Pickups und SUV habe Volkswagen in den USA zu wenig anzubieten, sagte Osterloh der Wochenzeitung VDI nachrichten. Scharf kritisiert hat Osterloh zudem die EU wegen ihrer CO2-Politik. 

VW-Produktion im US-Werk Chattanooga in Tennessee
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Produktion des amerikanischen Passtat-Modells im US-Werk Chattanooga in Tennessee: Konzernbetriebsratschef Osterloh sieht vor allem bei SUV und Pickups Lücken im US-Portfolio.

Foto: dpa/Erik S. Lesser

„In den Segmenten mit dem stärksten Wachstum, bei Pick-ups, bietet Volkswagen kein Modell an“, bemängelt der Betriebsratschef. „Allein in diesem Segment verkaufen US-Hersteller 750.000 Fahrzeuge pro Jahr. VW setzt in den USA insgesamt nur 400.000 Automobile ab“, so Osterloh, der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt.

Wir brauchen einen verlängerten Tiguan für den US-Markt

Auch unterhalb des großen SUV Touareg sieht Osterloh eine Lücke im US-Portfolio der Marke. „Ein B-SUV, sozusagen ein längerer Tiguan, könnte den Absatz in den USA beflügeln.“ Zuletzt hatte VW von Januar bis Mai 12 Prozent weniger Fahrzeuge in den USA verkauft als im Vorjahreszeitraum, während die deutschen Premiumkonkurrenten in den ersten Monaten des Jahres dort teils zweistellige Zuwächse verbuchten. Gut aufgestellt sieht Osterloh VW dagegen in den anderen Segmenten. „In der Mittelklasse ist Volkswagen mit dem Passat und dem Jetta, in der Kompaktklasse mit dem New Beetle gut bestückt.“

Ein weiteres Problem sieht Osterloh in den sehr kurzen Produktzyklen in den USA. „In den USA stellt sich das Problem, neue Modelle schnell und kostengünstig herzustellen, die sich auch deutlich von den Vorgängermodellen unterschieden. Das ist die Kunst. Die Konkurrenz kann das“, sagte Osterloh, „warum sollen wir das nicht können?“

Angesichts immer strengerer CO2-Vorgaben stoßen wir an physikalische Grenzen

Weltfremdheit wirft Osterloh der EU in Sachen CO2-Grenzwerte vor. Trotz aller Leichtbaumaßnahmen stießen Autos angesichts immer strengerer CO2-Vorgaben aus Brüssel „schnell an physikalische Grenzen“, sagte Osterloh. Die EU lasse bei ihrer Reglementierung zudem völlig außer Acht, wie viel CO2 bei der Produktion eines Fahrzeugs entstehe. Die zur Erreichung der Abgas-Werte nötige Technik verteure Neuwagen über Gebühr und gefährde somit letztlich Arbeitsplätze. „Wenn also jemand meint, er müsste nächste Woche ein neues CO2- Ziel ausrufen, dann finde ich das spannend, aber auch ziemlich weltfremd“, so Osterloh.

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Bernd Osterloh, Vorsitzender des Gesamt- und Konzernbetriebsrats der Volkswagen AG: „Ein B-SUV, sozusagen ein längerer Tiguan, könnte den Absatz in den USA beflügeln.“ 

Foto: Volkswagen

Die EU sei viel zu sehr auf den CO2-Ausstoß beim reinen Betrieb der Autos fixiert. „Entscheidend müsste doch die Frage sein, wie man ein Auto CO2-frei oder fast CO2-frei herstellen kann. Aber darauf verwenden die EU-Kommission und Frau Hedegaard (EU-Kommissarin für Klimaschutz, Anm. der Redaktion) relativ wenig Gedanken“, monierte Osterloh. „Für mich persönlich wird es immer darum gehen, zu fragen, wie viel CO2 insgesamt entsteht, vom Bau einer Fabrik, in der Produktion und beim Betrieb eines Autos. Entscheidend ist doch, was am Ende in der Gesamtbilanz unterm Strich steht und nicht nur, was aus dem Auspuff rauskommt.“

95-Gramm-Ziel sollte die EU über mehrere Jahre stehen lassen 

Dabei lässt Osterloh keinen Zweifel daran, dass VW trotz der Kritik seinen Flottenaustoß bis Ende 2020 auf die geforderten 95 Gramm CO2 pro Kilometer senken wird. Aber diesen Grenzwert solle die EU dann erst einmal nicht weiter verschärfen, fordert Osterloh. „Ich persönlich finde, das Ziel von 95 Gramm CO2 pro Kilometer bis 2020 ... sollte man erst mal ein paar Jahre beibehalten.“ Das zu erreichen, werde „schon sportlich genug“, so Osterloh. Man sollte abwarten, welche weiteren Optimierungsmöglichkeiten es gebe, bevor gleich wieder ein neues Ziel gesetzt würde. „Andernfalls baut man Autos, die kein Mensch mehr bezahlen kann. Und gefährdet so letztlich Arbeitsplätze, auch am Standort Deutschland. Und das wäre das Letzte, was wir uns momentan leisten könnten.“

Das komplette Interview lesen Sie in der aktuellen Print- und digitalen Ausgabe der VDI nachrichten.

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Von Axel Mörer-Funk
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