23.09.2014, 15:09 Uhr | 0 |

Autostandort NRW in Krise Mercedes, Opel und Ford streichen Jobs und arbeiten kurz in NRW

Die Autoindustrie in Nordrhein-Westfalen ist in Gefahr: Das Opel-Werk in Bochum schließt ganz, Mercedes in Düsseldorf plant einen drastischen Stellenabbau, Ford in Köln hat Kurzarbeit angekündigt. Von der Landesregierung wurde jetzt Hilfe gefordert.

Mercedes-Werk in Düsseldorf
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Das Mercedes-Werk in Düsseldorf produziert den Sprinter und VW Crafter: Ein Teil der Produktion soll in die USA verlagert werden, um hohe Einfuhrzölle zu umgehen. Der Betriebsrat befürchtet den Verlust von 1800 der 6500 Arbeitsplätze.

Foto: Mercedes-Benz

Wenn am 12. Dezember in Bochum das letzte Fahrzeug das Opel-Werk verlässt, gehen dort auf einen Schlag 3300 Arbeitsplätze verloren. 2500 bis 3000 der betroffenen Beschäftigten haben immer noch keinen neuen Job. Das ist umso trauriger, als dass die Autohersteller im Süden der Republik teilweise an der Kapazitätsgrenze arbeiten und ihre Kapazitäten ausbauen. Allerdings im Süden, und nicht im Ruhrgebiet.

„Es gibt schlicht keine Arbeitsplatzangebote“, sagt der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel. Er sieht vor allem Opel selbst gefordert, mehr für die Beschäftigten zu tun. Doch im Ruhrgebiet gibt es nicht genug Unternehmen, die kurzfristig 3000 Opel-Werker unterbringen können.

Sprinter-Produktion wird in die USA verlagert

Aber Opel ist nicht der einzige Autohersteller im Land, der Arbeitsplätze abbaut. Die sehr gut ausgelastete Produktion des Mercedes Sprinter in Düsseldorf soll teilweise in die USA oder nach Mexiko verlagert werden – die Unternehmensleitung kündigte an, 1000 Stellen zu streichen, der Betriebsrat rechnet mit bis zu 1800 Stellen weniger. Eine endgültige Entscheidung dazu soll Ende Oktober fallen.

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Ein Transparent "Wir bleiben" hängt am 10. September 2014 am Zaun des Opel Werkes neben dem Tor 1 in Bochum. Das Opel-Werk in Bochum schließt am 12. Dezember. 

Foto: dpa/Roland Weihrauch

Der Grund ist übrigens nicht, dass das Sprinter-Werk, das jährlich rund 150.000 Fahrzeuge herstellt, mit seinen 6500 Mitarbeitern nicht ausgelastet ist. Mercedes zahlt derzeit hohe Zölle auf die nach Nordamerika importierten Sprinter und will diese durch die Produktionsverlagerung umgehen.

Ford arbeitet im Oktober und November kurz

In Köln versucht Ford sinkende Absatzzahlen mit Kurzarbeit zu überstehen: Für Oktober und November hat der Hersteller für sein Kölner Werk Kurzarbeit beantragt. Die trifft rund 4000 der insgesamt 17.300 Kölner Beschäftigten.

Ford reagiert mit der Kurzarbeit auf die schwachen Verkaufszahlen des in Köln produzierten Fiesta in Südeuropa. Dabei hatten die Kölner Beschäftigten erst im Juni noch mit Freude auf die Entscheidung reagiert, den Fiesta mindestens bis 2021 in Köln zu bauen.

Die Probleme der Autohersteller in Nordrhein-Westfalen treffen aber nicht nur die Beschäftigten der Hersteller selbst. Mittelfristig wird das auch auf die in NRW starke Zulieferindustrie durchschlagen. Auf jeden Arbeitsplatz, der bei einem Autobauer verloren geht, kommen noch einmal 2,7 Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie, so Thomas Weilbier, Betriebsratsvorsitzender im Düsseldorfer Mercedes-Werk.

Mercedes hat Probleme im Werk Düsseldorf selbst verschlimmert

Und ein Ende der Krise ist nicht in Sicht. Mercedes hat im vergangenen Jahr den Kooperationsvertrag mit VW gekündigt. Bislang produziert das Düsseldorfer Werk auch rund 40.000 VW Crafter pro Jahr, der mit dem Sprinter in weiten Teilen baugleich ist. Das entspricht rund einem Viertel der Jahresproduktion in Düsseldorf.

2013 hatte Daimler die Kündigung noch damit begründet, dass man die Produktionskapazitäten selbst für den gut laufenden Sprinter benötigt. Jetzt würden die Mercedes-Arbeiter wohl gerne weiterhin den Crafter montieren.

Dass die Verlagerung von Teilen der Sprinter-Produktion in die USA ohne Entlassungen gelingen soll, hält Betriebsrat Weilbier vor diesem Hintergrund für ein reines Lippenbekenntnis der Unternehmensleitung.

Experte fordert stärkeres Engagement der Landesregierung

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen forderte jetzt die Landesregierung in Düsseldorf auf, sich stärker zu engagieren. Bei den Diskussionen um die Schließung des Opel-Werks habe Ministerpräsidentin Hannelore Kraft es „geschickt vermieden, mit Opel allzu oft zu reden“, kritisiert er. Und auch die Entscheidung für die weitere Produktion des Fiesta in Köln sei sehr knapp gewesen. „Da sah man, wie dünn das Eis ist, auf dem sich NRW bewegt.“

Die Politik sollte schon deshalb alarmiert sein, weil die Automobilindustrie nach wie vor eine der bedeutendsten Branchen für die deutsche Wirtschaft ist. 756.000 Menschen waren 2013 direkt in der Autoproduktion beschäftigt, 360 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete die Branche. 

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Von Andrea Ziech
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