15.01.2016, 11:55 Uhr | 0 |

Verdacht auf Manipulation Nach Razzia bei Renault rückt auch Daimler in den Fokus

Razzia bei Renault, Aktienkurs eingebrochen: Ist nach VW nun der nächste Autohersteller entlarvt, der die Abgaswerte seiner Dieselautos manipuliert hat? Die französischen Behörden haben mehrere Standorte durchsucht und Computer beschlagnahmt. Der VW-Skandal zieht Kreise. 

Logo von Renault
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Razzia bei Renault: Jetzt steht auch der französische Autohersteller unter dem Verdacht, die Dieselemissionen seiner Fahrzeuge bewusst manipuliert zu haben.

Foto: Jens Büttner/dpa

Renault steht nach den Durchsuchungen unter dem Verdacht, die Abgaswerte seiner Dieselfahrzeuge ebenfalls manipuliert zu haben. Die französischen Behörden haben mehrere Renault-Standorte in Frankreich durchsucht und dabei Akten, Dateien und Computer beschlagnahmt. 

Im Zentrum der Durchsuchungen soll das Technikzentrum in Lardy südlich von Paris gestanden haben. Dort wurde die Abteilung für „Typenzulassung und Motorenkontrolle“ gefilzt. Dort wurden auch die Computer führender Manager beschlagnahmt.

Renaults Aktienkurs um bis zu 23 % eingebrochen

Nach Bekanntwerden der Razzien am gestrigen Donnerstag gab die Renault-Aktie um bis zu 23 % nach. Bis zum Abend erholte sich das Papier und lag „nur“ 10 % im Minus. Am Freitagvormittag gab die Aktie erneut um rund 2,5 %nach.

Hintergrund der Durchsuchungen waren Tests verschiedener Modelle, die Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal angeordnet hatte. Dabei zeigten die Renault-Modelle offenbar Auffälligkeiten und überschritten die Grenzwerte. Royal versuchte allerdings, den aufkommenden Skandal zu entschärfen und sagte in Paris, es gäbe keine Hinweise auf Betrügereien bei Renault.

Frankreich überprüft 100 Automodelle

Die Ministerin will 100 Autos überprüfen lassen, die für die meistverbreiteten Modelle stehen, die in Frankreich auf den Straßen rollen. Die Emissionswerte von 22 Autos wurden bislang erfasst. Um welche Fahrzeuge es sich handelt, wollte Royal nicht mitteilen. Neben den Autos von Renault sollen auch zwei Modelle eines anderen französischen Herstellers die Grenzwerte klar überschreiten. PSA teilte vorsorglich mit, davon nicht betroffen zu sein. Zu PSA gehören Peugeot und Citroën.

In einer Messehalle stellen die Automobilhersteller Renault und Seat am Montag (03.04.2006) ihre Produkte auf der Leipziger Messe aus. Auf der vom 01. - 09.04.2006 stattfindenden Automesse "Automobil International" (AMI) zeigen 470 Aussteller aus 16 Ländern über 100 Fahrzeugpremieren, Neuheiten und den Entwicklungsstand der internationalen Automobilbranche. Foto: Peter Endig dpa/lsn +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Renault-Stand auf der Messe AMI in Leipzig: Bislang gaben sich Renault und PSA als Saubermänner aus und haben immer wieder bekräftigt, die saubersten Diesel zu bauen. Jetzt gerät nach der Razzia bei Renault auch die französische Autoindustrie in Verdacht, bei den Emissionswerten zu manipulieren.

Foto: Peter Endig/dpa

Durch die Razzia bei Renault rückt aber auch Daimler in den Fokus. Denn der Konzern kooperiert bei einigen Modellen eng mit den Franzosen und nutzt auch Dieselmotoren von Renault in der A-, B- und C-Klasse. Zudem baut Renault für Mercedes das Modell Citan, das baugleich mit dem Renault Kangoo ist. In diesen Modellen wird der 4-Zylinder-Diesel mit 1,5 l Hubraum von Renault eingesetzt.

Jetzt rückt auch Daimler in den Fokus des Dieselskandals

Dass Renault – wie viele andere Hersteller  – Probleme damit hat, nicht nur im Labor, sondern auch auf der Straße die Emissionswerte einzuhalten, ist nicht ganz neu. Im November 2015 hatte ein Test der Deutschen Umwelthilfe ergeben, dass ein Renault Espace die Grenzwerte für Stickoxide nur unter bestimmten Bedingungen erfüllt. Während der Fahrt bei warmem Motor lagen die Werte um bis zu 25-fach über den zulässigen Werten.

Die Kollegen von auto motor und sport haben im November bei einem Fahrtest ebenfalls erhebliche Abweichungen bei bestimmten Modellen festgestellt. Besonders auffällig war ein Fiat 500X 1.6, der im Fahrbetrieb die Grenzwerte des Euro-6-Grenzwertes, den er im Labor einhält, auf der Straße um das Zehnfache überschritt. „Die extremen NOx-Werte verwundern angesichts der entspannten Fahrweise doppelt“, so auto motor und sport. So hohe Abweichungen zwischen Labor- und Straßenwerten lassen den Verdacht der Manipulation aufkommen.

Hier lesen Sie den VW-Skandal im Nachrichtenticker.

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Von Axel Mörer-Funk
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