10.08.2015, 12:07 Uhr | 0 |

Sensor-Sitz für Lkw-Fahrer Mit einfachen Handgesten den Fahrersitz einstellen

Gegen die Rückenprobleme von Berufskraftfahrern gibt es jetzt einen neuen Fahrzeugsitz, der sich über einfache Handbewegungen einstellen lässt. Die Bedienung des Sitzes soll völlig intuitiv sein und über Sensoren an den Seiten funktionieren. Diese Sensoren reagieren auf Wischbewegungen der Hände.

Mercedes Actros
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Sonderanfertigung des Mercedes Actros: Lkw-Fahrer haben oft mit Rückenproblemen zu kämpfen wegen der langen Lenkzeiten. Jetzt arbeiten Fraunhofer-Forscher an einem Sitz mit Sensoren, durch die sich ein Sitz besser individuell einstellen lässt. 

Foto: Mercedes-Benz

Für Brummi-Fahrer, die durch das lange Sitzen in ihrem Arbeitsalltag unter Rückenschmerzen leiden, ist eine Erleichterung in Sicht. Das Fraunhofer Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg hat mit dem Unternehmen Isringhausen, einem Hersteller von Sitzsystemen für Nutzfahrzeuge, einen Lkw-Sitz entwickelt, der sich mit einfachen Handbewegungen in Form und Position anpassen lässt.

Sensoren in den Seitenabdeckungen des Sitzes

Dafür nutzen die Forscher eine sensorbasierte Gestensteuerung im Fahrersitz. „Mit Hilfe einfacher Handbewegungen kann der Fahrer den Sitz vor und zurück sowie nach oben und unten fahren. Außerdem kann er auf die gleiche Weise die Neigung der Oberschenkelstütze und der Rückenlehne individuell einstellen“, sagt Johannes Ehrlich vom Center Smart Materials am Fraunhofer-Institut.

Damit der Sitz auf die Gesten des Fahrers reagiert, integrierten die Wissenschaftler verschiedene Sensoren in die Seitenabdeckung aus Kunststoff. Mit Piezosensoren, die auf Druck reagieren, wird die Gestensteuerung aktiviert.

Der Nutzer muss dazu einen bestimmten Punkt an der Seitenabdeckung kurz drücken. So wird verhindert, dass die Gestensteuerung ungewollt ausgelöst wird. Außerdem lassen sich über diesen Punkt durch mehrmaliges Drücken Sitzpositionen abspeichern. Das ist sinnvoll, wenn mehrere Fahrer einen Lkw nutzen.

Wischbewegung wie beim Touchscreen

Die Gestenerkennung erfolgt über Näherungssensoren, die ebenfalls in der Seitenabdeckung verbaut sind. Sie können kleinste Änderungen von elektrischen Feldern in der Umgebung erfassen, wie sie etwa durch Handbewegungen hervorgerufen werden. Eine ebenfalls am ISC entwickelte Software wertet diese Sensoren aus und leitet daraus die Bewegungsrichtung der Hand ab. Die Anordnung der Sensoren in der Seitenabdeckung ist dabei entscheidend. Darüber hinaus gewährleistet eine intelligente Algorithmik in der Software, dass mehrere Elektroden gleichzeitig ausgewertet werden können, um eine Fehlbedienung zu reduzieren.

Um den Sitz einzustellen führt der Fahrer entlang der Seitenabdeckung kurze Handbewegungen aus – ähnlich wie bei der Wischbewegung bei einem Touchscreen. Das heißt, er muss die Abdeckung dabei leicht berühren.

Je nach Bewegungsrichtung der Geste – hoch, runter, vor, zurück oder diagonal – werden die einzelnen Sitzelemente angepasst. Hat der Bediener seine Einstellungen vorgenommen, wird die Gestensteuerung automatisch beendet, sobald die Hand sich aus dem Sensorbereich entfernt. Über eine aufleuchtende LED erhält der Fahrer die Rückmeldung, ob seine Gesten erfasst werden konnten.

Vorstellung des Sitzes auf der Automobilausstellung in Frankfurt

Der voll funktionsfähige Prototyp des Sensor-Sitzes soll im September dieses Jahres auf der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt vorgestellt werden. Derzeit konzentrieren sich die Projektpartner auf das Marktsegment Nutzfahrzeuge. Langfristig wäre der gestengesteuerte Sitz aber auch für Mittel- oder Oberklassewagen interessant, um den Komfort für den Fahrer zu erhöhen.

Isringhausen liefert derzeit Sitzsysteme für Lastwagen von DAF, Iveco, MAN, Mercedes-Benz, Renault, Scania und Volvo. Hinzu kommen Sitze für Reisemobile, Busse, Baumaschinen und Gabelstapler. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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